13.12.2012 19:52 Uhr - Europameisterschaft - fcb

La France eliminée - Serbien jagt Frankreich den Sieg ab und steht im Halbfinale

Serbiens Sieggarantin: Katarina TomasevicSerbiens Sieggarantin: Katarina Tomasevic
Quelle: Michael Heuberger
Serbien hat das Halbfinale erreicht. Frankreich hätte im Duell mit dem Team des EM-Gastgebers einen Sieg benötigt. Vor allem in der ersten Hälfte fand Frankreich allerdings nicht ins Spiel und zeigte über weite Strecken eine frappierende Schwäche im Abschluss. In der zweiten Halbzeit wandelte sich dieses Bild und Frankreich ging in Führung. Doch Serbien ließ nicht locker und hatte in manchen Situationen auch das nötige Glück. Letztlich endete die Partie knapp 18:17 für Serbien, das im Halbfinale steht, während die Französinnen nach der Enttäuschung in London auf das Spiel um Rang sieben hoffen

Zunächst zeigten im Entscheidungsspiel der Gruppe 1 um das Erreichen des Halbfinals zwischen Serbien und Frankreich nur die Torfrauen Nervenstärke. Die Abwehrreihen hingegen präsentierten sich der Bedeutung der Partie entsprechend nervös und ermöglichten den gegnerischen Angreiferinnen leichte Einwurfmöglichkeiten. Serbien schien dann nach fünf Minuten über eine bewegliche, offensive Deckung, die Frankreich große Probleme bereitete, den Fokus zu finden, verlor aber nach einem Ballgewinn im Aufbauspiel den Ball gleich wieder. Signate bedankte sich für diese Nachlässigkeit und sorgte mit einem Doppelschlag für die 3:2-Führung der Französinnen (8.).

Allerdings war diese Explosion von Frankreichs Hünin nur eine Momentaufnahme, vielmehr dominierten die Serbinnen mit ihrer Deckung den Rest der ersten Halbzeit. Kristina Liscevic stellte für den EM-Gastgeber auf 5:3 (10.), da Katarina Tomasevic in großartiger Manier parierte und Frankreich nach wie vor in der Abwehr keine Einstellung zum Spiel fand. Ausdruck dessen war der Kempatreffer von Jelena Popovic zum 6:3 (15.). Die vergebenen Großchancen in der Offensive und das schwache Deckungsspiel konnten Frankreichs Nationaltrainer Olivier Krumbholz nicht gefallen, die bisher drei eigenen Treffer waren nicht ausreichend. Er zückte die grüne Karte zur Auszeit.

Mit Pineau und Lacrabere als Einläuferinnen und einer offensiver formierten Abwehr wollte Frankreich Serbien knacken. Die Pass- und Abschlussschwäche blieb der Equipe tricolore jedoch treu, wie auch der Drei-Tore-Rückstand. Der große Erfolgsdruck, der auf der französischen Mannschaft nach dem schlechten Abschneiden bei den Olympischen Spielen lastete, blieb sichtbar. Die 33-jährige Raphaelle Tervel war ja eigens für diese Europameisterschaft zurückgekehrt, um nochmals einen Erfolg mit dem Nationalteam feiern zu können. Zu diesem Zeitpunkt deutete allerdings nichts darauf hin, dass Frankreich das Halbfinale würde erreichen können.

Das war auch zur Pause so, der Rückstand wuchs dabei weiter an. In einer weiteren Auszeit, der Rückstand war auf 4:8 (23.) angewachsen, sprach Olivier Krumbholz zwar die bisherigen Fehler mit deutlichen Worten an. Doch Serbiens Torfrau Katarina Tomasevic, bei RK Zajecar unter Vertrag, wurde mit Abschlüssen aus der Halbchance weiter aufgebaut, während Frankreichs Torfrauen bisher kein Faktor waren. Zur Pause hieß es daher 10:6 für Serbien. Bei nur 22 Prozent der Würfe der Französinnen hatte der Ball den Weg ins Tor gefunden. Frankreich mangelte es anscheinend massiv an Selbstvertrauen, während Serbien bei der Heim-EM alle Kräfte mobilisierte.

In der zweiten Hälfte wandelte sich das Bild hadernder und zittriger Französinnen gegen konstant gute Serbinnen deutlich. Grund und Auslöser für die Aufholjagd war eine wesentlich höhere Aggressivität der französischen Deckung. Mit Treffern von Siraba Dembele und Raphaelle Tervel eilte die Equipe auf 10:11 heran (37.). Vor allem Camille Ayglon teilte nun hinten aus. Allison Pineau setzte den Ausgleichstreffer und Nina Kanto brachte Frankreich beim 12:11 (40.) in Vorlage. Vor allem Ballgewinne und schnelle Treffer waren das Mittel der Wahl. Serbien benötigte die Auszeit um den Schalter nach diesem 1:6-Lauf wieder umzulegen und sich das Spiel nicht noch abnehmen zu lassen.

Die Unterbrechung wirkte, Frankreichs Ansturm flaute ab. Frankreich konnte auch in der Folge serbische Unsicherheiten mit dem Ball zu leichten Treffern nutzen, doch Serbien setzte immer wieder nach und erhielt den Spannungsbogen aufrecht. Außerdem hatte Frankreich immer wieder Pech, so etwa Allison Pineau, deren tödlicher Pass auf Blandine Dancette rechtsaußen wegen Foulspiels abgepfiffen wurde. Das Team von Olivier Krumbholz transportierte die nun sichtbare Überlegenheit daher bis in die Schlussphase nicht auf die Anzeigetafeln der Beogradska Arena.

So hieß es fünf Minuten vor Schluss 17:17 Unentschieden. Die Spannung war zum Greifen und wirkte sich in technischen Fehlern beider Teams aus. Dreieinhalb Minuten vor Schluss gelang Serbien der abermalige Führungstreffer, hinten parierte Tomasevic. Frankreich konnte Serbien nochmals ins passive Spiel zwingen, dann schritt Olivier Krumbholz zur Auszeit. Lacrabere und Kanto sorgten für einen Strafwurf, doch Baudouin brachte den Ball laut Schiedsrichterentscheid nicht hinter die Linie des serbischen Tors. Nun, siebzig Sekunden vor Schluss war es am Gastgeber, die grüne Karte zu legen und die letzten Angriffe zu besprechen. Serbien stand vor der Sensation.

Serbien gewann das Spiel. Frankreich eroberte zwar noch zweimal den Ball, Ayglon und Tervel scheiterten aber an Tomasevic. Die Chance zur Qualifikation für das Halbfinale war da gewesen für die Französinnen, die am Ende aber an den eigenen Nerven scheiterten. Mit einem 18:17-Erfolg zieht Gastgeber Serbien ins Halbfinale ein und tritt übermorgen gegen Serien-Europameister Norwegen an, während Frankreich nur noch die Chance auf Rang sieben hat. "Wir haben vor dem gegnerischen Tor zu langsam gespielt und hatten eine schlechte Wurfausbeute. Wir haben nicht von unserer Deckungsarbeit profitiert", haderte Olivier Krumbholz in einer ersten Stellungnahme bei Sport+.