29.10.2012 12:18 Uhr - Champions League - Anne Kunze, dpa

Woltering: Vom aufbrausenden Talent zum gereiften Handball-Star

Clara Woltering im Dress von PodgoricaClara Woltering im Dress von Podgorica
Quelle: Katja Boll
Seit ihrem Wechsel vor anderthalb Jahren zum europäischen Spitzenverein Buducnost Podgorica hat Handball-Nationaltorhüterin Woltering nicht nur den Champions-League-Titel gewonnen und ist in Montenegro zum Star aufgestiegen. Ein großer Erfolg ist auch ihr innerer Reifeprozess. "In dieser Hinsicht bin ich viel gefestigter geworden", blickt sie beispielsweise auf ihren Umgang mit der Niederlage beim Thüringer HC.

Verärgert, aber dennoch gefasst steht Clara Woltering im Handball-Tor. Ihre Mannschaft, Champions-League-Titelverteidiger Buducnost Podgorica, liegt gegen den Thüringer HC nach zehn Minuten mit 1:6 zurück. Am Ende verliert der Favorit am Sonntag gar mit 20:24. "Früher hätte ich mich in dieser Situation verrückt gemacht", erklärt die deutsche Nationalkeeperin, die bekannt war für ihre aufbrausende Mentalität. "Mittlerweile jedoch macht mir das nichts mehr aus. In dieser Hinsicht bin ich viel gefestigter geworden."

Ein Kopfmensch ist die gelernte Landwirtin immer noch - jedoch im positiven Sinne. Wenn die 29 Jahre alte Profihandballerin etwas Entscheidendes bei der Weltklassemannschaft gelernt hat, dann, dass "die Champions League im Kopf entschieden wird", erklärt sie. Der Schritt, vor anderthalb Jahren von Leverkusen nach Podgorica zu wechseln und damit eine völlig andere Handball-Mentalität kennenzulernen, "war für mich also definitiv eine Bereicherung".

Trotz inneren Reifeprozesses war der Wechsel ein großer Umbruch. Allein das Torhüter-Training ist eine Herausforderung, das Stellungsspiel ein ganz anderes. "Ob es besser ist, sei dahingestellt", sagt Woltering, die in Leverkusen von Andreas Thiel trainiert wurde. Weil die Spielerinnen jedoch individuell bedeutend stärker sind als in Deutschland, könne sie das nur weiterbringen.

Anfangs hat sie gegen Ausnahme-Handballerinnen wie Bojana Popovic keinen Stich gesehen. "Da habe ich nur gedacht, geh zurück nach Deutschland, das ist eine Nummer zu hoch für dich." Mittlerweile hat sie das spielerische Niveau angenommen, ist in Montenegro ein gefeierter Sportstar und wurde zum Mannschaftskapitän ernannt. "Die Leute sprechen mich auf der Straße an, wissen über jedes Spiel bescheid. Das ist schon ein anderes Gefühl - auch wenn ich das nicht immer haben muss."

Obwohl in Montenegro ein gefeierter Star, ist sie im Herzen leidenschaftliche Landwirtin geblieben. Bereits seit Jahren steht fest: Sie wird den Familienbetrieb im münsterländischen Coesfeld übernehmen. Der genaue Zeitpunkt ist noch ungewiss. Dennoch gibt es bereits jetzt Wechselgerüchte. Woltering: "Ich lasse es ruhig angehen, habe noch keinen konkreten Plan."