07.11.2012 21:25 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine

THC nach Sieg in Oldenburg Tabellenführer, Abbingh verletzt

Lois Abbingh schied mit einer Knieverletzung ausLois Abbingh schied mit einer Knieverletzung aus
Quelle: Hermann Jack
Zwischen zwei extrem wichtigen Spielen in der Champions League hat der Thüringer HC in der Handball-Bundesliga mit einem Sieg bei Pokalsieger VfL Oldenburg ein Zeichen gesetzt: Am heutigen Mittwochabend siegte der deutsche Meister in einem umkämpften und in der zweiten Halbzeit sehr hart geführten Spiel mit 29:25 (18:15). Erst am vergangenen Sonntag waren die Thüringerinnen nach einer schweren 15:23-Niederlage bei Königsklassen-Titelverteidiger Buducnost Podgorica (Montenegro) nach Hause geflogen. Schon am kommenden Sonntag will das Team von Trainer Herbert Müller bei Viborg HK in Dänemark gewinnen und damit seine Chance auf das Erreichen der nächsten Runde wahren.

Der THC reiste ohne Nadja Nadgornaja an. Die 24-jährige Halblinke konnte schon in Podgorica kaum spielen und fällt laut Müller mit einem Muskelfaserriss wochenlang aus. Beim VfL kann bekanntlich Rabea Neßlage wegen eines Kreuzbandrisses lange nicht mehr mitwirken. In der heutigen Partie zog sich Lois Abbingh eine Verletzung am Knie zu, die sich als schwerwiegend herausstellen könnte. Die Oldenburger Halblinke wurde in der 47. Minute vom Spielfeld getragen. „Ich wollte antäuschen und bin dann hängengeblieben“, sagte Abbingh. „Es hat geknackt.“

Beide Mannschaften zeigten zunächst ein faszinierendes, temporeiches Spiel, beide agierten enorm zielstrebig. Vor allem galt das für den VfL, der seine Angriffe noch schneller als Gast THC abschloss und dabei höchst erfolgreich war. Von neun Angriffen bis zur ersten Auszeit Müllers in der zehnten Minute gaben die Oldenburgerinnen nur zwei ab: 7:5. „Wir haben bis dahin kaum ein Foul produziert“, sagte Müller später. VfL-Trainer Leszek Krowicki sah sich gezwungen, acht Minuten später das Spiel zu unterbrechen. Oldenburg begann, Angriffe abzuschenken. Thüringen, das für Torfrau Maike März Katarina Tomasevic brachte, glich zum 10:10 aus.

Der Wechsel im Tor war aber erstmal nicht ausschlaggebend dafür, das nach der Auszeit der deutsche Meister die Oberhand gewinnen sollte. Oldenburg fehlte eine Zeitlang die Durchschlagskraft, konnte seine Erfolgsquote nicht mehr halten und blieb fünf Minuten ohne Tor (10:13/22.). Laura van der Heijden, in sehr guter Form heute, brachte ihr Team auf 11:13 (23.) und in der gleichen Minute per Flachwurf auf 12:14 (23.) heran.

Der THC beantwortete jetzt fast jede gelungene Aktion der Gastgeberinnen. Ana Gros tat sich hervor, sorgte für einfache Tore aus dem Rückraum. Beim VfL klappte wieder mehr, so etwa als Kim Birke einlief und vom Kreis das 25:27 markierte. Doch per schneller Mitte stellte die ehemalige Oldenburgerin Lydia Jakubisova den Abstand wieder her.

