05.03.2014 17:15 Uhr - Primo Tours Dameligaen Dänemark - Christian Stein - handball-world.com

Dänemark-Legionärin Carolin Schmele: "Die goldenen Zeiten sind vorbei"

Carolin SchmeleCarolin Schmele
Quelle: Vejen EH
"Die stärkste Liga der Welt" - während man im Männerhandball kaum großartig nachdenken muss, dass die Bundesliga dieses Prädikat sich erarbeitet hat, gibt es im Frauenhandball doch einige Top-Ligen, die um die Gunst des Titels derzeit buhlen. Carolin Schmele ist eine der wenigen deutschen Spielerinnen, die nicht nur in der Handball Bundesliga Frauen, sondern auch den Top-Ligen in Frankreich und Dänemark aktiv spielt. Derzeit spielt die Rückraumspielerin, die in der letzten Saison die meisten Tore in der regulären HBF-Saison erzielt hatte, beim dänischen Erstligisten Vejen EH, doch auch die Jütländer plagen derzeit große finanzielle Probleme.

„Unterschiede zwischen den Ligen gibt es viele“, berichtet die 23-Jährige. „In Frankreich haben wir sehr hart und sehr viel trainiert.“ Bis zu neun oder zehn Einheiten mit viel physischem Training in der Woche gab es in ihrer Zeit beim Spitzenklub Metz Handball, die sie mit zwei Pokalsiegen und einer Meisterschaft krönen konnte. „Damals in Metz hatten wir z.B nur 2-3 Spieler, die überhaupt noch nebenbei studiert haben bzw. zur Schule gegangen sind und generell habe ich Frankreich als sehr viel professioneller empfunden. Das liegt jedoch vor allem auch daran, dass Handball dort von den jeweiligen Regionen bzw. Städten gesponsert wird und seitens der Bevölkerung eine ganze andere Beachtung findet“, so Schmele, für die die Spitzenspiele national und international vor bis zu 4.000 Zuschauern „schon erstaunlich“ waren.

In Deutschland hingegen sei es „oft sogar ein Manko, wenn man erste Liga spielt“, denn gerade die Suche nach einem Job würde doch durch die Belastung des Leistungssports sehr erschwert. „Was das Training angeht geht es hier viel lockerer zu“, zieht Schmele den Vergleich zum aktuellen Arbeitgeber Vejen EH. „Ich habe momentan fünfmal Mannschaftstraining dazu Kraft und meist einmal selbstständiges Krafttraining“, freut sich die ehemalige Nachwuchsnationalspielerin: „Mittwoch ist generell frei, wie in vielen anderen dänischen Klubs auch. Trotzdem bin ich hier sehr fit, weil das Training an sich meines Erachtens viel bewusster und spezifischer durchgeführt wird. Dadurch kommt die Lust am Handball, und insbesondere auch die Lust am Training von ganz allein.“

Den Spagat des dualen Systems ging Schmele bereits in Frankreich und hörte auch in Dänemark damit nicht auf. „Ich selber mache momentan meinen Master in Business Administration hier in Dänemark. Ein Leben neben dem Handball und dadurch noch eine gute Ausbildung zu bekommen, ist für mich die perfekte Kombination“, erklärt die Rückraumlinke, denn „in Dänemark fängt man nun auch an umzudenken.“ „Ein Verein ist bereits vor der Saison pleite gegangen, meinem Verein (Vejen Elite Handbold) fehlen momentan 1,5 Millionen Kronen (ca. 200.000 Euro, Anm.) und selbst Viborg hat starke finanzielle Probleme (ca. 5 Millionen Kronen fehlen, Anm.)“, blickt Schmele auf die wirtschaftliche Seite der dänischen Frauenliga: „Wenn man sich diese Zahlen vor Augen führt, die im Etat fehlen, kann man sich vorstellen, wie groß der Etat an sich ist.“

„Dennoch, die goldenen Zeiten sind trotzdem vorbei. Spiele werden zwar immer noch viele im TV übertragen, jedoch sind die Zuschauerzahlen gering. Wenn man in Kopenhagen vor 300-400 Leute spielt, dann läuft irgend etwas falsch“, so die 1,82-Meter große Athelin. „Insbesondere da die Dänen ja ein sportbegeistertes Land sind. Sport und Gesundheit ist hier einfach Teil des Lebensstils und viel präsenter als zum Beispiel in Deutschland. Umso verwundernd eigentlich, dass es der Frauenhandball hier immer schwerer hat. Ich denke, dass in den nächsten Jahren sich diesbezüglich auf jeden Fall etwas ändern wird.“

Die Uhr bei Vejen tickt derweil unermüdlich weiter. „Bis zum 7.3 können noch Spenden eingereicht werden“, so Schnele, die hinzufügt: „Im Falle, dass die uns drohende Pleite nicht abgewendet werden kann, wird der gespendete Betrag zurück gezahlt.“ Die internationale Bankverbindung hierfür ist die IBAN: DK8420008979175680 SWIFT/BIC: NDEADKKK.

Den Blick ins Heimatland lässt Schmele, die in der Jugend für den Thüringer HC, später dann bei Oldenburg, Blomberg und Trier spielte, nicht aus: „Natürlich verfolge ich auch die deutsche Liga. Ich denke, was die Meisterschaft betrifft, wird es keine Überraschungen geben. Der THC ist überlegen und in der Champions League haben sie ja schon bewiesen, was für ein Niveau sie haben. Skopje wird es im Rückspiel auf jeden Fall sehr schwer haben. Wie weit sie letztendlich kommen bleibt abzuwarten. Für den deutschen Handball ist es auf jeden Fall ein großer Erfolg.“

Und wie sieht es am Tabellenende aus? „Im Abstiegsduell wird es da schon schwieriger. Trier hat ja bereits einige überraschende Ergebnisse erzielt“, so Schmele, die ergänzt: „Als meinen alten Verein wünsche ich Ihnen natürlich, dass sie auch dieses Jahr den Kampf im Abstiegsrennen gewinnen!“



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