07.12.2012 21:41 Uhr - Europameisterschaft - cie, dpa

Schülke rettet das DHB-Team - 17:16 über Kroatien bringt die Hauptrunde

Das DHB-Team feiert Matchwinnerin Katja SchülkeDas DHB-Team feiert Matchwinnerin Katja Schülke
Quelle: Michael Heuberger
Am Ende war es eine Szene. Nach der ungarischen Schützenhilfe reichte ein Sieg mit einem Tor gegen Kroatien für den Einzug in die Hauptrunde und auf dem Weg zu eben diesem war das deutsche Team, als Heine Jensen 45 Sekunden vor dem Ende seine Auszeit nahm. Doch der Angriff wurde zu früh abgeschlossen, Kroatien kam in Ballbesitz und startete in den Gegenstoß. Ein Unentschieden hätte das Aus bedeutet, doch Katja Schülke - zuvor bereits mit 50 Prozent abgewehrter Bälle gemeinsam mit der Deckung die Lebensversicherung der deutschen Auswahl - wurde endgültig zur Matchwinnerin. Mit einer Glanztat entschärfte sie den Wurf und ließ das DHB-Team über den Einzug in die Hauptrunde jubeln.

Die erste positive Nachricht hatte es bereits vor dem Anwurf gegeben, Ungarn hatte der deutschen Auswahl Schützenhilfe geleistet. Dank des ungarischen Erfolgs über Spanien war ein Dreiervergleich nicht mehr möglich und so benötigte das DHB-Team keine drei Tore Abstand gegen Kroatien - ein Sieg mit einem Tor würde das Weiterkommen bedeuten. Die Ausgangslage war klar, ein Unentschieden oder eine Niederlage würde nach den zwei Niederlagen zuvor die Abreise von der EM bedeuten.

Die Auswahl von Heine Jensen begann in der Deckung konzentriert und zunächst auch druckvoll in der Offensive. Immer wieder wurde konsequent auf die Lücke gestoßen, zweimal konnte Kerstin Wohlbold dabei nur auf Kosten eines Strafwurfs gestoppt werden. Den ersten verwandelte Marlene Zapf, den zweiten setzte die Außenspielerin allerdings an die Latte. Auf der Gegenseite konnte Zebic so ausgleichen - in der sechsten Minute und zwar ebenfalls per Strafwurf. Das Duell von der Siebenmeterlinie ging weiter: Zapf schritt trotz des Fehlwurfs zuvor wieder an und traf, Zebic sorgte mit einem Heber für das 2:2.

Als der erste Treffer aus dem Spiel herausfiel, da waren bereits dreizehn Minuten gespielt. Wieder war ein Durchbruch von Kerstin Wohlbold dafür verantwortlich, es war das 3:2. Auf beiden Seiten dominierten, das zeigte alleine der Spielstand, unterdessen die Deckungsreihen. Mit viel Aufwand verschoben die Abwehrreihen, traten aggressiv heraus und bremsten immer wieder erfolgreich den gegnerischen Angriff heraus. Bei Deutschland sorgte zudem Katja Schülke noch für ein Plus zwischen den Pfosten, doch dafür unterliefen der deutschen Auswahl nun in der Offensive immer wieder vermeidbare Fehler.

Auf den Distanztreffer von Anne Hubinger zum 4:3 folgte so erneut eine Durststrecke, wie sie in den beiden Spielen zuvor der deutschen Auswahl zum Verhängnis geworden war. Der Schaden der Flaute in der Offensive hielt sich aber dank der überragenden Deckungsarbeit in Grenzen. Mit etwas Glück und dank einer Übazhl konnte Kroatien allerdings die Führung übernehmen und Zebic sorgte mit ihrem fünften Treffer gar für das 4:6. Doch Deutschland kämpfte sich über die Deckungsarbeit aus der Krise heraus, ein Steal von Althaus blieb allerdings ungenutzt - der Gegenstoß von Augsburg landete am Pfosten.

