27.11.2013 19:17 Uhr - 1. Bundesliga - PM HSG, red

Barbara Hetmanek: Bundesligaspielerin, Leiterin des Handballinternats und Jugendtrainerin

Barbara HetmanekBarbara Hetmanek
Quelle: HSG Blomberg-Lippe
Als Bundesligaspielerin hat Barbara Hetmanek derzeit aufgrund der bevorstehenden WM zumindest was Spiele betrifft Pause, doch dafür ist sie in zwei weiteren Aufgabengebieten gefordert. Die Kreisläuferin hat mit ihrem Wechsel nach Blomberg nicht nur Aufgaben auf dem Parkett übernommen, sie ist auch Jugendtrainerin und Leiterin des HSG-Handballinternats. "Die Mannschaft, die Jugendlichen und auch das gesamte Umfeld haben mich super aufgenommen und mir den Start sehr erleichtert", erklärt Hetmanek im Gespräch mit dem Blomberger Pressedienst und HSG-Coach Andre Fuhr, dass sie sich in allen drei Bereichen bereits bestens eingelebt habe.

André, wie seid ihr auf die Verpflichtung von Barbara Hetmanek gekommen?

André Fuhr:
Neben talentierten Spielerinnen suchen wir natürlich auch im Trainerbereich immer nach neuen Talenten und Möglichkeiten, um unser Projekt weiter voran zu bringen. Wir haben Babs’ erfolgreichen Weg als Trainerin im Oldenburger Jugendbereich schon längere Zeit aufmerksam beobachtet. Jetzt hat sich einfach die Möglichkeit ergeben, ein für beide Seiten attraktives Gesamtpaket zu basteln. Wir sind fest davon überzeugt, dass sie uns mit ihrer Dynamik, ihrer Einsatzfreude und ihren Ideen in allen Bereich noch weiter voran bringen wird.

Barbara, seit einigen Wochen bist Du bei der HSG an Bord. Wie war Dein Einstand und wie ist Dein erster Eindruck?

Barbara Hetmanek:
Ich konnte mich von der ersten Minute an absolut mit der HSG identifizieren. Die Linie, die hier verfolgt wird, nämlich junge Talente auszubilden, diese mit aller Konsequenz an das Bundesligageschäft heranzuführen und frühzeitig in den Bundesligaalltag zu integrieren, gefällt mir unglaublich gut und entspricht genau meiner Vorstellung. Die Mannschaft, die Jugendlichen und auch das gesamte Umfeld haben mich super aufgenommen und mir den Start sehr erleichtert.

Du bist als Bundesligaspielerin, als Leiterin des Handballinternats und als Jugendtrainerin für die HSG tätig? Ein sehr breites Aufgabenspektrum...

Barbara Hetmanek:
... auf jeden Fall. Ich liebe Herausforderungen und diese ist eine sehr reizvolle und insgesamt einfach stimmig. Zum Einen bin ich glücklich und stolz, Teil des jüngsten Teams der Bundesliga zu sein, Teil einer spannenden und unglaublich entwicklungsfähigen Mannschaft, aber auch Teil einer Mannschaft, in welcher etliche Spielerinnen den Weg über das HSG-Internat in die Bundesliga geschafft haben, deren Weg noch lange nicht zu Ende ist.

Als Leiterin des HSG-Internats kann ich meinen Teil dazu beitragen – in enger Zusammenarbeit mit den Trainern und dem gesamten Betreuerteam - die Jugendlichen zu sportlichen und schulischen Spitzenleistungen zu bringen. Dabei sind die Förderung von deren Selbständigkeit und die Unterstützung bei der Gestaltung des täglichen Lebens wichtige und spannende Aufgaben.

Als Jugendtrainerin arbeite ich intensiv mit den Trainerkollegen zusammen, um den Leistungsgedanken und das HSG-Konzept bei den Jugendlichen frühzeitig und intensiv zu verinnerlichen. Der Fokus liegt auf einer guten und optimal abgestimmten individuellen Ausbildung, hier gibt es natürlich eine Menge zu tun.

Was sind denn die Besonderheiten am HSG-Internat?

Barbara Hetmanek:
Meiner Meinung nach ist das Gesamt-Konzept der HSG deutschlandweit einzigartig, zumindest im weiblichen Bereich. Wir verfolgen konsequent das Prinzip der Ganzheitlichkeit in den Bereichen Schule, Sport und Lebenskompetenzen. Themen wie Berufsorientierung, IT-Kenntnisse, Haushaltsführung, Ernährung, Kommunikation, Zeitmanagement oder psychische Fähigkeiten sind zentrale Themen, zu denen wir den Mädchen verschiedene Programmpunkte und Projekte anbieten.

