07.06.2006 07:04 Uhr - 1. Bundesliga - Christopher Monz

"Wer am Ende vorn steht ist der Beste" – Katrine Fruelund im Interview

Katrine FruelundKatrine Fruelund
Quelle: Heiner Lehmann/www.sportseye.de
In Dänemark ist sie ein Superstar, in Deutschland war sie die herausragende Spielerin der abgelaufenen Saison beim Doublegewinner HC Leipzig: Katrine Fruelund. Nach nur einem Jahr verlässt die dänische Nationalspielerin Leipzig wieder und wechselt gemeinsam mit ihrem Cousin und Trainer Martin Albertsen sowie Nina Wörz in ihre Heimat zu Randers HK. Im Interview mit hbvf.de spricht die zweifache Olympiasiegerin über die abgelaufene Saison, die Gründe für ihren Weggang, den Unterschied zwischen Handball in Dänemark und Deutschland, sagt was sie an Deutschland stört, und was sie ihrem alten Club in der neuen Saison zutraut.

Herzlichen Glückwunsch, Meisterschaft und Pokalsieg gehen dieses Jahr an den HC Leipzig, kann es einen schöneren Abschied aus Leipzig für Sie geben?

Katrine Fruelund:
Es war wirklich ein perfektes Jahr. Einen schöneren Abschied gibt es nicht.

Nach nur einem Jahr verlassen Sie Leipzig wieder mit zwei Titeln. Überrascht, oder kam das erste Double in der Vereinsgeschichte des HCL für Sie nicht von ungefähr?

Katrine Fruelund:
Ich wusste ja, dass Leipzig sehr professionell arbeitet, sie haben einen guten Namen im internationalen Handball. Zwei Titel in einem Jahr sind aber in keinem Club normal, dafür muss hart gearbeitet werden, und das wird beim HCL gemacht. Die Strukturen und die Personen dahinter, das passt in diesem Club alles zusammen. Ich wäre gerne beim HC Leipzig geblieben.

Warum wechseln Sie nach nur einem Jahr zurück nach Dänemark, warum nach Randers? Dänische Topteams wie Viborg, Slagelse oder Aalborg müssten doch ganz wild nach Ihnen gewesen sein, in Ihrer Heimat sind Sie schließlich ein Superstar.

Katrine Fruelund:
Ja, ich hatte auch eine Menge Angebote aus Dänemark. Aber ich gehe ja nicht wegen dem Handball zurück. Ich gehe zurück nach Hause, weil ich bei meiner kranken Mutter sein möchte die in Randers lebt. Wenn sie nicht so schwer krank geworden wäre, würde ich nächste Saison in jedem Fall auch noch in Leipzig spielen. Ich möchte aber einfach bei ihr sein, nur deshalb gehe ich zurück nach Dänemark und nach Randers.

Welchen Anteil hat ihr Cousin und Trainer Martin Albertsen am Doublegewinn dieses Jahr?

Katrine Fruelund:
Der Trainer hat immer einen großen Anteil am Erfolg. Martin auch. Er kann unheimlich motivieren und auch taktisch ist er echt super.

Martin Albertsen wechselt nun mit Ihnen nach Randers, hat er eine Rolle bei ihrem Wechsel gespielt, sicher wären Sie ohne ihn doch auch nie zum HC Leipzig gekommen?

Katrine Fruelund:
Ich wollte nach sechs Jahren in Viborg einfach mal etwas anderes machen. Da wir zu einer Familie gehören haben wir immer Kontakt zueinander gehabt, und Martin hat mir viel von Leipzig erzählt. Aber wenn zum Beispiel Morten Arvidsson (Leipzigs neuer Trainer, Anm. d. Red) damals schon Trainer in Leipzig gewesen wäre und er hätte mich gefragt, dann wäre ich wohl auch gekommen.

Ebenfalls nach Randers wechselt Nina Wörz. Sie gehört zu den Spielerinnen die im letzten Jahr unter Martin Albertsen den größten Schritt nach vorne gemacht hat. Hat Nina Sie um Rat gefragt als es darum ging nach Dänemark zu wechseln?

Katrine Fruelund:
Klar haben wir viel gesprochen. Nina hat schon seit einigen Jahren den Traum in Dänemark Handball zu spielen. Ohne den Wechsel von unserem Trainer Martin Albertsen hätte es mit ihrem Wechsel nach Dänemark sicher auch nicht so einfach funktioniert. In Dänemark will man nur "fertige" Spieler, weil der Druck auf die Teams enorm ist. Nina ist noch in der Entwicklung, sie spielt ja erst knapp zwei Jahren auf ihrer Position. Sie hat in sechs Jahren Leipzig ein super Entwicklung genommen, da kann sie nun auch den nächsten Schritt machen.

