01.06.2014 08:20 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm, VfL Oldenburg

29:26 gegen Metzingen: Vor Abschiedsfeier sichert sich Oldenburg Platz 5

Anna LoerperAnna Loerper
Quelle: Thorsten Helmerichs/VfL Oldenburg
Der Handball-Bundesligist VfL Oldenburg hat sich am gestrigen Samstag den fünften Platz in der Saison 2013/14 gesichert. In einem meist ziemlich engen Spiel bezwang der VfL den TuS Metzingen mit 29:26 (13:14). Die zuvor punktgleichen Gäste gehen als Sechste aus der Saison. Weil Metzingen sich als ebenbürtiger Gegner erwies und weil der VfL lange brauchte, um seine Fehlerquote zu senken, bekam die Partie nur in den letzten Minuten den Charakter eines Schaulaufens. Die Symbolik der letzten erfolgreichen VfL-Aktionen war umso stärker: 50 Sekunden vor Schluss bediente Anna Loerper (wechselt nach Metzingen) aus der Mittelposition Rechtsaußen Maike Schirmer (geht nach Kolumbien) zum vorentscheidenden 28:25. Den Schlusspunkt mit der Schlusssirene setzte Wiebke Kethorn (Karriereende), der bereits Minuten vorher Tränen über die Wangen liefen. Nach der Partie stand bei den Gastgeberinnen die Verabschiedung von sechs Spielerinnen im Mittelpunkt – erwartet emotional.

In den ersten Minuten sah das VfL-Spiel ähnlich gut aus wie am Ende. Kethorn traf zum 1:0. Oldenburg verteidigte gut, besaß in Tess Wester einen starken Rückhalt, zeigte guten Handball, traf aber das Tor nicht mehr. So scheiterten Schirmer und Laura van der Heijden früh an der Latte. Insgesamt prallten Oldenburger Würfe bis zur Pause fünf Mal von Latte oder Pfosten ab. Nach und nach gewann Metzingen die Oberhand und führte spätestens nach Barbara Baloghs Tor vom Kreis völlig verdient mit 11:8 (21.). Oldenburg kam bis zum Seitenwechsel aber wieder auf ein Tor heran, für Metzingen ging es mit einem 14:13 in die Kabinen.

Nach der Pause spielten die Oldenburgerinnen konzentrierter, näherten sich Schritt für Schritt dem Ausgleich (17:17/39.) und waren durch Annika Meyer vom Kreis – nach starkem Pass über lange Distanz von Julia Wenzl – endlich wieder vorne (19:18/43.). Bis zur ersten Zwei-Tore-Führung dauerte es aber bis zur 56. Minute (25:23). Getroffen hatte Angie Geschke, die an sechs der letzten acht VfL-Tore beteiligt war – auch am letzten durch Kethorn. Auch Kim Birke drehte in dieser Phase mitentscheidend auf, zudem Laura van der Heijden (wechselt zu Team Esbjerg), die den Siebenmeter zum 27:24 (59.) herausholte, den die zwei Minuten zuvor eingewechselte Rabea Neßlage (zu Werder Bremen) verwandelte.

Nach dem Neßlage-Treffer stand das Publikum, viele hielten Schilder mit den Worten „Tschüss Wiebke“ in die Höhe. Die Tore der starken Metzingerinnen Balogh (die zwischendurch angeschlagen raus musste) und Cassandra Engel konnten den VfL-Sieg nicht verhindern. Wirkungsvoll agierte bei den Gästen auch Rückraumspielerin Patricia Stefani.

Die nachfolgende Verabschiedung ließ kaum ein Auge trocken. Hallensprecher Ulli Bernstorf las zu jeder Spielerin einen Text vor, Vereins-Geschäftsführerin Rosi Linde, Präsident Günther Bredehorn und GmbH-Geschäftsführer Peter Görgen übergaben Präsente. Kaum einer der treuen 870 Zuschauer verließ während dieser Zeremonie und beim anschließenden zehn Minuten langen, von der Mannschaft produzierten Dankeschön-Film die Arena.

Sie müssen in der nächsten Saison auf sechs verdienstvolle Spielerinnen verzichten: Anna Loerper (die auch von den Metzinger Fans gefeiert wurde), Rabea Neßlage (Bernstorf: „Werder darf sich auf diese Spielerin freuen“), Laura van der Heijden (die lange gezögert hatte mit einem Wechsel nach Oldenburg, dann in vier Jahren kein Spiel verpasste), Maike Schirmer („Ihr Talent haben auch die Bundestrainer erkannt“), Wiebke Kethorn (die für den Verbleib in Oldenburg einst sogar ein Architektur-Stipendium in Trondheim ausgeschlagen hatte). Nicht dabei war leider Lois Abbingh, die vor zehn Tagen operiert wurde und aus gesundheitlichen Gründen doch passen musste. Abbingh war vier Jahre eine der prägenden Oldenburger Spielerinnen und steht bei guter Gesundheit vor einer großen Karriere.

„Dass mich Robert Schumann vor zwölf Jahren zum VfL geholt hatte, war mein größtes Glück“, sagte Wiebke Kethorn anschließend in ihrer Abschiedsrede, dankte besonders ihrem Lebensgefährten und ihren Eltern für die Unterstützung. Als Jugendtrainerin wird sie dem VfL erhalten bleiben: „Ich werde versuchen, die eine oder andere Spielerin dahin zu bringen, dass die genauso viel Glück hat wie ich.“

Auch für andere Personen enden Lebensabschnitte: Physiotherapeut Philipp Werner, seit 2006 beim VfL, wird in der kommenden Saison nicht mehr dabei sein. Und der den VfL begleitende Lokalsender oeins wird nach fünf Jahren ohne Henning Sohl auskommen müssen. Der Handballexperte und -trainer (zurzeit TSG Hatten-Sandkrug) wechselt zum Männer-Oberligisten VfL Hameln.

Für den TuS Metzingen das letzte Mal auf der Platte agierten Christine Hesel, Julia Orban-Smideliusz und Tanja Padutsch. TuS-Trainer Alexander Job kommentierte das Spiel so: „Es war okay, aber Oldenburg hat hinten raus weniger Fehler gemacht. Ein, zwei unglücklichen Aktionen in der Abwehr sind mit Zeitstrafen bestraft worden – das hat uns zurückgeworfen.“ Die Saison sei erfolgreich gewesen: „Unser erstes Ziel war der Klassenerhalt. Wir haben dann aber schnell gemerkt, dass wir mehr können. Kommende Saison wollen wir mit Anna Loerper noch besser werden.“

Insgesamt zufrieden mit der Platzierung 5 ist VfL-Coach Leszek Krowicki: „Wir haben das Ziel, Vierter oder Fünfter zu werden, vor der Saison formuliert – das haben wir erreicht.“ Das heutige Spiel habe kein besonders hohes Niveau gehabt: „Da war wohl zu viel nebenbei am laufen.“ Am heutigen Sonntag um 10.30 Uhr treffen sich Mannschaft, Anhänger und Helfer an der Robert-Schumann-Halle zur Abschlussfeier. Danach fährt das Team in den Urlaub oder zu ihren Nationalmannschaften. Mitte Juli startet die Saisonvorbereitung. Eine, auf die es dann verstärkt ankommt, ist Annika Meyer, die auch heute wieder Akzente setzen konnte: „Als wir in der Abwehr die Kontrolle bekamen, mussten wir vorne nur noch unsere Chancen nutzen. Aber insgesamt haben wir zu viele Fehler gemacht. Das muss nächste Saison viel besser werden.“