Durch die Zusammenarbeit mit unseren Partnerschulen und den HSG-Partnern sowie durch die gute Qualifikation unserer Mitarbeiter sind wir insgesamt sehr gut aufgestellt. Dennoch gibt es einige Entwicklungspotentiale, so gilt es, weitere Kooperationen zu schließen, von anderen Sportarten zu lernen und gerade überregional positive Aufmerksamkeit zu erlangen.

In sportlicher Hinsicht bieten sich hier einmalige Möglichkeiten: Unsere B-Jugendlichen sammeln fleißig Einsätze im A-Jugend-Bundesliga-Team und ab dem 16. Geburtstag dann auch im 3. Liga-Team, welches sich als Ausbildungsmannschaft sehr gut etabliert hat. Die A-Jugendlichen sind fester Bestandteil des 3. Liga-Teams und übernehmen dort ebenso wie in der A-Jugend-Bundesliga viel Verantwortung. Regelmäßige Einheiten mit den „Großen“ des Bundesligateams stehen außerdem in den gut gefüllten Wochenplänen. Insgesamt ist so die Voraussetzung für eine optimale individuelle Weiterentwicklung gewährleistet.

André Fuhr:
Die Planung von dualen Karrieren steht im Mittelpunkt unseres Ansatzes. Auf Sicht können auch die talentiertesten Spielerinnen vom Handball allein nicht leben. Deshalb investieren wir viel Zeit und Energie in die Themen Berufsberatung und – orientierung. Ich glaube hier sind wir schon sehr weit

Bereits jetzt sucht ihr nach Talenten für das kommende Schuljahr. In Zeiten von G8, Playstation und Co. sicherlich keine leichte Aufgabe, oder?

André Fuhr:
Die Bereitschaft der weiblichen Talente in die Zentren zu gehen, ist in den letzten Jahren eher gesunken. Die Einführung der Jugend-Bundesliga hat dieses Problem weiter verstärkt. Ich kann jedes Mädchen verstehen, dass lieber zu Hause bei Familie und Freunden bleibt. Aber: Der Weg in die nationale und hoffentlich auch in die internationale Spitze führt im Mädchenhandball nur über die Leistungszentren. Große Leistungsunterschiede in Training und Spiel müssen durch hohe Trainingsqualität, leistungshomogene Trainingsgruppen und gezielt eingesetztes Doppelspielrecht ausgeglichen werden. Das können meist nur die großen Vereine leisten. In unserem aktuellen Bundesligakader stehen mit Xenia Smits, Kim Wahle, Ann-Catrin Kamann, Denise Großheim und Kim Berndt gleich fünf Spielerinnen, die unser Internat durchlaufen haben. Zudem ist Laura Rüffieux, die im Sommer ins Internat eingezogen ist, mit ihren 17 Jahren ebenfalls ein wichtiger Bestandteil unseres Bundesligakaders. Sie hat bis zum 10. Spieltag bereits 12 Tore erzielt.

Barbara Hetmanek:
Das Thema Sichtung potentieller Neuzugänge ist eine sehr wichtige und komplexe Aufgabe. Einige unserer vermeintlich größten „Gegner“ hast du bereits angesprochen. Allerdings stellen wir von uns auch naturgemäß hohe Ansprüche an die Jugendlichen, schließlich bieten wir hier eine qualitativ hochwertige Ausbildung und wollen die Bundesliga- und Nationalspielerinnen von morgen entwickeln.

Grundsätzlich sichten wir bei Turnieren, Auswahl- oder Ligaspielen. Hier gehen wir in diesem Jahr einen etwas anderen Weg. Neben vielen individuellen Probetrainingseinheiten besteht nun für Spielerinnen der Jahrgänge 1997 bis 1999 die Möglichkeit, sich für den HSG-Scoutingtag am 06.01.14 zu bewerben. So wollen wir allen Talenten die Möglichkeit geben, sich zu präsentieren und im Falle einer Einladung, unsere Strukturen kennenzulernen und sich vor Ort ein eigenes Bild von Räumlichkeiten, Abläufen, Trainern und Inhalten zu machen. Herausragende schulische, sportliche und charakterliche Eigenschaften sind dabei die zentralen Bewertungskriterien. Auf Basis des ersten Eindrucks werden wir eine Vorauswahl treffen und diese dann gezielt zu Probetagen am HSG-Internat einladen. Diese Probetage beinhalten nicht nur zahlreiche Trainingseinheiten, sondern auch einen Schulbesuch und ein ausführliches Beratungsgespräch.