14.04.2013 20:53 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm, VfL Oldenburg

Leverkusen kann Viertelfinale in Oldenburg drehen

Lois Abbingh und der VfL Oldenburg wurden heute von Leverkusen ausgebremstLois Abbingh und der VfL Oldenburg wurden heute von Leverkusen ausgebremst
Quelle: Hermann Jack
1.518 Zuschauer in der Oldenburger EWE-Arena erhoben sich eineinhalb Minuten vor Spielende, und sie klatschten noch sechs oder sieben Minuten nach der Partie im Takt - und das trotz einer klaren Niederlage des VfL Oldenburg im Viertelfinal-Rückspiel der Meisterschafts-Playoffs am heutigen Sonntag. Gast Bayer Leverkusen hatte sich mit 29:23 (15:8) durchgesetzt und die 24:25-Niederlage aus dem Hinspiel in höchst überzeugender Manier gedreht. So feierten die Oldenburger Anhänger zwar nicht den Halbfinaleinzug, aber doch eine überzeugende Saison des VfL, die mit dem heutigen Tag ihr Ende fand.

Und die heimischen Fans feierten Rechtsaußen Jenny Winter und Spielmacherin und -führerin Sabrina Neuendorf, deren Zeit beim VfL nun ganz zu Ende ist. "Ich hoffe, dass ihr mich überhaupt verstehen könnt", sagte Neuendorf, als endlich die geplante Abschiedszeremonie über die Bühne ging, mit Augen voller Tränen zu den Fans: "Ich hatte so viel Spaß mit euch." Die heutige Partie heute machte aber nur den wenigen Gästefans Spaß.

Ohne die Verletzten Denisa Glankovicova und Valentyna Salamakha angetreten, versetzten die „Elfen“ die allermeisten der Zuschauer schnell in Angst und Schrecken. Oldenburg ging mit dem ersten Angriff durch Lois Abbingh zwar in Führung und kam mit einem Abbingh-Kracher aus zehn Metern zum 2:2 (4.), danach aber lief kaum noch Konstruktives über das Positionsspiel. Bayers 6:0-Deckung agierte höchst aggressiv, setzte die Ballbesitzenden unter Dauerdruck, und dahinter lieferte Natalie Hagel eine Klasse-Vorstellung ab. Bis zur Pause hatte die Torfrau schon dreizehn Paraden gesammelt.

Über die Stationen 4:2 (7.), 7:3 (12.), 12:5 (19.) zog der Hauptrunden-Fünfte auf 14:6 (22.) davon. Beim VfL lief im Angriff wenig zusammen, ins Konterspiel kamen die Gastgeberinnen auch fast überhaupt nicht, da Bayer 04 ein beeindruckend starkes Rückzugverhalten zeigte und die Passwege im Ansatz zustellte. Und in der Defensive fand der VfL auch keine Mittel, die oft verwirrend fix spielenden Leverkusenerinnen zu stoppen, als Wiebke Kethorn ab der zwölften Minute begann, Bayers Laura Steinbach eng zu decken.

Den Sieben- bis Acht-Tore-Vorsprung hielten die Gäste auch nach dem Seitenwechsel konstant. Immer noch strahlte der Oldenburger Positionsangriff kaum Gefahr aus, wenigstens sank die Quote der leichten Fehler. Auch deshalb hätte oft Hoffnung aufkommen können. So ab der vierzigsten Minute: Die eingelaufene Kim Birke verwertete einen klugen Pass Neuendorfs zum 11:18, auf der anderen Seite zwang der VfL die „Elfen“ ins Zeitspiel, und einen Angriff später verwandelte Neuendorf einen von acht Oldenburger Strafwürfe (42.).

Das Publikum feuerte den VfL immer stark an, jetzt umso mehr. Irgendwie schien die Wende möglich. Sie trat aber nicht ein. Abbingh traf nur den Innenpfosten, Joyce Hilster antwortete mit dem 20:12 (44.). Als Naiara Egozkue Extremado nach ihrem 22:14 (47.) per Konter jubelnd die Arme in die Höhe hob, hatte Leverkusen den Halbfinaleinzug endgültig perfekt gemacht. Die Spanierin erhöhte noch auf 23:14 – die höchste Führung des Spiels. "Wir kamen fast immer einen Schritt zu spät", sagte Kethorn, deren Vertragsverlängerung um ein Jahr bei der Bekanntgabe durch den Hallensprecher kurz vor Spielbeginn lautstark bejubelt worden war.

Nun hatten sich auch die Oldenburger Anhänger mit der Niederlage abgefunden, um ihr Team dann in den letzten Minuten und nach der Partie wieder zu feiern. Die Szenerie nach der Schlusssirene: Die Oldenburgerinnen standen zunächst fast verloren herum, die Gäste tanzten im Kreis, das Publikum stand und klatschte unaufhörlich, fast allen Oldenburgerinnen rannen Tränen über das Gesicht. Im Semifinale wartet auf den TSV Bayer 04 nun aller Voraussicht nach der amtierende Meister und Normalrunden-Erste Thüringer HC, der kommenden Mittwoch nach dem 34:28 im Hinspiel noch das Rückspiel gegen die HSG Blomberg bestehen muss.