15.10.2013 09:13 Uhr - 1. Bundesliga - Christian Stein - handball-world.com

Leverkusen: Mit "neuer 18" zurück in der Spur

Leverkusens "neue 18": Kristina LogvinLeverkusens "neue 18": Kristina Logvin
Quelle: Ralf Kardes
Am Ende war die Erleichterung bei den Elfen deutlich spürbar. „Uns war klar, dass wir diese zwei Punkte behalten wollten und mussten“, erklärte Leverkusens Trainerin Heike Ahlgrimm nach dem 27:23-Erfolg gegen die TuS Metzingen und ergänzte: „Shenia aus dem Spiel zu nehmen, war dafür richtungsweisend.“ Auch TuS-Manager Ferenc Rott befand, dass „wir damit nicht zurecht gekommen sind“ und für Torhüterin Sabine Stockhorst, die nach monatelanger Zwangspause aufgrund eines Kreuzbandrisses ein gelungenes Comeback feierte und nach ihrer Einwechslung die TuS noch im Spiel hielt, bemängelte die fehlende „Kreativität und Ruhe“ nach Ahlgrimms Schachzug.

Denn in den ersten elf Minuten deutete vieles auf einen doppelten Punktgewinn der Ermstälerinnen hin. Metzingen schaffte es im Angriff immer wieder eine Lücke in die Bayer-Deckung zu reißen, die dann vor allem Cassandra Engel nutzen konnte. Auch Leverkusen hatte zu Beginn noch gute Momente, Anne Jochin übernahm Verantwortung und Metzingen schien durch ein Abräumen auf die Außen verwundbar zu sein. Doch auf Seiten der Rheinländerinnen fehlte es bei den schnellen Ballstafetten an Präzision, die Ballverluste nutzte die TuS und drohte unaufhaltsam zu enteilen.

Natalie Hagel musste ihren Platz für Valentyna Salamakha räumen. Für Rott spielentscheidend, denn „Salamakha hält viele freie Bälle“. Um aber ins Spiel zu finden bedurfte es einer Auszeit, der Manndeckung gegen Minevskaja und auch auf dem Feld zahlreichen personellen Wechseln. Und vor allem auf die erst wenige Tage zuvor verpflichtete Kristina Logvin waren die TuSsies nicht vorbereitet.

Die 18-Jährige übernahm schnell die Initiative, traf per Sprungwurf (7:11), einem abgeknickten Stemmwurf (9:11) oder überzeugte als Anspielerin, wie bei Comans 10:12 (26.). Mit insgesamt fünf Toren und zahlreichen Anspielen war die Österreicherin das Mosaikstein, was den Elfen in den ersten Spielen noch gefehlt hat. Zumal sie auch in der Rückwärtsbewegung und Abwehr neben ihrer Rolle als Sonderbewacherin für Minevskaja noch Akzente setzte.

„Wir haben den Rückstand als Team aufgeholt“, wollte Logvin ihre Rolle auf dem Parkett nicht überbewerten. Eine starke Leistung bot auch Anne Jochin mit elf Toren und ihrer Nervenstärke von der Siebenmeterlinie. Die schon bereits von Rott angesprochene Salamakha, aber vor allem die Steigerung im Defensivverbund waren letztlich mit ausschlaggebend. Richtet befreit von dem Druck, der auf dem Team nach dem schweren Saisonstart mit vier Niederlagen gelastet hatte, waren die Elfen aber erst in den Schlussminuten als Zapf, Jochin und Egozkue mit ihren Treffern zum 25:20 (57.) alles klar machten.

„Dass es bei meinem Bundesligadebüt so gut funktioniert hat, hat mich natürlich gefreut“, so Logvin. Mutter Tanja, einst selbst Weltklassehandballerin und live in der Smidt-Arena vor Ort, sei schon ihr Vorbild gewesen. „Die Leute haben schon immer erwartet, dass ich einmal so gut wie sie werde“, berichtet Logvin, die mit der Nummer 18 auf dem Rücken bei Leverkusen auch symbolisch die Lücke nach dem Abgang von Laura Steinbach schließt und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Ich hoffe, ich werde besser.“

Möglich wurde der Transfer auch, weil ihr bisheriger Verein Aalborg DH Insolvenz anmelden musste. „Bei den Dänen wird mit mehr Kraft gespielt, in Deutschland wird schneller gespielt“, meint Logvin zu den Unterschieden der beiden Top-Ligen. „Das passt zu mir, weil ich nicht so groß bin.“

Der Wechsel dürfte auch THC-Trainer Herbert Müller freuen, der nun als ÖHB-Nationaltrainer eins von Österreichs größten Talente Woche für Woche im Ligabetrieb verfolgen kann. „Natürlich will ich mich hier für die A-Nationalmannschaft empfehlen“, so Logvin. Dies dürfte für das erste mehr als eindrucksvoll gelungen sein, auch wenn sie für die anstehenden Spiele in der EM-Qualifikation noch nicht berücksichtigt wurde. Auch Leverkusens Geschäftsführerin Renate Wolf war voll des Lobes: „Ich würde mir wünschen, dass alle Spielerinnen so zielstrebig den Weg zum Tor suchen und nicht immer wieder anfangen, vor der gegnerischen Abwehr quer zu spielen.“

Und ein wenig wird nicht nur die Chefin die Hoffnung haben, dass die Elfen mit der "neuen 18" auch an die Erfolge der letzten Jahre anknüpfen kann. Auch in der letzten Saison waren die Rheinländerinnen schließlich mit vier Niederlagen gegen Oldenburg, Buxtehude, Leipzig und Thüringen gestartet und hatten sich nach 22 Spieltagen auf dem fünften Platz gekämpft. Eine Platzierung, die dann für die angestrebte Teilnahme an der Meisterrunde reichen würde.