05.05.2014 07:47 Uhr - 3. Liga Nord-West - Markus Hausdorf

Leverkusens Talente stehen nach Kantersieg in Düsseldorf vor Aufstieg in Liga 3

Ramona Ruthenbeck traf bei Fortuna Düsseldorf neunmalRamona Ruthenbeck traf bei Fortuna Düsseldorf neunmal
Quelle: Marianne Müller
Eine Woche nach dem Gewinn der Deutschen A-Jugend-Meisterschaft stand für die Mannschaft von Kerstin Reckenthäler am Sonntagmittag bereits das nächste Highlight an: Beim Niederrheinmeister Fortuna Düsseldorf musste die Zweitvertretung des TSV Bayer Leverkusen zum Relegationshinspiel um den Aufstieg in die 3. Liga antreten. Das Team von Heike Stanowski bekam von den jungen Talenten aus Leverkusen die Grenzen aufgezeigt, war letztlich chancenlos und unterlag am Ende hochverdient mit 22:33 (13:15).

Toll die Kulisse in der Sporthalle an der Graf-Recke-Straße. 600 Zuschauer kamen, um das Duell um den Aufstieg in die 3. Liga West mitzuerleben. Die altehrwürdige Sporthalle im Norden Düsseldorfs, in der schon die TuRu, die HSG und zuletzt der ART Düsseldorf etliche Handballschlachten austrugen, war bis auf den letzten Platz besetzt. So etwas hatte es bei einem Frauenhandballspiel in der Landeshauptstadt noch nicht gegeben.

Kerstin Reckenthäler, die in der vergangenen Woche noch mit der A-Jugend zum zweiten Mal Deutscher Meister wurde, musste im Hinspiel auf Anna Seidel, Kristina Logvin und Johanna Heldmann verzichten. Das Trio kam in der Bundesliga-Mannschaft der Elfen beim Gastspiel in Oldenburg zum Einsatz. Fortuna Düsseldorf konnte in Bestbesetzung zum Duell gegen den Mittelrheinmeister antreten, galt aber schon vor Anwurf als Außenseiter.

Nervös begannen beide Mannschaften, auch die beiden Schiedsrichter eröffneten die Partie mit einer Fehlentscheidung. In der 2. Spielminute trat Ramona Ruthenbeck zum ersten Siebenmeter der Begegnung an. Der Wurf der 18-jährigen Jugendnationalspieler sprang von der Latte über die Linie wieder aus dem Tor. Dem klaren Treffer verweigerte das Schiedsrichtergespann Dux & Follmert die Anerkennung. Zwei Minuten später erzielte Ruthenbeck dann aus dem Spiel heraus den ersten Treffer des Spiels und brachte ihre Mannschaft mit 1:0 in Front. Bis zum 3:3 (7. Minute) konnte die Partie offen gestaltet werden, danach zogen die Gäste durch einen Siebenmetertreffer von Ramona Ruthenbeck und einem Doppelpack von Pia Adams auf 6:3 (10. Minute) davon.

Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Begegnung konnte Kerstin Reckenthäler Spielerinnen wie die Düsseldorferin Kyra Teixera da Silva einwechseln, die in Leipzig bei den Spielen um die Deutsche Meisterschaft nur wenig Spielanteile erhielten. Und Teixera da Silva netzte in der 19. Minute gleich zum 8:5 ein. Leverkusen bestimmte die Partie, ließ zahlreiche Großchancen ungenutzt.

Fortuna-Keeperin Alexandra Grintela hielt ihre Mannschaft immer wieder durch Glanzparaden im Spiel, wehrte auch einige hundertprozentige Chancen zunichte. Diese Nachlässigkeiten im Leverkusener Spiel ließ bei Fortuna sechs Minuten vor der Halbzeitpause Hoffnung aufkeimen. Ina Mollidor traf zum 11:12-Anschlusstreffer. Allerdings konnte die Zweitvertretung der Leverkusenerinnen, die nur mit Spielerinnen der Jahrgänge 1995, 1996 und 1997 antrat, mit einer 15:13-Führung in die Halbzeitpause gehen.

Nach der Pause suchten die Gäste die schnelle Vorentscheidung. Die Treffer von Ramona Ruthenbeck und Pia Adams per Siebenmeter beantwortete Leonie Berger jeweils mit einem Tor vom Siebenmeterpunkt und aus dem Spiel heraus. Doch beim Spielstand von 17:15 gelang dem TSV Bayer Leverkusen II eine 6:0-Serie, führte in der 41. Minute mit 23:15, die Vorentscheidung war gefallen. In dieser Phase konnte sich Anna Spielvogel einmal, Pia Adams zweimal und die 17-Jährige Kim Braun, die vor einer Woche im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegen die HSG Badenstedt zur besten Spielerin ausgezeichnet wurde, gleich dreimal in die Torschützenliste eintragen. Die Vorentscheidung war Anfang der zweiten Halbzeit bereits gefallen.

