18.09.2013 22:51 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm, VfL

Oldenburg gewinnt hitziges Nordderby gegen Buxtehude

Anna Loerper erzielte sechs Treffer für den VfLAnna Loerper erzielte sechs Treffer für den VfL
Quelle: Hermann Jack
Erleichterter Jubel nach einem knappen Sieg: Mit einem 31:27 (14:14)-Heimerfolg im Nordderby gegen den Buxtehuder SV haben die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg am heutigen Mittwochabend (18.9.2013) eine Mini-Krise vermieden und gehören mit 6:4 Punkten wieder der oberen Tabellenhälfte an. Die Sorgen machen sich nun die Anhänger des BSV, der nach der zweiten Niederlage in Folge mit 5:5 Zählern auf einen ungewohnten Mittelfeldplatz zurückfiel.

Die entscheidende Phase erlebten die nur 880 Zuschauer in der EWE-Arena – ein spärlicher Besuch für das sonst immer sehr gut besuchte Nordderby – eine Viertelstunde vor Schluss: Buxtehude hatte sich gerade auf 23:20 abgesetzt, doch der VfL glich aus (23:23/49.) und setzte sich bis zur 57. Minute auf 28:24 ab.

So neben der Spur wie noch am Wochenende – Oldenburg verlor bei den VL Koblenz/Weibern, Buxtehude bei der TuS Metzingen – präsentierten sich die Teams nicht mehr, zeigten ein teilweise sehr gutes und immer intensives Handballspiel. In diesem setzten sich die Gastgeberinnen zuerst ab: 6:4 (7.), 8:5 (10.). Doch nach elf Minuten nutzte Lone Fischer einen Fehlpass im Spielaufbau und glich zum 8:8 aus. Bis zur Pause blieb es eng.

Nach zuletzt 39 Gegentoren bei Außenseiter Koblenz/Weibern wartete der VfL mit Julia Wenzl und Thalke Bitter in der 6:0-Abwehrformation auf. Diese Maßnahme machte sich bezahlt. Der VfL stand sicherer in der Defensive, arbeitete auch besser mit Torfrau Tess Wester zusammen. Bitter wechselte bei Ballbesitz mit Aufbauspielerin Anna Loerper. In einigen Phasen agierte Loerper auch in einer sogenannten 5+1-Formation als direkte Gegenspielerin Randy Bülaus.

Ein Knackpunkt der Partie ereignete sich kurz vor der Pause: Buxtehude bekam noch einen letztlich zum Bumerang werdenden Freiwurf zugesprochen: Friederike Gubernatis warf und traf Wiebke Kethorn am Kopf. Während Oldenburgs Kreisläuferin benommen am Boden lag, sah Buxtes Halbrechte wohl regelkonform die Rote Karte. „Meiner Meinung nach ist sie gesprungen“, sagte die in Hälfte eins wichtige Gubernatis, konnte die Entscheidung nicht verstehen.

Kethorn, die der Partie von Beginn an mit starken Aktionen einen Stempel – einem Heber im Fallen etwa zum 2:1 (4.) – aufdrückte, wollte die Szene nicht bewerten: „Es kann sein, dass ich gesprungen bin, ich weiß es nicht. Aber in der zweiten Hälfte konnte ich deshalb auch nicht mehr spielen.“

Sehr viel leichter hatte es der VfL nach der Pause aber zunächst nicht. Zwei schnelle Tore warfen die Oldenburgerinnen, aber dann war der BSV wieder dran und setzte sich mit drei Treffern in Folge auf 23:20 ab.

Oldenburg überstand diese hektische, nervöse Phase. Laura van der Heijden verkürzte, Bitter traf auch, hinten begann Tess Westers beste Zeit. Weil sich Kethorn immer noch schwindelig fühlte, war längst die junge und gute Annika Meyer, die den Siebenmeter zum 23:23 herausholte (49.) und mit drei Treffern glänzte, in der Partie.

Ein wenig Glück gehörte auch dazu: Bei Westers Parade vor dem 25:23 (53.) sprang der Ball an die Unterlatte, aber auch großes Können wie beim gehaltenen Siebenmeter gegen Fischer. Die Einstellung stimmte zudem beim VfL – Klasse, wie sich Loerper im Zweikampf gegen Bülau den Ball erkämpfte (49.) und wie sie auch handballerische Spitzenklasse bei ihrem Wackler an zwei Spielerinnen vorbei zum 26:24 (56.).

„Wir haben Vieles umgesetzt, uns als Mannschaft präsentiert“, sagte die starke Julia Wenzl nach der Partie. Unsere Maßnahmen waren auch gut“, sprach sie die zwischenzeitliche kurze Deckung gegen Bülau, „über die fast alles läuft bei Buxtehude“ an.

„In den letzten 15 Minuten haben wir unsere Chancen nicht gemacht und uns taktisch nicht wirklich clever angestellt“, sagte BSV-Trainer Dirk Leun. „Wer fünf, sechs Fehler mehr macht, verliert – das ist normal.“ Auf der Pressekonferenz machte Leun noch klar, das Wort „Krise“ nicht wirklich gerne zu hören: „Diese Mannschaft ist neu zusammengestellt, diese Mannschaft muss sich entwickeln und sie wird sich entwickeln. Wir arbeiten hart. Ich werde auch aus dieser Mannschaft eine gute Mannschaft machen.“ Und in der enger zusammengerückten Liga würden die Gegner auch nicht leichter.

Ganz ähnlich äußerte sich Leszek Krowicki vom VfL: „Die entscheidende Phase haben wir für uns entschieden. Ich bin sehr stolz, dass sich die Mannschaft nach dem 20:23 nicht aufgegeben hat.“ Leichte Spiele gebe es nur, wenn „wir selbst engagiert auftreten und kämpferisch überzeugen“.

Für den VfL geht es am Sonntag um 16.30 Uhr mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger HSG Bensheim/Auerbach weiter. Buxtehude empfängt am selben Tag um 15 Uhr die VL Koblenz/Weibern.