15.12.2012 18:41 Uhr - Europameisterschaft - fcb

Montenegro nach kräftezehrendem Fight im Finale

Sonja Barjaktarovic und Andjela BulatovicSonja Barjaktarovic und Andjela Bulatovic
Quelle: Michael Heuberger
In einer stimmungsvollen Atmosphäre traf im zweiten Halbfinale Gastgeber Serbien auf Nachbarland Montenegro, das als Nation seit 2006 von Serbien unabhängig ist. Entsprechend hitzig, umkämpft und intensiv war dieses Duell um den Finaleinzug. Auf einem hohen Niveau versuchten beide Teams, sich Vorteile zu erarbeiten. Dies gelang nach dem 12:13-Halbzeitrückstand Montenegro etwas besser, unter anderem gab das clevere Unterzahlspiel den Ausschlag für den Finaleinzug.

Von Anfang an ging es zwischen den rivalisierenden Nachbarn Serbien und Montenegro mit großem Einsatz hin und her. Konnte EM-Gastgeber Serbien zunächst die 2:0-Führung erzielen, sorgte Jovanka Radicevic nach fünf Minuten beim 3:2 für die erste Führung der Montenegrinerinnen. Große Hektik und Fehlversuche prägten die frühe Phase, in der die Serbinnen mit ihrem Offensivspiel kaum Erfolg hatten und an der gegnerischen Abwehr zu zerschellen drohten. Abgesehen von einer Überzahl, in der Bulatovic zweimal vergab, schien Montenegro das Spiel in der Hand zu haben, Pavicevic stellte nach einer Viertelstunde auf 8:4.

Serbien agierte nach dem beherzten Start inzwischen in der Deckung passiv und beinahe ängstlich und wollte sich in einer Auszeit neues Feuer holen. Filipovic beendete postwendend die vierminütige Torflaute, die Serbinnen spielten nun viel druckvoller nach vorne und erkämpften einen Strafwurf, den Ognjenovic zum 7:9 (18.) nutzte. Auch die Deckung formierte sich allmählich und Montenegro kam nicht mehr allzu einfach zu Treffern. Sanja Rajovic sorgte indessen vom Kreis für den 8:9-Anschlusstreffer. Der Funke sprang nun auf die Tribünen über, die Fans trugen ihr Team zum 10:10-Ausgleich (22.). Nur sieben Minuten nach der Auszeit war das Spiel wieder offen.

Das psychologische Moment lag nun klar bei Serbien, Damjanovic, Milosevic und Eric sorgten für die 13:11-Führung. Die Serbinnen schafften es in dieser Phase, die montenegrinischen Angreiferinnen vor Probleme zu stellen und nutzten dabei das schwache Rückzugsverhalten der Montenegrinerinnen zu Kontertreffern. Auch die eingewechselte Torhüterin Jovana Risovic wurde zu einem großen Faktor, von den ersten sieben Würfen der Montenegrinerinnen parierte sie fünf. Spielmacherin Milena Knezevic und ihre Mitspielerinnen scheiterten im Sechs gegen Sechs immer wieder. In Unterzahl scheiterte Serbien allerdings kurz vor Schluss und Marija Jovanovic setzte den Hüftwurf zum 13:14.

So trennten die Teams zur Pause nur ein Tor, etwas überraschend lag Serbien vorn und hatte mit der Zeit eine sehr gute Wurfausbeute herausgearbeitet. Auf der Gegenseite war Sonja Barjaktarovic bisher kein Faktor, sie wurde von der starken 19-jährigen Marina Vukcevic ersetzt. Nach ihrer dritten Parade schickte sie Biljana Pavicevic zum Gegenstoß 16:15 (35.), Montenegro führte wieder.

Auf serbischer Seite brillierte derweil weiter Biljana Filipovic. Die 26-jährige Hünin, die in der türkischen Liga spielt, brachte nicht nur fünf von sechs Würfen im gegnerischen Tor unter, sondern hatte auch immer wieder ein Auge für ihre besser postierte Mitspielerin. So lag Serbien nach 40 Minuten (18:19) weiter auf Augenhöhe. Allerdings agierte Serbien nun im Spielaufbau immer wieder arg hektisch und brachte sich mit Ballverlusten um die Möglichkeit des Unentschiedens.

Auch eine Auszeit änderte nichts daran, dass bis zum Abpfiff der weiterhin eng umkämpften Partie weiterhin Montenegro fast alle Big Points machte. Zwar besorgten Lekic und Filipovic den 21:21-Ausgleich (49.), eine Unterzahl ging nach Treffern von Miljanic und Knezevic aber mit 0:2 verloren. Montenegros Torfrau Sonja Barjaktarovic drehte auf. Vier Minuten blieb Serbien ohne Treffer, doch als Bulatovic den Ball verlor, netzte Milosevic zum 23:24.

Noch mehrmals gelang Serbien der Anschluss, aber gerade in einer Phase, als Montenegros Abwehr-Organisatorin Andjela Bulatovic wegen einer Zeitstrafe auf die Bank saß, verpasste Serbien die Wende. Montenegro stolperte zwar beim Sprung auf drei Tore Vorsprung, da Katarina Bulatovic den Ball verlor und Lekic erzielte den 26:27-Anschlusstreffer. Tomasevic im serbischen Tor verschob anschließend die Entscheidung, doch im letzten Wurf scheiterte ausgerechnet Filipovic und besiegelte die knappe Niederlage.