Bis zum Spielende konnte Bayer Leverkusen den Vorsprung noch auf elf Treffer ausbauen. Am Ende gewann die Mannschaft von Kerstin Reckenthäler die Partie hochverdient mit 33:22. Durch den klaren Erfolg in der Fremde steht der TSV Bayer Leverkusen II vor dem Aufstieg in die 3. Liga West. Das Rückspiel steigt am kommenden Samstag um 18 Uhr in der Sporthalle auf der Fritz-Jacobi-Sportanlage in Leverkusen.

Statistik:
Fortuna Düsseldorf:
Grintela, Hock, Simon - V. Kraft, Verhoeven (2), E. Stanowski, Finken, Mollidor (3), Skafar (2), J. Berger (3), Steinheuer, Otto, Esch (2), L. Berger (10/3)
TSV Bayer Leverkusen: Geerken, Fehr, Smeskens - Hoemann, Ruthenbeck (9/4), Alof (1), Spielvogel (2), Rodehau (2), Adams (13/4), Pauly (1), Hoffmeister, Braun (4), Teixera da Silva (1)
Zuschauer: 600 (ausverkauft)


Stimmen zum Spiel:

Heike Stanowski (Trainerin Fortuna Düsseldorf):

Wir haben heute eine erste Hälfte auf Augenhöhe gesehen. Im zweiten Durchgang haben wir nicht ins Spiel gefunden, haben uns zu viele Fahrkarten erlaubt. Im Rückspiel müssen wir anders auftreten, wir können nun locker aufspielen. Ansonsten war es heute auch von den Rahmenbedingungen tolle Werbung für den Handballsport in Düsseldorf. Es war ein tolles Erlebnis, auch wenn ich mir natürlich ein deutlich engeres Spiel gewünscht habe.

Dieter von Dorf (Handballabteilungsleiter Fortuna Düsseldorf):
Das war heute ein tolles Handballevent, tolle Werbung für den Handball, speziell für den Frauenhandball. Auf der Leistung der ersten Halbzeit können wir sicherlich aufbauen, so wie es aussieht, werden wir kommende Spielzeit neu angreifen. Aber erst einmal wollen wir uns nächste Woche in Leverkusen im letzten Spiel der Saison anders präsentieren.

Klaus Allnoch (Stellvertretender Handballabteilungsleiter und Torworttrainer Fortuna Düsseldorf):
Das Ergebnis war mir insgesamt zu hoch. Wir haben eine wirklich gute erste Hälfte gespielt, im zweiten Durchgang sind wir konditionell eingebrochen, die Konzentration ging weg und die Köpfe gingen runter. Leverkusen hat eine tolle Mannschaft und die Partie verdient gewonnen. Dennoch haben wir eine Partie vor uns, diese wollen wir noch bestreiten und uns positiv aus der Saison verabschieden.

Ramona Ruthenbeck (Spielerin TSV Bayer Leverkusen):
Wir haben heute eine gute und konzentrierte Leistung gezeigt und uns eine starke Ausgangssituation fürs Rückspiel erspielt. Dennoch werden wir auch im Rückspiel mit einem klaren Ziel vor Augen aufspielen, einem Heimsieg. Dabei unterschätzen wir die Mannschaft von Fortuna Düsseldorf nicht, die sicher auch alles investieren wird, um vielleicht ein kleines Handballwunder zu verbringen. Das Spiel heute war alles andere als ein Selbstläufer, in der ersten Halbzeit hat uns Düsseldorf viel abverlangt, ehe wir mit einem sehr guten Start in die zweite Halbzeit für eine Vorentscheidung sorgen konnten. Wir freuen uns auf das Spiel und hoffen auf schöne 60 Minuten Spitzenhandball.

Kim Braun (Spielerin TSV Bayer Leverkusen):

Am Anfang war das Ergebnis immer knapp und es war ein tolles Spiel von beiden Mannschaften. Man merkte schon, dass wir alle ein paar Jahre jünger waren und Fortuna sehr viele Tore durch ihre besseren körperlichen Voraussetzungen erzielen konnte. Doch ab der 40. Minute war es unser Spiel und wir konnten unsere Schnelligkeit ausnutzen und somit bestimmten wir das Spiel für uns.

Kerstin Reckenthäler (Trainerin TSV Bayer Leverkusen):
Ich bin mit dem Ergebnis und der Leistung der Mannschaft zufrieden. Ich hatte vor dem Spiel Bauchschmerzen, drei Spielerinnen aus unserem Team fehlten mir heute. Zudem hatten wir erst vor einer Woche die Spiele um die Deutsche Meisterschaft. Wir mussten die Spannung aufbauen und ich habe im Laufe der Woche allen klar gemacht, dass diese Relegationsspiele unglaublich wichtig sind, vor allem für die Spieler, die nächste Saison mit Bayer Leverkusen in der 3. Liga spielen wollen und auch müssen, um ihre Entwicklung voranzutreiben. Ich hatte gehofft, dass wir ab Mitte der zweiten Halbzeit unsere konditionellen Vorteile nutzen können. Auch wenn wir heute einen klaren Erfolg eingefahren haben, werden wir uns nun konzentriert auf das Rückspiel vorbereiten.