20.09.2006 06:07 Uhr - 1. Bundesliga - Felix Buß - handball-world.com

Südderby: Frisch Auf! Frauen in der Bärenhöhle

Nach einem schweren Auftaktprogramm und drei bitteren Niederlagen gegen Nürnberg, Trier und den Thüringer HC erwartet Frisch Auf! Göppingen nun wiederum eine schwere Prüfung. Am heutigen Mittwoch muss man um 20 Uhr in der Bärenhöhle der TSG Ketsch zum Südderby antreten. Während die Gastgeberinnen mit dem unplanmäßigen Sieg in Buxtehude viel Selbstbewusstsein getankt haben, können sich die Grün-Weißen, die in den ersten Spielen bisweilen kopflos wirkten, jetzt erstmals eine Chance auf Punkte ausrechnen. Dafür wollen Coach Olaf Schimpf und sein Team alles in die Waagschale werfen.

Olaf Schimpf will mit FAG die ersten PunkteOlaf Schimpf will mit FAG die ersten Punkte
Quelle: Christopher Monz
Dazu ist heute allerdings ein Start nach Maß nötig, der die miserable Anfangsphase gegen den Thüringer HC vom vergangenen Sonntag vergessen macht. In diesem Spiel lagen die Frisch Auf! Frauen schon nach fünf Minuten vorentscheidend mit 1:5 zurück, in den ersten zwanzig Minuten lief nichts zusammen. Der Aufsteiger muss vor allem in Sachen Cleverness und einer ruhigen und doch druckvollen Spielweise mächtig nachlegen, um nicht weiterhin so viel Lehrgeld zahlen zu müssen.

Das "Lehrjahr" haben die Ketscher Bären, die schon drei Spielzeiten Erstligaerfahrung gesammelt haben, nach dem Aufstieg 2005 erfolgreich hinter sich gebracht. Erstmals in der Vereinsgeschichte hat man den Klassenerhalt im Oberhaus geschafft. Dass Ketsch dem heutigen Gast etwas Reife voraus hat, erkennt man schon an den knappen Niederlagen gegen Trier und den Thüringer HC, gegen die die Grün-Weißen hoch verloren haben. Dabei konnten die zähen Bärinnen gegen Trier einen aussichtslosen Rückstand noch stark verkürzen, und auch die Ostdeutschen ließ man lange um ihren Sieg zittern. Der Sieg in Buxtehude ist damit so etwas wie eine Krone auf dem bisherigen Saisonverlauf.

In dieser Saison haben sich die Gastgeberinnen im Rückraum mit Maike Brückmann von Borussia Dortmund und der Französin Barbara Laverroux verstärkt. Torgefahr strahlten in den ersten Spielen vor allem Brunni Merkel im Rückraum, Franziska Garcia-Almendaris am Kreis und Natalie Augsburg auf dem linken Flügel aus, die mit vierzehn Treffern bisher eine riesen Saison spielt. Wie die "Großen" nutzt auch die TSG Ketsch gegnerische Fehler inzwischen gnadenlos aus, was zuletzt für die Buxtehuder Niederlage entscheidend war.

Die Göppinger Spielerinnen haben hingegen sowohl in der Defensive als auch im Angriff Probleme, scheinbar fehlt eine ordnende Hand. Besonders Nina Hess spielt bislang weit unter den Erwartungen. Munteanu, Vojtiskova und Schröder kamen zuletzt nicht zur Entfaltung und die Spielstärke von Schulz, Fritz und Dangel alleine reicht nicht aus. Zu schlechter Letzt fällt Neuzugang und Rückraumhoffnung Beate Gekeler mit einem Kreuzbandriss sehr lange aus.

Die eindeutigen Stärken der Bärinnen und die eigene Entwicklung stimmen im Göppinger Lager wenig optimistisch. Die Deckung bekam man zuletzt die starke THC-Kreisläuferin Sommerlund nicht in den Griff, von der Ketscher Kreisspielerin Franziska Garcia-Almendaris darf man sich nun nicht ebenfalls vorführen lassen. Göppingens Coach Olaf Schimpf hatte seit Sonntag vor allem die Aufgabe, seine Spielerinnen aufzurichten und ihnen ein selbstbewusstes und sicheres Auftreten einzuimpfen. Dann sind die Punkte vielleicht doch greifbar. Die Gastgeberinnen sind schließlich nicht der haushohe Favorit, solange der Aufsteiger nicht wieder allzu viele technische Fehler macht. Und den ersten Sieg in der ersten Bundesliga in Reichweite zu sehen, dürfte für das angekratzte Ego des Zweitliga-Erfolgsteams der vergangenen Spielzeiten eine große Motivation sein.