08.08.2014 18:10 Uhr - Jugend/Juniorinnen - Markus Hausdorf

U18-Vizeweltmeisterinnen Jessica Jochims und Alina Grijseels im Doppelinterview

Jessica JochimsJessica Jochims
Quelle: Sven Drese/Bundespolizeisportschule Kienbaum
Der deutschen U18-Nationalmannschaft gelang bei der WM in Mazedonien ein großartiger Erfolg: Die weibliche DHB-Auswahl kehrte mit der völlig überraschenden Silbermedaille zurück. Markus Hausdorf sprach unter der Woche mit Jessica Jochims, die zur besten Keeperin der WM ausgezeichnet wurde, und Spielmacherin Alina Grijseels. Das Duo spielt in der Jugend-Bundesliga für den TV Aldekerk und läuft in der 3. Liga West für den TuS Lintfort auf.

Die WM liegt erst einige Tage zurück, habt ihr inzwischen begreifen können, was ihr als Mannschaft in Mazedonien erreicht habt?

Jessica:
Im Moment ist das noch alles sehr irreal. Dass wir Vize-Weltmeister geworden sind, werden wir wohl erst in den nächsten Tagen realisieren.

Alina:
Es ist mir noch unbegreiflich und wie ein Traum, was wir in Mazedonien geleistet haben. Dass wir wirklich Vize-Weltmeister geworden sind, ist unglaublich und noch nicht verarbeitet, dafür werde ich sicherlich noch eine Tage brauchen um zu erkennen was einen großartiger Erfolg diese WM war.

Bei der Abreise habt ihr sicherlich nicht daran gedacht, dass ihr das Endspiel erreichen werdet. Mit welcher Zielsetzung seid ihr persönlich zur WM gefahren?

Jessica:
Unser vorläufiges Ziel war, dass wir ins Achtelfinale kommen und im besten Fall unter die ersten 8 kommen.

Alina:
Mit der Mannschaft haben wir uns das Ziel gesetzt das Achtelfinale zu überstehen. Dass wir ins Finale kommen, hat keiner geglaubt. Im Gegenteil, es wurde von uns eher belächelt. Persönlich war ich sehr gespannt auf dieses Erlebnis und wollte der Mannschaft so gut es geht helfen um lange im Turnier zu bleiben, Verantwortung übernehmen und eine für mich zufriedenstellende Leistung zeigen.

Welches Spiel bei der WM habt ihr für dieses positive Abschneiden ausgemacht?

Jessica:
Ich denke, dass der Knoten bei dem Spiel gegen Portugal, im Achtelfinale, geplatzt ist. Danach haben wir begriffen, wozu wir noch in der Lage sind.

Alina:
Gegen Portugal hätten wir genauso gut rausfliegen können. Das war bis jetzt das emotionalste Spiel meinerseits. Nach diesem Spiel wollten wir mehr und haben gegen Korea und Dänemark perfekt das umsetzen können, was die Trainer uns mitgegeben haben!

Im Halbfinale gegen Dänemark konntet ihr Euch für die Vorrundenniederlage revanchieren, habt die Partie im zweiten Durchgang dominiert. Was war bei dieser Partie anders als noch im Vorrundenspiel?

Jessica:
In das Spiel gegen Dänemark sind wir mit Spannung und viel Vorfreude reingegangen. Die Chance sich noch einmal gegen Dänemark zu behaupten hat reichlich motiviert.

Alina:
Wir waren anders eingestellt, wussten, dass wir eine sehr gute Chance gegen Dänemark haben wenn wir das umsetzen, was wir können. Im Vorrundenspiel war der Respekt gegenüber Dänemark noch sehr groß, wenn nicht sogar zu groß. Wir haben es geschafft uns von Spiel zu Spiel zu steigern und immer bessere Leistungen zu bringen. Das gab uns gerade nach dem Korea-Spiel sehr viel Selbstvertrauen! Zusätzlich wollten wir die beiden Niederlagen der Juniorinnen und natürlich auch unsere in der Vorrunde wettmachen und uns dafür revanchieren.

Wie seht ihr das Endspiel gegen Rumänien wenige Tage danach? Wieso hat es letztlich nicht zum ganz, ganz großen Wurf gereicht?

Jessica:
Ich denke, dass wir, neben einer Portion Pech, nicht konsequent genug waren in der Abwehr wie auch im Angriff. Hinten haben wir zu früh aufgegeben und im Angriff nicht alle Würfe in Tore verwandelt.

Alina:
Wir waren nicht mehr in der Lage das umzusetzen was vorgegeben war. Der frühe Rückstand hat uns einen Knacks gegeben, von dem wir uns nicht mehr erholen konnten. Dafür hat uns das Turnier zu sehr in den Knochen gesteckt.