Kroatien schlug kein Kapital aus den zahlreichen deutschen Fehlern in dieser Phase und so beendete die eingewechselte Saskia Lang nicht nur die Durststrecke, sondern setzte zugleich den Anschlusstreffer. Dieser befreite, der nächste Ballgewinn wurde von Nadgornaja zum 6:6 genutzt und die Rückraumspielerin legte auch noch das 7:6 nach. In zwei Minuten hatte die deutsche Auswahl fast so viele Treffer erzielt, wie in den über zwanzig Minuten zuvor. Nach ener Auszeit setzte Kroatien den Ausgleich, doch dank eines weiteren Nadgornaja-Treffers nam das DHB-Team ein 8:7 mit in die Kabinen.

Im zweiten Abschnitt sollte sich wenig am Spiel ändern, die Deckungsreihen bestimmten das Spiel auf beiden Seiten. Lang konnte die deutsche Auswahl beim 9:7 zwar mit zwei Toren in Folge bringen, doch als sich kurzzeitig einige Nachlässigkeiten in der deutschen Defensive einschlichen, zeigten Petkovic und Elez ihre Klasse und glichen aus. Durch einen Gegenstoß geriet das DHB-Team sogar wieder in Rückstand, doch mit Leidenschaft und Einsatz hielt die deutsche Auswahl dagegegn. Spielerische Glanzlichter gab es selten, dafür aber einen sehenswerten Aufsetzer von Augsburg zum Ausgleich. Die Leipzigerin legte im Gegenstoß auch noch den Führungstreffer nach.

Dass nicht nur auf der deutschen Auswahl sondern auch der kroatischen entsprechender Druck lastete, war nicht zu übersehen. Auch bei den Kroatinnen war das Spiel in der Offensive mit Fehlern behaftet, auch ihnen fehlte die Durchschlagskraft im Angriff. Als Deutschland durch Augsburg und Althaus auf 14:12 davonzog, schien sich das Team von Heine Jensen aber als erstes von dieser Last befreien zu können. Im nächsten Angriff gab es einen Einläufer von Augsburg, der das 15:12 brachte. Neun Minuten vor dem Ende, schien die deutsche Auswahl die Partie in den Griff zu bekommen. Zumal der Abstand auch noch beim 16:13 durch Wohlbold Bestand hatte.

Aber Kroatien gab sich nicht auf und kämpfte sich durch Covic und Jezic wieder heran. Der deutschen Auswahl unterliefen vermeidbare Ballverluste, es gab Fehlwürfe - Heine Jensen nahm seine Auszeit. Und es schien, als wenn diesmal die Nerven beim DHB-Team halten würde. Althaus wurde freigespielt und die erfahrene Kreisläuferin nutzte die Chance zum 17:15. Drei Minuten waren noch zu spielen, Kroatien gelang der Anschluß, doch eine Parade von Schülke und ein Offensivfoul der Kroatinnen ebneten den Weg für das deutsche Team.

Gut neunzig Sekunden vor dem Ende war das deutsche Team wieder im Ballbesitz, die Zeit lief für die deutsche Auswahl und kurz bevor die Schiedsrichter den Arm hoben, nahm Jensen seine letzte Auszeit. Noch 45 Sekunden standen auf der Uhr und diese verrannen danach weiter, doch dann nahm sich die deutsche Auswahl zehn Sekunden vor dem Ende den Wurf - und scheiterte. Kroatien brach in den Gegenstoß auf - ein Unentschieden würde das Aus für Deutschland bedeuten. Peraica kam unbedrängt zum Abschluss, doch Schülke hatte das angebotene Eck dicht gemacht. Mit einer Glanztat verhinderte sie den Einschlag im Winkel und sicherte dem deutschen Team den Erfolg.

"Endlich wollte der Ball in unsere Richtung. Für die harte Arbeit sind wir endlich belohnt worden, obwohl wir immer noch nicht die gewünschte Chancenquote hatten. Wir haben gekämpft über sechzig Minuten", stellte Bundestrainer Heine Jensen fest und lobte Torhüterin Schülke: "Die letzte Parade von Katja Schülke war so wichtig. Jetzt haben wir drei neue Spiele, das ist sehr wichtig für die weitere Entwicklung der Mannschaft."