07.09.2013 19:32 Uhr - 1. Bundesliga - dpa und PM Vereine

Thüringer HC feiert Kantersieg gegen Oldenburg

Katrin EngelKatrin Engel
Quelle: Mario Gentzel
Dritter Sieg im dritten Spiel: Der deutsche Meister Thüringer HC bleibt in der Handball-Bundesliga ungschlagen. Der Doublesieger gewann am Samstagabend gegen den noch ungeschlagenen VfL Oldenburg überraschend deutlich mit 40:23 (20:13) und verteidigte mit 6:0 Zählern die Tabellenführung. Erfolgreichste THC-Torschützinnen waren die spanische Nationalspielerin Alexandrina Barbosa (8) sowie Katrin Engel (8/3) und Sonja Frey (6/2).

Zwölf Minuten – da stand es noch 8:8 – hielten die Bundesliga-Handballerinnen des VfL Oldenburg am heutigen Samstag (7.9.2013) beim dreimaligen Meister Thüringer HC mit, doch kurze Zeit später „brachen alle Dämme“, sagte THC-Trainer Herbert Müller später: Mit 23:40 (13:20) verlor der VfL gegen einen in allen Belangen überlegenen Gegner und hat vor dem ersten Saison-Heimspiel am kommenden Mittwoch (19.30 Uhr, EWE-Arena) gegen die TuS Metzingen erwartungsgemäß 2:2 Punkte auf dem Konto. Der THC ist Erster mit 6:0 Zählern.

950 Zuschauer in der Salza-Halle in Bad Langensalza sahen ein rasantes und qualitativ gutes Handballspiel, an dem sich in der Startphase beide Mannschaften zu gleichen Teilen beteiligten: Die famose Alexandrina Barbosa eröffnet nach eigenem Steal und Gegenstoß nach einer halben Minute den Torreigen. Aber Oldenburg ließ sich nicht verunsichern, spielte schnell direkt, erfolgreich und hatte in Julia Wenzl und Anna Loerper im Rückraum wirkungsvolle Spielerinnen, die auch spätere Thüringer Führungen mit Aktionen zu Ausgleichstreffern beantworteten. Auch Wiebke Kethorn klaute sich einen Ball und konterte erfolgreich: 3:3 (4.). Maike Schirmer sorgte für die erste Oldenburger Führung (5:4/8.), per Einzelaktion ließ Loerper das 6:5 (9.) folgen. Aus der zweiten Reihe traf Wenzl zum 8:7 (12.).

Das Spiel hatte von Beginn an ein enormes Tempo entwickelt. Den Gastgeberinnen reichten meist ein, zwei Pässe bis zum Abschluss, der VfL brauchte nur unwesentlich länger – ein faszinierendes Spiel mit vielen kleinen Geschichtchen und Momenten. Diese aber liefen in der Regel gegen Oldenburg. So trafen Wiebke Kethorn (vom Kreis/10.) und Maike Schirmer (Heber/13.) nur die Latte, die gute Tess Wester war verantwortlich für die kurioseste Szene: Kerstin Wohlbold hatte aussichtsreich abgezogen, Tess Wester mit dem rechten Arm in Klasse-Manier gehalten. Die Oldenburger Torfrau hatte schon die Faust in die Höhe gerissen, aber nicht mehr auf den Ball geachtet, der durch den Drall nach Aufprall auf den Boden doch noch den Weg an der verdutzten Torfrau in den Oldenburger Kasten fand.

Als der VfL seine erste Überzahlsituation mit 0:1 verlor (Barbosa bei 8:8 runter) und THC-Linksaußen Sonja Frey sich bei ihrem 10:8 (14.) am gegnerischen Kreis alle Freiheiten nahm, hatte sich Oldenburg wohl eine Unkonzentriertheit zu viel geleistet. Laura van der Heijden brachte ihr Team zwar noch auf einen Treffer heran. Doch Jana Krause im Thüringer Tor hielt immer stärker, ihre bisweilen hart zupackende Abwehr ließ weniger zu, zudem erhöhte sich die Oldenburger Fehlerquote vorne wie hinten: Barbosa marschierte beim 15:10 (19.) völlig unbedrängt durchs Zentrum der Oldenburger 3-2-1-Abwehrformation. Der spanische Zugang sorgte per Steal und Konter auch für die erste Zehn-Tore-Führung (25:15/36.).

Das Spiel war also früh entschieden, und der Vorsprung vergrößerte sich weiter. Am Ende hatte der THC neun direkte Kontertore erzielt, der VfL nur drei, vergab aber auch drei Chancen. Auch Oldenburgs Fehlerquote war deutlich höher, zudem scheiterte der VfL viermal an Pfosten oder Latte (THC einmal). Trainer Leszek Krowicki ließ aber dennoch nicht den Spielstil ändern, begriff die Partie als wertvolle Lehrstunde, setzte Stammspielerinnen auf der Bank und wechselte fleißig durch. Annika Meyer erzielte fünf Minuten vor dem Ende ihren ersten Treffer für ihren neuen Klub (22:38/56.), wenig später auch Kira Schnack (23:38/57.).

Der Oldenburger Stil, niemals mit dem Tempo nachzulassen, war für Müller auch verantwortlich für das hohe Resultat: „Es macht verdammt Spaß gegen Oldenburg, weil sie stets mit offenem Visier spielen. Andere Mannschaften verschleppen das Tempo – da kommen auch mal knappere Ergebnisse zustande.“ In der Pause habe er seiner Mannschaft gesagt, bloß nicht nachzulassen: „Gegen den VfL kann das schnell nach hinten losgehen. Nachdem die ersten 20 Minuten ausgeglichen waren, habe ich nicht erwartet, dass wir noch so ein Feuerwerk abliefern.“

„Ich bin nicht zufrieden, aber ich sehe auch die positiven Elemente aus den ersten Minuten“, sagte Krowicki: „Unsere beiden Mannschaften trennen im Moment Handball-Welten. Wir haben probiert, das zu nutzen und zu lernen.“ Scherzhaft fragte er beim Trainer-Interview noch, warum der THC ausgerechnet gegen Oldenburg so motiviert auftrete. Müller sprach von einem „Ausnahmeergebnis“ und fügte hinzu: „Ich habe jetzt schon großen Respekt vor dem Rückspiel, weil ich weiß, was uns da erwartet.“

Nach dem Mittwochspiel gegen Metzingen tritt der VfL schon am Sonntag in acht Tagen bei den Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern an (15.9., 16 Uhr). Fehlen werden wie heute Lois Abbingh und auch vermutlich Rabea Neßlage, ebenso Nachwuchshoffnung Alex Meyer. Der THC spielt am Mittwoch (19.30 Uhr) beim Buxtehuder SV, am Sonntag darauf (16 Uhr) bei Bayer Leverkusen. Am Rande der Partie wurde noch bekannt, dass die ehemalige Oldenburgerin Lydia Jakubisova doch nicht wie gestern gemeldet an einem Bandscheibenvorfall leidet, sondern nur an einer Zerrung. „Noch 14 Tage – dann spiele ich wieder“, sagte die Rechtsaußen der VfL-Homepage.