Auch die ersten Minuten der zweiten Hälfte gehörten den Gästen. Oldenburg spielte zu viel Risiko, über fünf Minuten blieb der VfL ohne Tor. Der starken Sabrina Neuendorf gelang per Schlagwurf das 16:19 (36.), doch eine Besserung trat noch nicht ein. Bis zu Danick Snelders 24:18 (46.) zog der Favorit davon.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich der Charakter der Partie, das Verhalten der Zuschauer und auch der Spielerinnen verändert. Aus einer harten Begegnung wurde eine sehr harte. Nach ihrem Tor zum 16:19 war Neuendorf mit Kerstin Wohlbold zusammengestoßen. Wohlbold, ja die gesamte THC-Mannschaft, wurde von nun an gnadenlos von den 1295 Zuschauern ausgepfiffen. Die Härte forderte Opfer: Julia Wenzl lag insgesamt dreimal auf der Platte, bei Sabrina Neuendorf musste im Gesicht ein Riss getackert werden, dann erwischte es Abbingh.

Nicht mehr dabei seit der 41. Minute war Anja Althaus, die zusammen mit Kerstin Wohlbold Abbingh bei einem Durchbruchversuch in die Zange genommen hatte und für einen Check die Rote Karte (Disqualifikation) sah. Die Zuschauer pfiffen empört. Krowicki relativierte die Aktion auf der anschließenden Pressekonferenz: „Das ist die Härte, die sie gewohnt ist. Anja ist eine Sportlerin, eine Kämpferin. Verletzen will sie niemanden.“ Althaus selber sagte: „Vielleicht sind wir durch die Champions League eine andere Härte gewohnt. Podgorica jedenfalls war härter.“ Die Rote Karte fand sie überzogen. „Eine Zeitstrafe wäre okay.“ Fünf Zeitstrafen sammelten die Gäste zusätzlich.

Oldenburgs Ausbeute in den Überzahlsituationen war zwar nicht gut, mit dem Publikum im Rücken richtete sich das angeschlagene Team dennoch auf, stand jetzt sicherer in der Abwehr und kam endlich ins Tempospiel. Vier Tore in zweieinhalb Minuten bedeuteten das 22:24 (49.). Oldenburg war wieder dran und hätte per Strafwurf den Anschluss herstellen können, doch Neuendorf traf nur die Latte. Es war ein wenig bezeichnend für eine sich in der zweiten Hälfte handballerisch nicht mehr auf gutem Niveau bewegende Partie, dass ein leicht verunglückt wirkender Aufsetzer von Petra Popluharova für das 25:22 (55.) und letztlich die Entscheidung sorgte. Es war auch bezeichnend für den Einsatz, den der VfL auf der Platte zeigt und die Stimmung, die im Arena-Rund geherrscht hatte, dass die Zuschauer dem Heimteam trotz einer deutlichen und verdienten Niederlage am Ende stehende Ovationen zollten.

„Der THC hat verdient gewonnen. Unsere Gegner haben länger besser gespielt als wir“, sagte Krowicki. Müller war froh, dass „wir das von der Kraft her durchgestanden haben. Ich wünsche jetzt, dass mit Lois alles in Ordnung ist.“ Für den VfL steht am 17. November (19.30 Uhr) bei der HSG Blomberg-Lippe das letzte Bundesligaspiel vor der Pause wegen der EM in Serbien bis kurz nach Weihnachten an. Die Bundesligapause des THC hat schon heute begonnen, allerdings warten noch die beiden Spiele in der Champions League: am Sonntag (17 Uhr) bei Viborg HK, eine Woche später ist am 18. November um 15 Uhr der russische Vertreter Zvezda Zvenigorod zu Gast.

Stimmen nach dem Spiel:

Lydia Jakubisova (THC): Für uns läuft es im Moment gut und wir haben heute auch verdient gewonnen. Die Belastung ist enorm und am Wochenende in Podgorica ging es noch deutlich härter zu.

Wiebke Kethorn (VfL): Es war ein körperlich hartes Spiel und wir konnten da nicht ganz mithalten. Das ist international aber gefordert und wir werden uns bemühen auch hier weiter zu kommen. Dank an alle Zuschauer in der Halle, die voll hinter uns standen. Wir hoffen sehr, dass Lois Abbinghs Verletzung nicht schwer ist.