13.01.2013 08:44 Uhr - 1. Bundesliga - Markus Hausdorf

Dirk Leun: "Die Sehnsucht nach einem nationalen Titel ist groß"

Dirk Leun ist mit dem Buxtehuder SV Tabellenführer trotz erheblichem VerletzungspechDirk Leun ist mit dem Buxtehuder SV Tabellenführer trotz erheblichem Verletzungspech
Quelle: Hermann Jack
Seit 2008 ist Dirk Leun Coach von Bundesliga-Tabellenführer Buxtehuder SV. Vier Punkte Vorsprung weist der BSV trotz erheblicher Verletzungssorgen vor dem Spitzenspiel der Handball Bundesliga Frauen zwischen dem TSV Bayer Leverkusen und dem Buxtehuder SV auf. Markus Hausdorf sprach mit Dirk Leun über das Verletzungspech, das Topspiel, die Sehnsucht nach dem ersten Titel sowie der neuen Arena.

Dass Buxtehude zu den Topmannschaften der Liga zählt, hat der BSV in den vergangenen beiden Jahren immer wieder unter Beweis gestellt. Doch, dass man nun souverän - mit vier Punkten Vorsprung - die Tabelle anführt, obwohl man unglaubliches Verletzungspech hat, überrascht doch. Wie erklären Sie sich das?

Dirk Leun:
Das ist wirklich schwer erklärbar. Wir sind mit den Verletzungen positiv umgegangen. Die Spielerinnen aus dem Perspektivkader haben ihre Einsätze bislang als Chance gesehen und gezeigt, dass sie auch nah am Bundesligateam dran sind. Trotz der guten Punkteausbeute gibt es sicherlich spielerische Mängel, aber diese und die Ausfälle haben wir vor allem durch Leidenschaft, Herz und hohe taktische Disziplin kompensieren können. Durch die vielen Verletzungen sind wir vor allem im Angriff noch weit von unserem Niveau entfernt. Aber eines muss uns dennoch klar sein: Wir sind zwar Tabellenführer, haben vier Punkte Vorsprung, aber letztlich haben wir bislang noch nichts erreicht.

Welche Spielerinnen hat Sie am meisten überrascht?

Dirk Leun:
Es gibt keine Spielerin, die ich aktuell heraus heben kann. Unsere Mannschaft ist der Star und es ragen nicht ein, zwei Spielerinnen heraus. So haben wir es in den vergangenen Jahren auch in die Spitze des deutschen Handballs geschafft. Und unsere jungen Spielerinnen spielen derzeit ohne Hemmungen, ohne Angst und gehen ihre neue Aufgabe mutig an. Sie bringen ihre Stärken in unser Spiel ein.

Am Sonntag (16 Uhr, Smidt-Arena Leverkusen) treffen Sie mit ihrem Team auf die "Mannschaft der Stunde", den TSV Bayer Leverkusen, die zuletzt 12:0 Punkte einfahren konnten. Wie sehen Sie diese Partie?

Dirk Leun:
Schon vor der Saison habe ich gesagt, dass Leverkusen mit dieser Mannschaft um die Meisterschaft mitspielen kann. Meiner Kollegin Heike Ahlgrimm kann ich nur zu ihrer hervorragenden Arbeit beglückwünschen, ich schätze sie sehr und finde es beachtlich, wie sie das Erbe von Renate Wolf angetreten ist und das nach einem Start mit 0:8 Punkten. Derzeit spielen die Elfen guten und tollen Handball. Ich sehe uns am Sonntag in Leverkusen in der Außenseiterrolle. Wir spielen zum ersten Mal in unserer sehr angespannten personellen Situation bei einem Topteam. Wir können unbeschwert aufspielen und sehen, wo unsere Grenzen sein werden. Wir alle freuen uns auf dieses Topspiel, es wird für uns eine harte Bewährungsprobe werden.

In Leverkusen treffen Sie auch auf "Ihre Weltmeisterinnen" Kim Naidzinavicius und Marlene Zapf. Wie sehen Sie ihre Entwicklung?

Dirk Leun:
Natürlich freue ich mich auf das Wiedersehen mit den beiden Spielerinnen. Beide haben sich seitdem sicherlich prima entwickelt. Unsere "Weltmeisterinnen" von 2008 waren sicherlich ein ganz besonderer Jahrgang und die Spielerinnen wissen, dass ich sie alle sehr schätze. Kim sehe ich als die kommende Spielmacherin der Nationalmannschaft an, vor allem im Blick auf 2016/2017.

Wie lautet die Zielsetzung im weiteren Saisonverlauf, auch unter Berücksichtigung des Verletzungspech und dem Karriereende von Stefanie Melbeck?

Dirk Leun:
Diese Frage ist derzeit schwer zu beantworten. Für mich als Trainer ist es derzeit immer wieder die Aufgabe für die Spielerinnen entsprechende Alternativen zu suchen und zu finden. Klar ist auf jeden Fall, dass wir um den Titel mitspielen wollen. Daran ändert auch unser Verletzungspech nichts. Ich glaube an meine Mannschaft und meine Spielerinnen, Jammern bringt uns hier nicht weiter.

Buxtehude gewann international schon Titel. Wie groß ist die Sehnsucht nach dem ersten nationalen Titel?

Dirk Leun:
Ich bin ein ehrgeiziger Trainer und meine Mannschaft ist ebenfalls sehr ehrgeizig. Natürlich wollen wir endlich mal den Pokal oder die Meisterschaft gewinnen. Die Sehnsucht nach einem nationalen Titel ist groß. In diesem Jahr ist der Druck nicht ganz so groß: Wir können, müssen aber nicht.

Kommen wir auf die Zukunft des BSV zu sprechen. Mit Lone Fischer, Antje Lenz und Marcella Deen konnten sie sich in den letzten Tagen über Vertragsverlängerungen verständigen. Welche weiteren personellen Entscheidungen stehen noch an?

Dirk Leun:
Im kommenden Jahr wird es einen Umbruch geben. Aber wir sind alle ziemlich norddeutsch geerdet und setzen daher auch weiter auf junge deutsche Spielerinnen. Diesen Weg werden wir auch fortsetzen und vor allem auch Talente ausbilden. In den nächsten Wochen werde ich mir auch die Perspektivspielerinnen wie Isabell Kaiser, Sarah Lamp und Vanessa Köhler genau ansehen, um zu sehen, ob sie den Sprung schaffen können, denn ich bin ein Gegner davon zu sagen, dass Perspektivspielerinnen nach einigen wenigen Einsätzen schon gestandene Bundesligaspielerinnen sind.

In Buxtehude soll bis zum Frühjahr 2014 eine neue Arena gebaut werden. Welche Möglichkeiten würden sich durch eine moderne neue Heimspielstätte für den BSV ergeben?

Dirk Leun:
Zum einen ist die neue Arena ein Gewinn für uns, aber auch für die Zuschauer. Die Parkplatzsituation wird sich deutlich verbessern, es wird VIP-Logen geben und die Medien finden bessere Arbeitsbedingungen vor. Da die Halle größtenteils privat finanziert wird, steht uns die Halle vorrangig zur Verfügung. So verbessert sich die Situation im Trainingsbetrieb durch die frei verfügbaren Hallenzeiten. Zudem werden wir dort einen Kraftraum und ein Physiotherapiezentrum integrieren. Auch ein Handballinternat mit 20 Plätzen ist der neuen Arena angeschlossen.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für den weiteren Saisonverlauf.