Jessica, du wurdest als beste Torhüterin der Weltmeisterschaft ausgezeichnet. Über Facebook hat dir selbst die Torwart-Legende Wieland Schmidt gratuliert. Was bedeuten dir diese Auszeichnung und diese Gratulationen?

Jessica:
Ich habe mich wirklich tierisch gefreut, dass Wieland Schmidt mir gratuliert hat! Mir haben einige Leute gratuliert, auch viele von zu Hause, was mir wirklich unglaublich viel bedeutet hat und ich mich sehr darüber gefreut habe! Die Auszeichnung ist eine riesengroße Ehre für mich, die das Turnier nur noch mehr unvergesslicher machen.

Alina, für dich muss das letzte halbe Jahr quasi wie im Traum verlaufen sein. Du bist erst im März zum ersten Mal für die Jugendnationalmannschaft nominiert worden, hast dann gleich dein erstes WM-Finale gespielt. Wie fühlt es sich an, hast du all das schon verarbeiten können?

Alina:
Es ist unglaublich. Es ging alles unglaublich schnell, so ganz realisieren kann ich das nicht! Ich kann mich nur bedanken, dass ich dieses Erlebnis haben durfte! Das kann nicht jeder und darauf bin ich sehr stolz.

Für den Mädchen- und Frauenhandball, aber auch den Handballsport an sich, habt ihr großartige Werbung betrieben. Was würdet ihr Euch wünschen, soll aufgrund dieses Erfolges passieren?

Jessica:
Ich hoffe, dass sich noch mehr Menschen für den Handballsport begeistern können, denn Handball ist ein großartiger und vor allem spannender Sport.

Alina:
Das der Frauen- bzw Mädchenhandball populärer wird und mehr Anerkennung bekommt.

Ihr beide spielt beim TuS Lintfort in der 3. Liga West, habt in der vergangenen Saison nur knapp den Aufstieg in die 2. Liga verpasst. Welche Ziele habt ihr mit dem TuS in der 3. Liga West, welche persönlichen Ziele gibt es?

Jessica:
Meine persönlichen Ziele sind vorläufig eine gute Saison zu spielen und vielleicht bald mal in der 1. Liga sowie weiterhin Nationalmannschaft spielen zu können. Mit dem TuS wollen wir wieder so eine gute Saison spielen wie 2013/2014.

Alina:
Ich persönlich möchte mich in der 3. Liga festigen und natürlich wieder oben mitspielen. Die Mannschaft ist zum Großteil zusammengeblieben. Ich denke das wir da ganz gute Chancen haben.

Mit dem TV Aldekerk spielt ihr auch in der Jugend-Bundesliga Handball (JBLH). Unter anderem trefft ihr auf den amtierenden Vize-Meister HSG Badenstedt. Welche Chancen rechnet ihr Euch in der JBLH aus?

Jessica:
Mit Aldekerk wollen wir wieder so weit wie möglich kommen. Die Mannschaft lebt davon in spannenden Spielen einen kühlen Kopf zu bewahren und das Tempo lange hoch zu halten, Abwehr wie Angriff und das wird ein Vorteil sein, der uns weit bringen kann.

Alina:
Ich glaube, dass unsere Chancen höher sind als letztes Jahr. Wir spielen jetzt mit dem älteren Jahrgang in der JBLH. Unsere Mannschaft ist eingespielt und wir wollen so weit wie möglich kommen. Wie weit es genau reicht, wird man sehen. Dazu gehört auch immer ein bisschen Glück im richtigen Moment.

Jessica, die JBLH der weiblichen Jugend kann man nicht mit der für die männliche Jugend vergleichen. Würdest du dir wünschen, dass man diese Liga entsprechend anpassen würde?

Jessica:
Ich denke, dass die JBLH der weiblichen Jugend momentan ganz gut so läuft. Das Konzept ist nicht schlecht, und die Turnierform hat etwas Besonderes. Vielleicht wird die JBLH der weiblichen Jugend bald noch mehr Ähnlichkeit mit der der männlichen bekommen.

Alina, wie wichtig ist es für dich gewesen, dass du frühzeitig in Seniorenmannschaften Erfahrungen sammeln konntest?

Alina:
Sehr wichtig! Im Seniorenbereich lernt man sich körperlich mehr durchzusetzen, man spielt gegen Spielerinnen mit mehr Erfahrung. All diese Faktoren können einem im eigenem Jahrgang sehr weiterhelfen.

Euch beiden, vielen Dank für das Gespräch. Und natürlich eine erfolgreiche Saison mit dem TV Aldekerk und dem TuS Lintfort.