20.06.2014 14:47 Uhr - Europameisterschaft - chs

EM-Gegner mit schlechten Erinnerungen an DHB-Team

Deutschland siegte im Juni zweimal gegen die NiederlandeDeutschland siegte im Juni zweimal gegen die Niederlande
Quelle: Andreas Walz
"Es wird in allen vier Gruppen eng", schätzt Schwedens Nationaltrainer Thomas Sivertsson die Auslosung zur Europameisterschaft 2014 ein, die am gestrigen Mittag in Zagreb stattfand und den Tre-Kronor ein Duell mit Deutschland, den Niederlanden und Co-Ausrichter Kroatien beschert. "Schweden ist stark, Kroatien ebenso und spielt zudem mit Heimvorteil, und auch gegen die Niederlande brauchen wir eine Top-Leistung", hatte auch DHB-Coach Heine Jensen von einer ausgeglichenen Gruppe berichtet.

"Sie sind ein etabliertes und gutes Team", sagt der schwedische Coach Thomas Sivertsson über die Niederlande und beschreit die Gruppe C dementsprechend als "Gruppe mit vier guten und etablierten Mannschaften". Allerdings sieht man bei den Skandinaviern das Positive: "Es kann auch gut sein, jeder kann jeden schlagen. Ich denke, das ist eine spannende Gruppe. Wir haben Frankreich vermieden, mit denen wir immer Schwierigkeiten haben und haben stattdessen Deutschland bekommen."

Die DHB-Auswahl kennt man im Lager der Tre-Kronor ganz gut. Zuletzt traf man bei einem Großturnier bei der EM 2010 in der Vorrunde auf das damals noch von Rainer Osmann betreute Team und siegte mit 27:25. Die letzten Duelle gab es hingegen erst im letzten Dezember im Rahmen der deutschen WM-Vorbereitung, als man in Hamm (28:30) und Leverkusen (27:28) unterlag. Die Tre-Kronor hatten das Turnier in Serbien verpasst, waren damals an Polen gescheitert. Sivertsson prognostiziert: "Es wird schwer werden Dritter zu werden und weiter zu kommen. Alle Spiele werden eng und wir müssen in allen eine gute Leistung bringen."

"Das sind drei gute Teams, aber das wäre mehr oder weniger immer der Fall gewesen, egal gegen wen wir gelost worden wären", so Helle Thomsen, die mit Sivertsson nun ein Gespann an Schwedens Seitenlinie bildet. "Ich denke die Niederlande sind aus Pot 4 schon ein harter Gegner, aber wenn man weit im Turnier kommen will, dann muss man jeden schlagen. Die Auslosung hätte besser, aber auch schlechter laufen können." Dass man mit Kroatien eines der Gastgeberländer erwischt hat, findet Thomsen "cool". Die Dänin erklärt: "Natürlich ist es immer schwer gegen ein Team zu spielen, das zu Hause spielt. Aber es bedeutet auch, dass dort eine großartige Atmosphäre herrscht und das Spiel viel Aufmerksamkeit bekommt."

"Durch unsere Platzierung (in der Setzliste, Anm.) wussten wir schon im Vorfeld, dass wir die stärksten Gegner zugelost bekommen", meinte der niederländische Bondscoach Henk Groener. Für das NHV-Team schlug sich der Verzicht auf die Heim-EM 2012 entsprechend nieder. "Auf dem Papier hätten wir zwar weitaus schwierigere Gegner bekommen können, aber wir haben noch lange nicht gewonnen." Mit Blick auf die Gegner räumt der Bondscoach ein: "Deutschland kennen wir am besten, denn wir haben erst kürzlich zwei Testspiele gegen die gespielt (und mit 27:28 und 23:30 verloren, Anm.). Das letzte Mal auf Schweden sind wir bei der EM 2010 getroffen (25:18 für Schweden, Anm.)."

Beim gleichen Turnier spielte man auch gegen das DHB-Team und verlor die Partie mit 27:30. Doch Deutschland schied damals in der Vorrunde aus, weil man gegen die Ukraine mit 23:33 verlor. Ein traumatisches Erlebnis für die deutschen Frauen. "Kroatien ist an drei gesetzt und hatnatürlich als Ausrichter einen Vorteil. Es ist schwer vorherzusehen, gegen welches Team wir die besten Chancen haben", so Groener. "Es ist klar, dass wir drei absolute Spitzenspiele abliefern müssen, um weiter zu kommen."

"Ich muss einräumen, dass ich aus dem ersten Lostopf Schweden wollte, denn ich habe schon vorher gesagt, dass ich sie nicht zu den besten vier Teams in Europa zähle", so Kroatiens Nationaltrainer Vladimir Canjuga. Die Schweden hatten den Setzlistenplatz von Vizeweltmeister Serbien erobert, der bei der letzten EM Vierter war, in der Qualifikation aber nur Platz zwei hinter den Skandinavierinnen belegte. Nach Ansicht Canjugas hätte "Frankreich in dem Lostopf" sein sollen.

Bei den anderen Lostöpfen habe er keine besonderen Wünsche gehabt. "Alle Mannschaften außer vielleicht der Slowakei sind extrem stark und man kann im Moment nicht sagen, dass wir Favorit sind", so Canjuga, der mit Blick auf die Vorrundengruppe erklärte: "Gegen Deutschland, das wissen wir alle, haben wir aufgrund des Fehlwurfs von Peraica in Novi Sad verloren (16:17), was uns die Hauptrunde der EM (2012, Anm.) gekostet hat. Die Niederlande hat gegen uns in der Olympiaqualifikation gewonnen (28:29, Anm.), so dass wir Spanien anschließend schlagen mussten (23:22, Anm.)", fasste Canjuga nochmal das damalige Qualifkationsturnier zusammen. "Von daher geht es gegen zwei Teams auf die wir heiß sind und auf Revanche aus sind."

Der Coach hofft auf eine Stimmung, wie sie bei der Männer-WM 2009 existierte und würde nur allzu gerne mit dem Optimum von 4 Pluspunkten in die Hauptrunde einziehen. Dort rechnet der Coach dann mit Montenegro, Frankreich und Serbien. Die Slowakei hat nach Ansicht des Trainers "keine Chance die Hauptrunde zu erreichen". Und Canjuga ist überzeugt: "Die Hauptrunde wird extrem schwer, aber ich hoffe, dass wir in der Zagreb Arena mit der Hilfe von 15.000 Zuschauern Zweiter werden, was uns ins Halbfinale nach Budapest brächte."

"Das sind allesamt Spiele, die wir gewinnen, aber auch verlieren können. Bei einer EM gibt es weder gute noch schlechte Gruppen, denn da ist jede schwierig. Wir wollen möglichst mit Punkten in die Hauptrunde kommen. Wir freuen uns auf die Herausforderung", hatte Bundestrainer Heine Jensen erklärt. Anna Loerper schloss sich an: "Bei einer EURO gibt es keine einfache Gruppe. Wir haben eine schwere, aber dennoch machbare Aufgabe erwischt. Kroatien ist als Mitausrichter mit den eigenen Zuschauern im Rücken natürlich ein dicker Brocken. Aber auch Schweden und die Niederlande haben in den vergangenen Jahren sehr gute Leistungen gezeigt. Wir müssen in allen Spielen unsere Top-Leistung abrufen, um weiterzukommen." Das gilt für alle vier Teams in dieser wohl ausgeglichensten Gruppe der EM.