21.10.2013 16:28 Uhr - 1. Bundesliga - Andreas Eberle, Bietigheimer Zeitung

"Damit hatte ich gar nicht gerechnet" - Bietigheimerin Julia Behnke über das Nationalteam

Julia BehnkeJulia Behnke
Quelle: Cornelia Mast
Eine perfekte Woche für Julia. Zunächst berief Bundestrainer Heine Jensen die Kreisläuferin der SG BBM Bietigheim in den erweiterten Kader für die Handball-WM in Serbien. Beim Heimsieg gegen Leverkusen wurde sie als Spielerin des Abends ausgezeichnet. Im Gespräch mit der Bietigheimer Zeitung blickt die 20-jährige auf die Woche, aber auch die noch junge Karriere zurück.

Sie haben mit der SG BBM Bietigheim gerade mit Bayer Leverkusen erstmals einen etablierten Bundesligisten bezwungen. Was ist das Geheimnis des Erfolgs?

Julia Behnke:
Das ist in erster Linie die geschlossene Mannschaftsleistung gewesen. Wir sind ein hohes Tempo gegangen und haben gerade in der ersten Halbzeit sehr konzentriert abgeschlossen. Das war in der zweiten Halbzeit dann leider nicht mehr so. Da haben wir es unnötig spannend gemacht.

Julia Behnke:
In der Tat. Nach einem zwischenzeitlichen Neun-Tore-Vorsprung ist es in der Schlussphase noch einmal eng geworden. Wie kam es zu diesem Bruch im Spiel?

Julia Behnke:
Das war definitiv keine Absicht. Wir hatten einige unkonzentrierte Phasen. Außerdem haben wir etwas das Tempo herausgenommen. Das war der Knackpunkt.

Drei Siege in vier Heimspielen ist für einen Neuling ordentlich. Die Viadukthalle scheint ein gutes Pflaster.

Julia Behnke:
Ja, es stimmt: Wir sind sehr heimstark. Zu Hause haben wir eben unsere Fans im Rücken. Das ist gerade in den spannenden Phasen ein entscheidender Faktor.

Hat Sie die Berufung in den erweiterten Kader für die Frauen-WM in Serbien zusätzlich beflügelt?

Julia Behnke:
Verein ist Verein und Nationalmannschaft ist Nationalmannschaft. Ich blende das bei unseren Punktspielen aus. Aber natürlich ist es schön, in den erweiterten Kader der DHB-Auswahl berufen zu werden. Damit hatte ich gar nicht gerechnet. Umso schöner war es, meinen Namen unter den Reservespielern stehen zu sehen.

Wie und durch wen haben Sie von der Nominierung erfahren?

Julia Behnke:
Das war nach dem Training am vergangenen Donnerstag - und zwar von Freunden, die das im Internet auf "handball-world.com" gesehen hatten. Dort war das Aufgebot bereits veröffentlich worden, bevor ich davon erfahren habe.

Mit Torhüterin Ann-Cathrin Giegerich steht noch eine zweite SG-Spielerin auf Abruf bereit. Haben Sie beide schon auf die Berufung angestoßen?

Julia Behnke:
Bisher noch nicht. Aber das werden wir jetzt noch nachholen und feiern. Wir haben uns beide zunächst auf das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen konzentriert.

Wie wahrscheinlich ist es, in Serbien dabei zu sein?

Julia Behnke:
Ein bisschen Hoffnung ist immer da, auch wenn ich es für nicht besonders realistisch halte, nachnominiert zu werden. Vielleicht klappt es ja trotzdem.

Was ist das große Plus der Bietigheimer Mannschaft in dieser Saison?

Julia Behnke:
Wir verstehen uns auf und auch neben dem Feld sehr gut. Wir sind kunterbunt gemischt, was das Alter angeht. Die Spielerinnen sind super integriert worden. Auch der Trainer hat einen sehr großen Anteil an unserem Erfolg. Wir haben ein sehr anstrengendes Training und spezialisieren uns jede Woche auf den jeweiligen Gegner.

Was fehlt dem Team noch, um mal ein Schwergewicht wie den Thüringer HC oder Leipzig zu schlagen?

Julia Behnke:
In stressigen Phasen sind wir vielleicht alle noch zu grün. Die großen Mannschaften gehen gerade da noch ein höheres Tempo und auch dorthin, wo es weh tut.

Coach Dago Leukefeld hat vor der Saison immer nur vom Klassenerhalt gesprochen. Ist eventuell auch Platz sechs und damit die Teilnahme an der Meisterrunde drin?

Julia Behnke:
Das kann ich noch nicht so gut einschätzen. Wir haben bisher auswärts noch keine so guten Spiele geliefert. Die Spiele, die wir daheim gewinnen mussten, haben wir auch gewonnen. Wir konzentrieren uns immer auf das nächste Spiel und den nächsten Gegner und schauen dann. Nach der Runde wird sich zeigen, wo wir stehen.

Sie waren zu Hause das einzige Mädchen unter drei Brüder. Haben Sie da gelernt, sich so durchzusetzen, wie Sie das jetzt beim Handball tun?

Julia Behnke:
Auf jeden Fall. Meine Brüder haben mir beigebracht, mit Härte umzugehen. Schon allein wenn es ums Essen ging, musste ich mich immer beeilen, dass sie mir nicht alles wegessen. Und wenn es Streit gab, hielten natürlich die Jungs zusammen - und ich musste mich gegen sie verteidigen. Das war eine gute Schule für später.