27.03.2014 21:30 Uhr - Europameisterschaft - Felix Buß - handball-world.com

Schwächephase kostet Schweiz gegen Slowenien die Siegchance

Karin Weigelt erzielte neun TrefferKarin Weigelt erzielte neun Treffer
Quelle: SHV / Foto Wagner
757 Zuschauer, sahen ein Spiel, bei dem die Schweiz über die erste Halbzeit hinaus mit Slowenien ebenbürtig war. Das Team von Marta Bon, das am Spieltag nicht mehr trainiert hatte, schien die Eidgenössinnen unterschätzt zu haben und kam nicht über eine 13:14-Pausenführung hinaus. Nach dem Wechsel gerieten die Gastgeberinnen aber nach einer Abwehrumstellung von Slowenien, das Nicole Dinkel aus dem Spiel nahm, unter Druck. Der 5:0-Lauf brachte Team Slovenija beim 16:21 auf die Siegerstraße, die Schweiz blieb zehn Minuten torlos. In einer umkämpften Schlussphase unterlag die Schweiz mit 22:24 und verpasste eine Belohnung für die gute Leistung und den ersten Sieg.

Die Schweizerinnen und die Sloweninnen agierten zunächst beinahe auf Augenhöhe. Die Schweizerinnen profitierten dabei von einer soliden Defensive, die aber mit Kreisläuferin Sanja Gregorc Probleme hatte. Außerdem hatte sich die körperlich überlegenen Gäste gut auf Nicole Dinkel und Karin Weigelt eingestellt, die anfangs kaum in Wurfdistanz kamen. Daher entwickelte sich ein knapper Rückstand der Eidgenössinnen. Ana Gros stellte nach elf Minuten auf 5:3 für Slowenien.

Schon in der frühen Phase vergaben beide Teams dabei einige freie Würfe. Ehe der schweizerische Trainer Jesper Holmis die grüne Karte legte, verpasste Slowenien durch Fehlversuche eine höhere Führung. Doch auch die Gastgeberinnen agierten in der Offensive teils nicht geduldig genug. Durch Paraden von Misa Marincek oder geblockte Wurfsituationen gerieten sie nach einer Viertelstunde unter Druck. Karin Weigelt sorgte dabei mit dem 5:7-Konter nach 17 Minuten für etwas Linderung.

Auch Spielmacherin Kerstin Kündig und Rahel Furrer konnten nun immer wieder Akzente setzen, wobei bei den Sloweninnen die Konzentration nachließ. Sie wollten offenbar zu schnell zu viel. Zudem hatte sich Tofrau Manuela Brütsch offenbar Respekt verschafft. Stephanie Haag konnte nach 22 Minuten den 9:9-Ausgleich erzielen. Das Spiel der Eidgenössinnen war nun deutlich schneller und temporeicher, besonders eine Überzahlsituation hatte das Team von Jesper Holmris gut genutzt.

In der Schlussminute schienen die Rothemden die gute Ausgangssituation dann beinahe zu verspielen. Mit technischen Fehlern luden sie die Sloweninnen zu Gegenstößen ein. Lina Krhlikar und Maja Zrnic trafen zum 12:14. Doch mit der Schlusssekunde konnte die Schweiz die Gäste nochmals düpieren: Der Ball kam nach einem Spielzug auf die 19-jährige Regisseurin Kerstin Kündig, die routiniert den 13:14-Anschlusstreffer setzte. Die Nervenschlacht ging weiter.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit blieben die Gastgeberinnen aggressiv und erkämpften mehrere Strafwürfe und Zeitstafen gegen Slowenien. Allerdings verfehlte Weigelt nach 38 Minuten bei der Möglichkeit, auf 17:16 zu stellen, das gegnerische Tor. Im Gegenzug gerieten die Eidgenössinnen selbst in Unterzahl. Alja Koren vergab in dieser Situation einen Strafwurf gegen Tamara Ägerter und Furrer fing einen Gegenstoß ab. Slowenien schaffte es nicht, von der Überzahl zu profitieren.

Eine gefühlte Ewigkeit stagnierte der Spielstand in dieser Phase beim 16:16. Beide Teams brachten den Ball nicht ins Tor. Das änderte sich erst nach einer Schweizer Auszeit, aber dann war es die Slowenin Mavsar, die nach 43 Minuten für das 16:17 sorgte. Marta Bon ließ nun eine Positionsabwhr gegen Dinkel spielen, die der Schweiz gar nicht schmeckte. Das Spiel der Holmris-Sieben erlahmte, während Koren und Krhlikar die Schweiz geschwind auf 16:19 distanzierten. Die Auszeit verpuffte.

Durch die taktische Maßnahme der früheren Nationaltrainerin der Schweiz schien nach einer dreiviertel Stunde die Vorentscheidung gefallen zu sein. Seit zehn Minuten warteten die Gastgeberinnen mittlerweile auf einen Treffer. Hatte das Team von Jesper Holmris zuvor in Überzahl geschickt agiert, gelang es nun auch nicht mehr, diese Situationen zu nutzen. Erst nach 50 Minuten erlöste Karin Weigelt die Schweiz mit ihrem 17:21-Gegenstoß von der Torflaute.

Mit dem Treffer kehrte auch der Lebenswille bei den Eidgenössinnen zurück. Sie profitierten aber kaum von einer Knöchelverletzung bei Nina Jericek. Die Spielmacherin von HBC Nîmes musste das Feld sieben Minuten vor Schluss verlassen. Nicole Dinkel verkürzte von der Strafwurf-Markierung auf 19:22. Doch Slowenien drückte aufs Tempo um den Sack zuzumachen, Regisseurin Ana Petrinja setzte sich beim 19:23 durch. Ein gewaltiges Aufbäumen brachte der Schweiz danach nichts mehr.