22.12.2013 18:53 Uhr - Weltmeisterschaft - cie, frh

Samba in Serbien: Brasilien besiegt im WM-Finale den Gastgeber

Im WM-Finale auch vom Gastgeber nicht aufzuhalten: Ana Rodrigues und BrasilienIm WM-Finale auch vom Gastgeber nicht aufzuhalten: Ana Rodrigues und Brasilien
Quelle: Michael Heuberger
Fassungslose Gesichter, Freudentränen und Sambatänze: Brasiliens Handball-Frauen sind erstmals Weltmeister. Mit Nervenstärke und unbändigem Willen gewann der Panamerika-Meister am Sonntag in Belgrad das Finale gegen Gastgeber Serbien mit 22:20 (13:11). Vor der erneuten Weltrekord-Kulisse von 19.250 Zuschauern in der ausverkauften Kombank-Arena sicherte sich das Team des dänischen Trainers Morten Soubak als zweite nicht-europäische Auswahl nach Südkorea 1995 den WM-Titel - der Rest war Jubel in den Landesfarben grün, gelb und blau.

Es war ein elektrisierendes Finale, nicht nur aufgrund des erneuten Zuschauerrekords und der Volksfest-Atmosphäre in der Halle. Aus serbischer Sicht schien alles bereit für den ersten Titel im Frauenhandball, doch Brasilien zeigte von der ersten Minute an beeindruckenden Widerstand. Auf dem Weg zu den Olympischen Spielen 2016 hatten die Südamerikanerinnen eine glänzende WM hingelegt, waren vor dem Finale die einzig noch ungeschlagene Mannschaft des Turniers. Und auch im Finale zeigte sich Brasilien konsequent und abgeklärt, unaufgeregt trotz der Kulisse.

Für weitere Sicherheit sorgten die Anfangsminuten, der erste Angriff endete zwar mit einem Offensivfoul, doch im zweiten Versuch folgte dann durch Fernanda da Silva der erste Treffer. Dragana Cvijic konnte ausgleichen, doch nach einigen Paraden von Barbara Arenhardt und Treffern von Fernanda da Silva und Ana Rodrigues stand nach fünf Minuten ein 3:1 auf der Anzeigetafel. Trotz einer frühen ersten Zeitstrafe hielt Brasilien zunächst den Vorsprung in den packenden und temporeichen Anfangsminuten - Alexandra do Nascimento sorgte für das 5:3.

Serbien fand dann aber besser in die Partie, die früh eingewechselte Jovana Risovic verbuchte einige erste Paraden und in der Offensive gelang es nun dem Rückraum im Wechsel mit Kreisläuferin Cvijic mehrfach die brasilianische Deckung auszuhebeln. Cvijic sorgte selbst für den Anschlusstreffer, war dann an der sich für den Durchbruch von Sanja Damnjanovic öffnenden Lücke beteiligt und verwandelte den Strafwurf zum 6:5 - der ersten Führung für die Gastgeberinnen. Da Silva konnte ausgleichen, doch Serbien nutzte den Rückenwind und setzte sich durch einen Doppelschlag von Lekic und Popovic auf 8:6 ab.

Brasilien haderte in dieser Phase mit der eigenen Chancenverwertung, die Südamerikanerinnen kämpften sich aber über die Deckung in die Partie zurück. Sie fanden nun das richtige Gleichgewicht zwischen Heraustreten auf den Rückraum und dem Verhindern von Anspielen auf Cvijic. Hinzu kam, dass Serbien aus dem Rückraum immer wieder Fahrkarten warf, auch weil das Zusammenspiel zwischen Deckung und Torhüterin bei Brasilien nun funktionierte.

Beim 8:8 stand wieder ein Unentschieden auf der Anzeigetafel und nach dem neuerlichen Rückstand starteten die in vielen Situationen wacher wirkenden Südamerikanerinnen, die sich immer wieder freie Bälle erkämpften, dann angeführt von der glänzend aufgelegten Alexandra do Nascimento vier Treffer in Serie. Der 13:11-Pausenstand von Andrea Lekic sorgte zum Seitenwechsel bei Serbien aber wieder für Hoffnung.

Doch der Optimismus in der Halle wich zu Beginn des zweiten Abschnitts: Brasilien erwischte einen Start nach Maß. Cavaleiro eröffnete den Torreigen und Amorim erhöhte mit einem Doppelschlag auf 16:11. Serbien war unter Druck, aber nicht zuletzt im Spiel gegen Norwegen hatten die Gastgeberinnen gezeigt, dass sie zu einem Comeback in der Lage sind. Lekic gab diesmal das Signal für die Aufholjagd, die durch Treffer von Ognjenovic, Zivkovic und Damnjanovic zum 16:15-Anschluss führte. Damit nicht genug, nach einem Pfostentreffer der Brasilianerinnen sicherte Katarina Krpez den Abpraller im Hechtsprung. Die Halle stand und mit dem Ausgleich zum 19:19 - Jelena Nisavic hatte sich mit einer frechen Einzelaktion auf Außen durchgesetzt - kochte sie.

Doch Brasilien behielt einen kühlen Kopf. Daniela Piedade sorgte auf der Gegenseite einen wichtigen Treffer und auch der neuerliche Ausgleich durch Andrea Lekic beeindruckte die Südamerikanerinnen nicht. Trotz Unterzahl ließ sich Deborah Nunes auf dem Weg zum 21:20 nicht aufhalten und auf der Gegenseite nahm sich Cvijic ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase ihren einzigen Fehlwurf in dieser Partie. Er sollte das Finale entscheiden, denn auf der Gegenseite spielte Brasilien zunächst einige Minuten von der Uhr und traf dann durch Ana Rodrigues sehenswert in den Winkel. Den nächsten serbischen Versuch entschärfte Mayssa Pessoa - die Weichen zum WM-Sieg waren gestellt.