21.07.2014 12:22 Uhr - 1. Bundesliga - Sandra Degenhardt, dpa

Handball spielt keine Rolle mehr: Petra Uhlig wird 60

Auf dem Handball-Parkett sammelte Petra Uhlig Titel in Serie. Sie gehört zu den Besten ihres Metiers, welches sie aber heute nur noch beiläufig interessiert. Ihren 60. Geburtstag feiert sie mit Freunden und Familie, alte Weggefährten sind nicht dabei.

Ihr Lachen ist ansteckend. Und Petra Uhlig lacht gern und viel. Angesprochen auf ihr einst von einer Fachzeitschrift beschriebenes Spieler-Image als «Kratzbürste» prustet die dreimalige Handball-Weltmeisterin laut los. «Das kommt bestimmt daher, weil ich in der Abwehr immer so giftig und aggressiv war. Und ich habe immer lautstark dirigiert», erzählt die Leipzigerin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Einige Schiedsrichter wollten das Ausnahmetalent in ihrer Lautstärke sogar limitieren. «Die haben gesagt, wenn du nicht leise bist, fliegst du runter. Aber mein Trainer meinte, ich solle weiter brüllen. Das habe ich natürlich gemacht.» Sagt Petra Uhlig und lacht wieder herzlich.

Viel zu Lachen hatte sie vor allem auf dem Handball-Parkett. Denn Petra Uhlig, die am Dienstag ihren 60. Geburtstag feiert, gehört zu den Besten der Besten. Ihre Erfolgsliste ist beeindruckend: Drei WM-Titel (1971, 1975, 1978), Olympia-Silber (1976) und -Bronze (1980) sowie zehn DDR-Meistertitel und ein Europapokalgewinn (1974). «Es war wirklich eine tolle, wunderschöne Zeit», sagt Petra Uhlig mit strahlenden Augen. Ihre Medaillen, Auszeichnungen und Artikel bewahrt sie in ihrem Haus in Taucha in einem Kellerraum auf. «Ich gehe gerne ab und zu runter. Dann kommen die schönen Erinnerungen wieder.» Im Mittelpunkt zu stehen, behagt ihr indes nicht. Interviewanfragen zu ihrem Jubiläum lehnte sie fast ausnahmslos ab.

Mit 284 Länderspielen (487 Tore) rangiert sie in der deutschen Bestenliste auf Platz drei. Bei der Bewertung dieser Statistik ist ihr eines besonders wichtig. «Ich habe in allen Länderspielen auch wirklich gespielt und nicht nur auf dem Spielberichtsbogen gestanden», bemerkt die frühere Weltklasse-Kreisläuferin bestimmt.

Hätte ihr Sportlehrer, der später ihre Cousine heiratete, 1963 in ihrem Heimatdorf Flemmingen bei Altenburg nicht ein Handball-Team gegründet, «dann würde ich wohl heute noch dort sitzen. Aber so habe ich viel erlebt und etwas von der Welt gesehen.» Damals wurden die Tore im Schulhof an den Zaun gemalt und los ging"s. Wenig später wurde sie von Talentespähern des SC Leipzig entdeckt und an die Kinder- und Jugendsportschule geholt. Coach Peter Kretzschmar übernahm sie direkt in die erste Mannschaft. Und sie war so hochbegabt, dass sie mit gerade mal 16 Jahren ihr Debüt in der DDR-Nationalmannschaft feierte.

«Ich habe immer gerne trainiert, wollte von Lehrgängen nie nach Hause», erinnert sich Petra Uhlig, deren junges Alter ihren Teamkolleginnen auch schon mal einen Strich durch die Rechnung machte. «Man durfte ja nie ohne Aufsicht bleiben. Einer musste immer bei mir sein. Da ist es schon mal vorgekommen, dass am Ende alle im Hotel bleiben mussten», erzählt die in einem Kosmetiksalon arbeitende Jubilarin. Heute auch nur noch schwer vorstellbar: Nur sechs Wochen nach der Geburt ihrer Tochter Alexandra, selbst eine mit Meisterehren dekorierte Handballerin, stand sie schon wieder auf dem Parkett.

Am 15. Juli 1984, in diesem Jahr zur Handballerin des Jahres gekürt, beendete sie mit einem Länderspiel gegen Polen ihre Auswahlkarriere. Zumal sie wie viele DDR-Sportler vom Olympia-Boykott betroffen war. Aufhören musste sie aus gesundheitlichen Gründen. «Die Knie wollten nicht mehr so, wie sie sollten. Und es gibt ja auch noch ein Leben nach dem Sport», sagt Petra Uhlig, die seit 1976 mit dem Tierarzt und einstigen Springreiter Albrecht Uhlig verheiratet ist. Für ihren Club hätte sie gerne noch ein Jahr gespielt. Aber die DDR-Oberen bestimmten: «Entweder beides, oder Schluss.» Und so war Schluss.

Kontakt zu ihren ehemaligen Weggefährtinnen wie Waltraud Kretzschmar, Hannelore Zober oder Christina Rost hat Petra Uhlig nicht mehr. Auch in der Halle ist sie nicht mehr anzutreffen. «Als unsere Tochter noch spielte, waren wir natürlich immer dabei, haben mitgefiebert und mitgelitten. Das war fast schlimmer als selbst zu spielen. Aber jetzt verfolgen wir den Handball nur noch via Zeitung», sagt Petra Uhlig.

Zur Entwicklung des Handballs hat sie ihre eigene Meinung. «Damals hatten wir viel mehr Teamgeist, es gab auch eine gewisse Hierarchie in der Mannschaft. Wir haben für unseren Trainer, für unseren Club und auch unser Land gekämpft. Heute wird mir viel zu viel vom Geld geredet, bevor die eigentliche Leistung da ist», meint Petra Uhlig.

Fit hält sich die deutlich jünger wirkende Jubilarin jetzt mit Radtouren und Ausflügen zu ihren drei Pferden. «Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir gesundbleiben und vielleicht auch mal ein Enkelkind bekommen. Und dass wir es uns einfach schön machen.»