04.05.2014 21:58 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm, VfL Oldenburg, red

33:32 gegen Leverkusen: Oldenburg nimmt Kampf um Platz 5 an

Heike Ahlgrimm: "Wir sind 40 Mal umsonst aufs Tor gelaufen – so kann man nicht gewinnen." Heike Ahlgrimm: "Wir sind 40 Mal umsonst aufs Tor gelaufen – so kann man nicht gewinnen."
Quelle: Heinz Zaunbrecher
Der VfL Oldenburg kann in der Handball-Bundesliga doch noch gewinnen. Nach fünf Meisterrunden-Niederlagen in Folge setzte sich der dreimalige Pokalsieger am heutigen Sonntag mit 33:32 (14:15) gegen Bayer Leverkusen durch. Der VfL rückte durch den Sieg auf einen Punkt an den Fünften TuS Metzingen heran. Bayer 04 bleibt Tabellendritter – ein Zähler Vorsprung auf Buxtehude, vier auf Metzingen.

"Unser neues Ziel heißt Platz 5", hatte Trainer Leszek Krwowicki erklärt. Die nur 728 Zuschauer in der Halle hatten dabei in der Anfangsphase nicht wirklich Anlass zur Ekstase: Beide Mannschaften zogen zwar ein schnelles Spiel auf, fabrizierten aber auch viele Fehler. Für die unterlegenen Gäste nannte Trainerin Heike Ahlgrimm insgesamt 25 Fehlwürfe und 15 technische oder regelwidrige Fehler: "Das heißt, wir sind 40 Mal umsonst aufs Tor gelaufen – so kann man nicht gewinnen."

Fehler produzierten die „Elfen“ erst ab der siebten, achten Minute. 6:3 und 7:4 führte Bayer zu diesen Zeitpunkten, spielte ohne Denisa Glankovicova (verletzt) und Naiara Egozkue Extremado (gesperrt) zunächst einen flotten Ball. Oldenburgs Defensive um Thalke Bitter war noch nicht warm. Erst in der achten Minute parierte Tess Wester einen Wurf. Das änderte sich mit zunehmender Spielzeit. Bei 11:11 (22.) hatte der VfL erstmals wieder ausgeglichen.

Nach der Pause wurde das Oldenburger Spiel engagierter, kampfbetonter, spritziger. Es dauerte auch nicht lange, bis das Team die Zuschauer in der Arena mitnahmen – endlich kam Stimmung auf. Trainer Leszek Krowicki ließ nun lange mit zwei Kreisläuferinnen agieren, dadurch ergab sich Platz für Angie Geschkes und Laura van der Heijdens gute Versuche aus der zweiten Reihe.

Und am Kreis setzte der Oldenburger Rückraum mehrfach Annika Meyer in Szene: 17:16 nach toller Kombination (34.) durch Meyer, 18:16 durch Geschke aus dem Rückraum nach schnellem Zusammenspiel mit Kira Schnack (35.). Oldenburg, stark auch in der Defensive mit einer immer besser werdenden Julia Renner im Tor, hatte das Spiel gedreht und führte 16 Minuten vor Schluss gar 24:21.

Sicher war der Sieg nicht, weil Leverkusen nun auf eine sehr starke Anne Jochin bauen konnte und weil das Team, das vor acht Tagen so unerwartet aus dem DHB-Pokal gegen Blomberg ausschied, zwar keine Spitzenleistungen produzierte aber sich immerhin nicht hängen ließ. Bei Jochins 24:24 hatte der VfL Pech, als der Ball von der Latte an Julia Renners Rücken prallte und von dort ins Tor hoppelte (47.). Sieben Minuten später erzielte Jochin die letzte Leverkusener Führung – 29:28.

In der Schlussphase aber hatte der Pokal-Halbfinalist nichts mehr entgegenzusetzen. Oldenburg gewann hinten die wichtigen Bälle und verbuchte vorne seine schönsten Aktionen: Beim 29:29 räumte das Team für Linksaußen Kim Birke ab (56.), zum 30:29 bediente Geschke Birke von der halbrechten Position (57.) und für das 31:30 und 32:30 benötigten Geschke und Birke gerade elf Sekunden. Kim Naidzinavicius brachte die Elfen auf 31:32 heran, doch im Gegenzug holte Wiebke Kethorn einen Strafwurf heraus, den van der Heijden 54 Sekunden vor dem Ende sicher zum 33:21 verwandelte. Das Spiel war entschieden, das Publikum applaudierte stehend.

„Verdient haben wir uns diesen Sieg auf jeden Fall, weil wir die letzten Spiele hier zu Hause knapp verloren haben. Irgendwann waren wir jetzt auch mal dran“, sagte Birke nach der Partie. „Julchen (Renner) stand im Tor sehr sicher, daher konnten wir dann ins Gegenstoßspiel kommen.“ VfL-Trainer Krowicki war angesichts der vergangenen Wochen gerade über die Schlussphase erleichtert: „Bei so einer schwarzen Serie ist es einfach, den Kopf zu verlieren. Die Angst, Fehler zu machen, bremst alles, was man vorhatte.“ Das passierte aber nicht: „Dieser Sieg gibt uns wieder Selbstvertrauen zurück.“ Großartigen Handball aber habe keine der beiden Mannschaften geboten.

Das fand auch Heike Ahlgrimm. „Oldenburgs Sieg war glücklich, aber so ist das im Sport. In der ersten Hälfte standen wir noch gut und kompakt in der Defensive, dann ist Oldenburg viel besser in die zweite Halbzeit gestartet und wir haben viel zu viele Fehler produziert.“ Ahlgrimm gratulierte noch dem Thüringer HC für den Gewinn der deutschen Meisterschaft und ging aufs verlorene Pokal-Halbfinale ein: „Wir waren wie gelähmt und kamen mit dem Druck überhaupt nicht zurecht.“ Die Partie in Leipzig bezeichnete sie als „unser schlechtestes Saisonspiel“. Für die Liga gab sie als Ziel das Erreichen des dritten oder vierten Platzes aus – also die Qualifikation für den EHF-Pokal.

Ahlgrimm, die die Elfen auf den dritten Platz führte und als einziges deutsches Team zu einem Sieg gegen den THC (Pokal), wird Bayer 04 bekanntlich verlassen. „Ich gehe auf Weltreise“, kündigte sie an. Krowicki, ihr ehemaliger Trainer in Buxtehude, richtete warme Worte an sie: „So wie Heike als Spielerin gearbeitet hat – voll professionell –, so arbeitet sie als Trainerin. Wir wünschen uns alle, dass du weiter die Möglichkeit bekommst, eine Bundesligamannschaft zu trainieren.“ Am kommenden Sonntag um 15 Uhr tritt der VfL nun beim sicher auf Platz 2 rangierenden HC Leipzig an. Leverkusen erwartet eine Stunde später Meister Thüringer HC.