03.05.2014 19:42 Uhr - Champions League - Felix Buß, Christian Stein - handball-world.com

Vardar müht sich im zweiten Halbfinale gegen Buducnost vergeblich

Clara WolteringClara Woltering
Quelle: sportseye.de
Beim Anpfiff des zweiten Halbfinals zwischen WHC Vardar Skopje und Buducnost waren in der Budapester Papp-Laszlo-Arena einige Plätze freigeblieben. „Wir spielen erst seit neun Monaten in dieser Formation zusammen“, hatte Skopjes Trainerin Indira Kastratovic dabei die Favoritenrolle vorab an Buducnost vergeben. Das Team aus Montenegro hatte in einer stimmungsvollen Partie tatsächlich den besseren Start und lag zur Pause 11:6 vorne. Doch schon zuvor hatte die Partie enorm an Drive eingebüßt. Eine zäh anmutende Halbzeit wollten die Montenegrinerinnen den Vorsprung verwalten. Nach dem 16:16 ging es jedoch in die Nachspielzeit. Dort unterlag Vardar mit 20:22.

Das Publikum hatte die Entscheidung, welches Team in seiner Gunst vorne sein würde, schon vor Anpfiff gefällt. Während Andrea Lekic und Jovanka Radicevic, früher in Györ unter Vertrag und nun aufseiten von WHC Vardar Skopje, jubelnd empfangen wurden, wurde das Team von Buducnost lautstark ausgepfiffen. Dennoch gelang dem von eine gewissen Missgunst getroffenen Team aus Montenegro der erste Treffer der Partie. Geprägt von Fangesängen der Buducnost-Fans und Sprechchören der Vardar-Anhänger lieferten sich beide Teams danach ein stimmungsvolles Duell, wobei die Györ-Fanecke Buducnost weiterhin auspfiff. Cristina Neagu stellte derweil auf 4:2.

Die Montenegrinerinnen ließen sich nicht irritieren und lagen nach acht Spielminuten also mit zwei Toren vorne. Buducnost deckte immer wieder die Schwächen der Abwehr von Vardar auf, Petrovic scheiterte aber bei einem Strafwurf und ließ das 4:8 vorerst liegen. Doch Clara Woltering, bei Buducnost im Tor, parierte stark und ermöglichte ihrem Team nach 18 Minuten eine 10:5-Führung. Vardar brachte nun, abgesehen von der schwachen Abwehr, auch sein Angriffsspiel kaum noch durch und ließ sich scheinbar allmählich abhängen. Der Wechsel im Tor auf Amandine Leynaud sollte einen höheren Rückstand verhindern. Doch auch Dembele scheiterte an Woltering.

Leynaud führte sich gut ein. Die Partie stagnierte, fast zehn Minuten fiel gar kein Treffer. Beide Teams zeigten nun starke Deckungsarbeit. Vardars Offensive kam aber bisher nicht in Gang, auch als Buducnosts beste Abwehrspielerin Suzana Lazovic bereits die zweite Zeitstrafe kassierte, gelang dem Team aus Mazedonien kein Treffer. Minutenlang, am Ende war es eine Viertelstunde, ließ Clara Woltering keinen Ball durch. Die wenigen guten Aktionen von Anna Lekic und Allison Pineau genügten nicht, um aufzuholen. Dann war es Cristina Neagu, die den gordischen Knoten bei Buducnost durchschlug und den nächsten Treffer setzte. Beim 11:6 zur Pause schien die Kastratovic-Sieben das Finale bereits abschreiben zu müssen.

Und auch nach dem Wechsel waren bei Vardar Skopje, zum Ärger von Indira Kastratovic, im Angriff kaum spielerische Elemente zu sehen, auch weil die gegnerischen Spielerinnen meist einen Schritt schneller waren und die Pläne durchkreuzten. Buducnost blieb in diesem zweiten Halbfinale aber ebenfalls die Klasse schuldig und schien sich zudem auf dem bequemen Vorsprungspolster auszuruhen. In den ersten zehn Minuten der zweiten Spielhälfte waren gerade einmal fünf Treffer zu sehen. 9:13 leuchtete es nach 40 Zeigerumdrehungen von den Anzeigetafeln. Fatal: Bei Buducnost vom Spielfluss der ersten zwanzig Minuten nur noch ein leises Schimmern übrig.

Ana Djokics 13:15-Treffer nach 48 Minuten passte in diese Szenerie. Bis auf zwei Tore hatte Vardar Skopje den Rückstand aufgerollt. Amandine Leynaud konnte die Werferinnen von Buducnost immer wieder entnerven und war die Mutter dieser Aufholjagd, die sich ganz langsam angedeutet hatte und die Marta Zderic mit ihrer Strafwurfparade gegen Andrea Lekic nach 50 Minuten vorerst stoppte. Der Anschlusstreffer fiel nicht. Allerdings ließ sich Majda Mehmedovic zu einem Foul gegen Khmyrova hinreißen und dann war es Julija Nikolic, die den fälligen Strafwurf zum 14:15 nutzte. Nun war im Oval der Papp-Laszlo-Arena die Hölle los. Und Buducnost-Trainer Dragan Adzic nahm die Auszeit.

In den letzten zehn Minuten stand die Partie fortwährend auf des Messers Schneide. Ana Djokic sollte sich nun um Cristina Neague kümmern, Biljana Pavicevic gelang der Durchbruch, doch der Angriff von Buducnost verpuffte ebenso in der gegnerischen Deckung wie der von Vardar. Und im Folgeangriff war wieder bei Amandine Leynaud Endstation. Der Fight der Französin mit Clara Woltering um den Titel „Beste Torhüterin“ prägte auch die Crunchtime.

Mit ihrer zehnten Parade, gegen die konternde Dalby, vermittelte Leynaud ihrem Team beim Stand von 15:16 Hoffnung. Allison Pineau glich kurz darauf aus. Drei Minuten verblieben. Nikolic brachte Vardar eigentlich in Führung, doch Indira Kastratovic hatte die grüne Karte gelegt: Der Treffer zählte nicht. Weitere 92 Sekunden hieß es Zittern: Verlängerung oder könnte sich ein Team durchsetzen? Vardar blieb in Ballbesitz, doch diesmal fing Woltering den Wurf ab. 66 Sekunden waren noch zu spielen, als Dragan Adzic das Time-out für Buducnost verlangte. Den Pass auf Petrovic fing Nikolic ab. Es blieb nach 60 Minuten beim 16:16. Erst die Verlängerung würde den Sieger bringen.

Cristina Neagu schien sich nun mit ihren zwei Treffern zum 16:18 anzuschicken, das Spiel doch noch zugunsten von Buducnost zu entscheiden und den späten Angriff von Vardar abzuwehren. Auch über den Kreis setzten die Montenegrinerinnen nun wieder Nadelstiche. Cvijic sorgte kurz vor Ende der ersten fünf Minuten für die 17:20-Führung. Wieder einmal schien Vardar am Ende. Noch einmal standen die Mazedonierinnen auf: Lekic und Nikolic führten Skopje auf 19:20 heran und nach einem technischen Fehler von Buducnost war es Nikolic, die ausglich. Und doch gewann Buducnost, weil in den letzten Aktionen bei Vardar das Timing nicht mehr stimmte: Kinga Byzdra, die viel gespielt aber nicht getroffen hatte, besorgte den 20:22-Schlusspunkt. Buducnost Podgorica steht im Finale.

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