Was trauen Sie Ihrer alten und neuen Mitspielerin Nina Wörz in Dänemark zu, für Randers ist es sicher ein Vorteil dass Sie sich beide schon aus Leipzig kennen?

Katrine Fruelund:
Natürlich, für mich ist ihr Wechsel nach Randers auch super. Wir verstehen uns auf dem Feld, wissen was die andere macht. Es ist zwar noch kein blindes Verständnis, aber wir verstehen uns gut. Auch für unser neues Team ist das natürlich gut, Nina hat eine unglaubliche körperliche Kraft. Spielerinnen von dieser Art gibt es nicht viele. Sie wird ihre Zeit brauchen, um sich Einzugewöhnen, aber sie kann es schaffen sich durchzusetzen.


Katrine Fruelund im Spiel gegen den Thüringer HC


Welche Ziele haben Sie mit ihrem neuen Verein Randers HK? Die Meisterschaft zu gewinnen dürfte in Dänemark schwierig werden...

Katrine Fruelund:
In Dänemark können im nächsten Jahr sieben Mannschaften Meister werden, die Vereine haben sich alle noch mal verstärkt und die Liga ist sehr ausgeglichen. Slagelse, Viborg, Ikast, FCK, Aalborg, GOG und auch Randers sehe ich mit kleinen Chancen. Aber jeder Sportler will immer gewinnen. In erster Linie soll sich aber die Mannschaft erst finden, dann sehen wir weiter.

In Deutschland wird der Play off Modus von einigen Vereinen hart kritisiert, vor allem Vorjahresmeister Nürnberg sah sich im Nachteil. Sie kennen Play-offs schon aus ihrer Zeit in Dänemark, wie stehen Sie zu diesem Modus, nach der Vorrunde stand Leipzig nur auf Platz 4 in der Tabelle und war am Ende dennoch Deutscher Meister.

Katrine Fruelund:
Ich kann diese ganze Diskussion überhaupt nicht verstehen. Man weiß doch am Anfang der Saison was auf einen zukommt. Da muss man entsprechend planen. In Dänemark wird "best of three" gespielt und das Ergebnis spielt nie eine Rolle. Nur Siege oder Niederlagen zählen, so ist das System etwas anders. In Dänemark hat Slagelse auch die ganze Saison dominiert und am Ende ist Viborg Meister geworden. Dort kommt jetzt jedoch kein Mensch auf die Idee darüber zu diskutieren. Wer am Ende vorn steht ist eben der Beste. So ist das im Sport. In Dänemark ist Viborg das beste Team dieses Jahr, auch wenn sie in der normalen Runde vier Niederlagen mehr als Slagelse hatten. Was Deutschland angeht denke ich, dass in diesem Jahr Leverkusen und wir den besten Handball gespielt haben und verdient im Finale standen.

Die dänischen Farben in Leipzig wird in der kommenden Saison ihre Landsfrau Rikke Nielsen hoch halten. Was konnten Sie ihr über Leipzig berichten, was über die Deutsche Bundesliga?

Katrine Fruelund:
Ich kenne Rikke schon sehr lange aus der Nationalmannschaft. Sie hat mich angerufen und gefragt wie es so ist in Leipzig. Da konnte ich ihr nur von einer wunderschönen Stadt, netten Leuten und einem super Verein mit den besten Fans der Welt erzählen. Als ich dann gesagt habe, dass ich in jedem Fall geblieben wäre, wenn das mit meiner Mutter nicht passiert wäre, war sowieso alles klar. Was die Liga angeht, ich habe ihr von den weiten Fahrten erzählt, daran muss man sich erst gewöhnen. Dänemark ist doch deutlich kleiner als Deutschland, und die Fahrten zu Auswärtsspielen sind nicht so lang.

Wo sehen Sie den Hauptunterschied zwischen dem dänischen und dem deutschen Handball?

