06.01.2013 17:52 Uhr - 1. Bundesliga - fcb

Handball-Thriller in Göppingen: Thüringer HC gibt einen Punkt ab

Nicole Dinkel erzielte neun Treffer für die FA FrauenNicole Dinkel erzielte neun Treffer für die FA Frauen
Quelle: groundshots.de
1.700 Zuschauer in der EWS Arena verfolgten eine kampfbetonte Partie, in der Meister Thüringer HC sich ab Mitte der ersten Halbzeit konsequent einen Vorsprung erarbeitete. Göppingen rannte über die gesamte beherzt gegen den Rückstand an, der beim 12:14-Halbzeitstrand zwei Tore betrug und später auf bis zu vier Tore anwuchs - und belohnte sich dank starker Deckungsarbeit mit einem Punktgewinn. Der THC verlor spätestens mit der Disqualifikation von Wohlbold (50.) in der Offensive die spielerische Linie und musste sich mit einem Punkt begnügen.

FA-Trainer Aleksandar Knezevic benötigte bereits in der elften Minute beim 3:5 die erste Auszeit. Die Grün-Weißen konnten ihren nervösen Start nun abhaken, wirkten versierter und wachsamer. Auf der Gegenseite verfehlte Evgenija Minevskajas Strafwurf gegen die eingewechselte Jasmina Jankovic das Ziel. Anschließend erarbeitete sich Göppingen nach Zeitstrafen gegen Wohlbold und Popluharova eine lange Phase der Überzahl, verpasste es aber, das Spiel an sich zu reißen. Drei Minuten nach dem Ausgleich leuchtete stattdessen der alte Rückstand auf den Anzeigetafeln. Nadgornaja stellte kurz darauf sogar auf 5:8.

Dass solche guten Phasen der Gastgeberinnen mit einem wachsenden Vorsprung der Gäste endeten, gab dem Thüringer HC sichtlich Auftrieb. Die Gäste zogen ihren Erfolg aus einer engagierten Abwehr, die die Göppinger Werferinnen in die Distanz drängte. Vorne blieb Müller-Team konsequent auf Chancenjagd, bis sich die nächste Lücke ergab und schlug zu. Vor allem Ana Gros mit ihrem schnellen Armzug war nicht zu stoppen. Der Thüringer HC schien drauf und dran, die Scharte der in der Vorsaison erlebten Niederlage auszuwetzen.

Über die eigene Variabilität blieb Göppingen aber im Spiel. Nicole Dinkel und Alena Vojtiskova sorgten für die nötigen Treffer. Stellbrink glich beim 12:12 aus, doch die passive Deckung und das zu hastige Spiel in Unterzahl nach Ballgewinn bedeuteten bei Halbzeit einen 12:14-Rückstand. Nach der Pause versetzten die Gäste den Göppingerinnen weitere Nackenschläge. Der Gastgeber musste immer wieder wesentlich mehr für Treffer investieren, die Konzentration litt, was sich vor allem in Überzahl negativ auswirkte. Beim 12:16 (33.) schienen die Frisch Auf Frauen auf der Verliererstraße.

Doch es kam anders: Die Gastgeber ließen sich von ihren Unzulänglichkeiten nicht beeinflussen. "Wir wussten, dass Göppingen nie aufgibt", kommentierte THC-Trainer Müller später. Beim 18:19 (43.) stand Göppingen wieder einmal vor dem Ausgleich. In Überzahl Nadgornaja oder Wohlbold aus dem Spiel zu nehmen, brachte den Thüringer HC erst aus dem Tritt, dann gelangen Göppingen auch Kabinettstückchen. Ein Blindanspiel von Stellbrink auf Dolder bedeutete beim 21:21 schließlich das Unentschieden. Der Teamgeist hatte Göppingen durch die schwere Phase geführt.

Mit der roten Karte für Kerstin Wohlbold war der Bruch im Spiel der Gäste zehn Minuten vor Schluss perfekt. Für den THC-Wirbelwind war die Partie nach der dritten Zeitstrafe vorzeitig beendet. Auf beiden Seiten kochten die Emotionen, es wurde ein Thriller. Göppingen hatte dabei vor allem die überzeugende Deckungsarbeit im zweiten Abschnitt zurück in die Begegnung gebracht, kassierte in den zweiten dreißig Minuten nur neun Gegentreffer.

Der Thüringer HC verstärkte das Engagement in der Deckung nochmals, aber Göppingen schien nun das nötige Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Karolius setzte sich beim 23:22-Führungstreffer (55.) gegen zwei Gegenspielerinnen durch. Auf der Gegenseite wollte sich Herbert Müller die Haare raufen, sein Team brachte nach Nadgornajas Ausgleichstreffer kaum noch Wurfchancen zustande.

Das galt aber auch für die Frisch Auf Frauen. Die Kontrahentinnen neutralisierten einander auf hohem Niveau. So stand es auch fünf Sekunden vor Schluss 23:23, Göppingen war nach einer Auszeit in Ballbesitz, doch Daniels´ finaler Wurf verfehlte das Tor. Nach der vermeidbaren Niederlage gegen Leipzig vor einer Woche bedeutet das 23:23 (12:14) ein weiteres Erfolgserlebnis für Göppingen. Herbert Müller sprach von einem verdienten Unentschieden.