14.10.2012 21:59 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg / red

Kantersieg gegen Metzingen: VfL Oldenburg rennt auf Platz zwei

Sieg mit dem VfL: Kim BirkeSieg mit dem VfL: Kim Birke
Quelle: Hermann Jack
Eine Sekunde vor der Schlusssirene parierte Tess Wester noch einen letzten gegnerischen Wurf. Längst kein entscheidender mehr, und dennoch freute sich die Torhüterin des Handball-Bundesligisten VfL Oldenburg fast so wie über eine dadurch gewonnene Partie. Die Szene ganz am Schluss eines tollen und fairen Erstligaspiels ohne eine Zeitstrafe zeigte: Die Oldenburgerinnen hatten mächtig Spaß beim 37:27 (20:14)-Sieg am Sonntag gegen den TuS Metzingen. Mit nunmehr 12:0 Punkten kletterte der VfL nun wieder auf den zweiten Platz. Vor ihm rangiert nur noch der Buxtehuder SV (14:0).

1020 Zuschauer in der Oldenburger EWE Arena sahen einen spektakulären Auftritt des DHB-Pokalsiegers und bejubelten eine Vielzahl an Aktionen, die jede für sich genommen schon ihr Eintrittsgeld wert gewesen wären. So etwa das 30:21 (44.) durch Kim Birke von der linken Seiten, die einen No-Look-Pass, den Lois Abbingh von der mittleren Position gegen die Laufrichtung nach außen passte, im Sprung annahm und vorbei an Sabine Stockhorst ins lange Eck verwandelte.

r Birkes Kempa-Treffer musste sich der VfL gegen einen Aufsteiger erwehren, der sich deutlich besser und variabler präsentierte, als alle anderen drei VfL-Heimspielgegner in dieser Saison. Metzingen musste zwar auf seine Halblinke und Haupttorschützin Annamaria Ilyes (Zerrung in der Wade) verzichten, das von Oldenburgs Coach Leszek Krowicki gefürchtete TuS-Spiel mit Kreisläuferin Barbara Balogh und auch die Durchschlagskraft aus der zweiten Reihe waren aber vorhanden. Die gute Linksaußen Ina Großmann verwertete nach 35 Sekunden einen von mehreren erfolgreichen langen Pässen der ebenso guten Torfrau Sabine Stockhorst zum 1:0 und wurde bei ihrem Treffer vom Kreis zum 2:1 (5.) listig von Nastja Antonewitch bedient. Antonewitch selber besorgte mit einem Rückraumwurf das 4:3 (7.), Großmann per Konter das 5:4 (8.). Der TuS, der als Zweitligist vergangene Saison in Oldenburg im Pokal-Viertelfinale nur knapp mit 31:33 verloren hatte, präsentierte sich wieder als ernst zu nehmender Gegner.

Auch in der Folge machte Metzingen wann immer es möglich war Tempo und spielte auch taktisch klug. „Wir haben versucht, unsere Angriffe lang auszuspielen. Das haben wir auch einige Zeit hingekriegt“, sagte Metzingens Trainerin Edina Rott später. Nach dem 5:5 lag der VfL zwar ständig vorne, knapp 25 Minuten aber war die Partie richtig eng. Bei 6:7 (12.), 7:8 (15.), 9:10 (19.), 11:12 (22.) und 12:13 (25.) fehlte den Gästen nur ein Tor zum Ausgleich. In der vierten Minute (Balogh) und 15. (Julia Smideliusz) verwarfen die Gäste sogar Strafwürfe. Beide parierte Julia Renner, wie auf der anderen Seite Stockhorst ein starker Rückhalt ihrer Mannschaft. „Bis unser Gegner endlich geschwächelt hat, dauerte es lange“, sagte Krowicki: „Metzingen hat immer versucht, uns unter Druck zu setzen.“

Nach Baloghs 12:13 endete der Druck, machte Metzingen einige „Fehler ohne Einwirkung des Gegners“ (Rott) und Oldenburg kam zu vier Toren in zweieinhalb Minuten. „Diese Unkonzentriertheiten haben uns das Genick gebrochen“, sagte Stockhorst und danach „sind wir nur noch hinterher gerannt“, ergänzte Rott. Während Metzingen ins Straucheln geriet, ließ Oldenburg in seinem Tempospiel nicht ab. Wie aus einem Guss präsentierten sich die einzelnen Mannschaftsteile, aus denen die beiden Nationalspielerinnen Kim Birke (Linksaußen, sieben Tore) und Maike Schirmer (Rechtsaußen, neun Tore, kein Fehlwurf) in ihren rund 40 Minuten Spielzeit noch herausstachen.

Beide überzeugten auch in der Abwehr, obwohl die Oldenburger Defensive auch mäßige Phasen hatte. Krowicki hatte hinten nach bereits zwölf Minuten in einer ersten Auszeit Korrekturen vornehmen müssen. „Aber ich habe ihnen auch gesagt, dass sie vorne so weiterspielen sollen. Die Mannschaft sollte unbedingt weiter an ihren Spielaufbau glauben.“

Sie tat es, sie kombinierte weiter blitzschnell, machte nach Ballgewinnen erbarmungslos Tempo und hatte auch die besonderen Momente auf ihrer Seite: Etwa als Wiebke Kethorn zum 6:5 den von der Latte abgetropften Ball ins Tor faustete, oder bei Schirmers oder Birkes Hebern über Stockhorst, die vor Oldenburgs 13:11 gerade zweimal stark gehalten hatte, ehe die VfL-Linksaußen sie narrte. Auch Kethorn überwand Stockhorst auf diese Weise (24:16/34.).

Nach der Pause hatte der VfL genau da weitergemacht, wo er vor dem Seitenwechsel aufgehört hatte. Schirmer und Kethorn erhöhten auf 22:14 (32.), Birke zur ersten Neun-Tore-Führung auf 29:20 (42.) – wieder per Heber. Metzingen gab sich nicht auf, doch beim VfL gelangen auch den eingewechselten Jenny Winter (35:26/56.), Thalke Bitter (36:27/58.) und Barbara Hetmanek zum Endstand nach 58 Minuten und 14 Sekunden Tore. Für Hetmanek war es nach ihrem Mittelhandbruch zum Ende der Vorbereitung der erste Einsatz in dieser Saison. In der 41. Minute war sie in die Partie gekommen. Vor ihrem Tor bediente sie Neuendorf mit einem Pass wie ein Strich fast von der Mittellinie zum Kreis. „Es macht riesigen Spaߓ, sagte die Saison-Debütantin, „und es fühlt sich deutlich besser an, auf dem Spielfeld zu schwitzen als nur im Training“.

Auf beide Mannschaften kommen am nächsten Samstag (20.10.) richtungsweisende Spiele zu: Metzingen erwartet im Kampf um den Klassenerhalt um 19 Uhr die Vulkan-Ladies Koblenz/Weibern, Oldenburg tritt um 15 Uhr beim Meisterschaftsanwärter HC Leipzig an. „Wir haben in den vergangenen Jahren schon große Spiele gegen Leipzig gewonnen“, sagte Krowicki. „So wie sich diese Mannschaft momentan präsentiert, werden wir auch am Samstag ein gutes Spiel zeigen können.“