Katrine Fruelund:
In Dänemark wird mehr Wert auf die Technik und auf die Unterhaltung der Zuschauer gelegt. Es wird auch viel schneller gespielt als in Deutschland, wenn man mal Leverkusen, Nürnberg und den HCL ausnimmt. Ich meine nicht schnell laufen, sondern schnell spielen. Das geht aber nur, weil die Teams auch dazu gezwungen werden. Wenn die Hand der Schiedsrichter zum Zeitspiel hochgeht, dann muss man eben schnell spielen. In Deutschland gibt es wirklich super Schiedsrichter die auch den internationalen Standard pfeifen, aber es gibt viele, bei denen ein Team zwei Minuten im Angriff spielen kann auch wenn gar keine Aktionen zum Tor kommen. Zeitspiel muss man von Beginn an konsequent pfeifen, so erzieht man die Teams auch zum schnellen Spiel.
In Dänemark wird zudem gute Abwehrarbeit belohnt, in Deutschland eher selten. Ich verstehe aber, wenn ein eher schwaches Team nicht die personellen Möglichkeiten hat um eine hohe Geschwindigkeit zu spielen, bleibt ihnen nichts übrig als das Tempo raus zu nehmen. In Dänemark spielen im Gegensatz zu Deutschland aber auch die unteren Mannschaften der Tabelle schnell, weil die Zuschauer das sehen wollen, und weil sie sonst keine Tore erzielen würden. Leverkusen und Leipzig könnten mit ihrem Tempo aus den Finalspielen sicher eine gute Rolle in der dänischen Liga spielen.


Katrine Fruelund im Finalrückspiel gegen Bayer Leverkusen


Könnten sie sich eine Rückkehr nach Deutschland vorstellen?

Katrine Fruelund:
Wenn dann nur nach Leipzig, aber momentan geht es erst einmal darum, dass meine Mutter wieder gesund wird. Ich sage noch einmal, meine Entscheidung Leipzig zu verlassen hatte mit Handball nichts zu tun.

Ihre Nationalmannschaft befindet sich wieder einmal im Umbruch. Erfahrene Spielerinnen treten zurück, trotzdem gehört Dänemark immer zu den stärksten Mannschaften. Sie sind seit Jahren dabei und eine feste Größe, die Frage nach einem Rücktritt erübrigt sich oder?

Katrine Fruelund:
Im Moment denke ich noch nicht daran. Es gibt ja mit dem neuen Nationaltrainer (Anm. d. Red.: Brian Lyngholm löste den langjährigen Erfolgstrainer Jan Pytlik ab) wieder eine neue Aufgabe und für sein Land zu spielen ist natürlich immer etwas besonderes. Vor allem für uns Dänen bei unserem Nationalstolz, wir haben doch alle eine Fahne im Garten hängen. (lacht)

Was nehmen Sie mit aus einem Jahr Deutschland, außer zwei Titeln?

Katrine Fruelund:
Es stimmen nicht alle Vorurteile, die man gegenüber Deutschland hat. Es wird bei uns in Dänemark immer gesagt die Deutschen sind so kühl. Von den Leuten in Leipzig kann ich das wirklich nicht sagen. Da ist eher das Gegenteil der Fall. Die Fans auf den Rängen, jedenfalls in Leipzig, haben deutlich mehr Emotionen wie die in Dänemark. Ich nehme in jedem Fall viel Positives mit, aber etwas stört mich ungemein an Deutschland: Dieser andauernde Pessimismus und das negative Denken ist wirklich nicht gut für Deutschland. Das ist in allen Bereichen so. Außer im Handball ist mir das extrem im Fußball aufgefallen. Was da dem Jürgen Klinsmann immer an den Kopf geworfen wurde, das kann ich nicht so recht verstehen. Man sollte sein Land und seinen Club unterstützen, stets an das Große glauben.Aber da trägt die Medienlandschaft einen großen Teil dazu bei. Mit mehr Zuversicht und positivem Denken hat man einfach ein ganz anderes Lebensgefühl.

Leipzig ohne Katrine Fruelund, was trauen Sie ihrem alten Club in Zukunft zu?

Katrine Fruelund:
Mit Morten Arvidsson kommt ein super Trainer und auch die neuen Spielerinnen sind sehr gut. Da mache ich mir keine Sorgen. Die Mannschaft muss natürlich auch erst zusammenwachsen und dann bin ich gespannt. Gut ist, dass das Team keinen Druck hat, wir haben ja dieses Jahr schon alles gewonnen. Ich denke, dass Leipzig wieder oben dabei sein wird.

Vielen Dank Katrine für das offene Gespräch und alles gute für Ihre sportliche und private Zukunft in Dänemark.