19.06.2013 15:09 Uhr - 1. Bundesliga - PM THC, red

Nadja Bolze verlässt den Thüringer HC

Nadja BolzeNadja Bolze
Quelle: Mario Gentzel
Zu einem ungewöhnlich späten Zeitpunkt, der THC hatte ja das Ende seiner Personalplanung bekannt gegeben, kommt nun noch eine unerwartete Nachricht. Nadja Bolze verlässt den Thüringer HC und sucht beim SV Union Halle-Neustadt eine neue Entwicklungschance. Verletzt musste sie zusehen, wie die zweite Mannschaft des Vereins zum Saisonende in den Abstiegsstrudel geriet. Ihr im März erlittener Fußbruch erlaubte der Top-Torschützin der Mannschaft in der III. Liga- Nord (141 Treffer bis zum 19.3.) keinen Einsatz mehr. Im Interview erklärt sie ihre Entscheidung.

Hallo Nadja, Du bist ja mit Abstand die Spielerin im Bundesligateam mit der längsten Vereinszugehörigkeit ...

Nadja Bolze:
Ja, 1998 habe ich im Nachwuchs begonnen. Nach schönen und erfolgreichen Jahren im Jugendbereich (Deutscher Meister 2006 und 2007) spiele ich seit der Saison 2007/2008 in der 2. Frauenmannschaft und durfte auch schon Bundesligaluft schnuppern. Neben der beruflichen Ausbildung war es nicht immer einfach, Beruf und Sport unter einen Hut zu bringen. 2011 gelang es mir, den Sprung in den Kader der Leistungsmannschaft zu schaffen, die Spielpraxis holte ich mir in der zweiten Mannschaft.

Nun hast Du Dich entschieden, doch noch einmal den Dir vertrauten Verein, die familiäre Umgebung zu verlassen. Was hat Dich dazu bewogen?

Nadja Bolze:
Ich bin mit der Mannschaft eng verbunden und werde es auch bleiben. Ich habe lange gebraucht, um eine für mich gute Lösung zu finden. Herbert Müller bescheinigte mir nach der vergangenen Saison eine gute Leistungsentwicklung und plante mich vorrangig für die Rechtsaußenposition. Das konnte ich aufgrund der starken Besetzung im Rückraum und am Kreis verstehen.

Ich hatte Bedenken auf der Außenposition mit zwei starken Linkshändern, meinen Platz zu finden. Als dann der Abstieg der "Zweiten" feststand, suchte ich nach einer anderen Entwicklungsmöglichkeit. Das konnte nur noch ein Vereinswechsel sein, denn mit dem 23. Geburtstag war ja kein Doppelspielrecht oder eine Ausleihe mehr möglich. Ich empfinde also Wehmut und Freude zugleich und werde dem Verein, dem ich meine bisherige Entwicklung verdanke, weiter verbunden bleiben. Auch als Vereinsmitglied.

Wie kam es zum Wechsel zum SV Union Halle Neustadt?

Nadja Bolze:
Ich möchte viel spielen, auf den Positionen, auf denen ich bisher erfolgreich sein konnte. Familie und Freundeskreis sollen erreichbar bleiben. Da bot sich Halle als Team im Vorderfeld der 2. Bundesliga förmlich an. Als ich dann erfuhr, dass für diese junge Mannschaft noch Spielerinnen gesucht werden, suchte ich das Gespräch. Der Zeitpunkt lag nach dem Meisterschaftstermin und meine Entscheidung war bis zur offiziellen, immer sehr stimmungsvollen Verabschiedung von Spielerinnen, noch nicht gefallen. Als mir dann Trainer Mihal Lukacin Einsätze auf der Rückraum-Rechts-Position zusagte und mir auch die berufliche Entwicklungschance gefiel, habe ich das Gespräch mit Herbert Müller gesucht und danach meine Entscheidung getroffen.

Berufliche Entwicklung?

Nadja Bolze:
Nach einem freiwilligen sozialen Jahr sowie der Ausbildung zur Sozialassistentin werde ich Ende Juli meine Ausbildung als "Staatlich anerkannte Erzieherin" abschließen und kann dann in Halle auch als Erzieherin arbeiten. Ich habe den Eindruck, dass in Halle vieles so gehandhabt wird, wie ich es vom THC kenne. Der Verein stellt sich hohe Ziele, will möglichst die Saisonplatzierung als Fünfter der 2. Bundesliga noch verbessern und braucht dazu auch motivierte Spielerinnen.

Wie schwer fällt Dir der Abschied von Familie und Freunden?

Nadja Bolze:
Mit 23 denke ich, sollte man den Abschied vom "Hotel Mama" schon vollziehen können. Aber wenn ich Sehnsucht nach der Familie, der ich sehr viel verdanke, verspüre, dann ist Erfurt nur eine gute Autostunde weit entfernt. Ich hoffe, dass ich schnell einen neuen Freundeskreis finden werde. Ein Anfang ist ja schon da. Dagmar Stuparicova, sie kenne ich ja von ihrer Zeit beim THC, spielt ja erfolgreich im Hallenser Team.