14.10.2012 17:33 Uhr - 1. Bundesliga - fcb

Göppingen kämpft Leverkusen nieder und feiert zweiten Heimsieg

Wichtige Akzente in der Schlussphase: Jenny Karolius (re.) und Nicole Dinkel Wichtige Akzente in der Schlussphase: Jenny Karolius (re.) und Nicole Dinkel
Quelle: Stephan Weber
750 Zuschauer in der Göppinger EWS Arena sahen bei der Partie zwischen den Frisch Auf Frauen und dem TSV Bayer 04 Leverkusen zwei unterschiedliche Halbzeiten. Matchwinnerin für Göppingen war am Ende Torfrau Julia Schulz, die zwar mit 10/2 Paraden etwas weniger erfolgreich war als Natalie Hagel (12/3) im Gästetor, die aber offenbar die Gästewerferinnen in einem Maße entnervte, dass das Team von Heike Ahlgrimm erst den 12:9-Pausenvorsprung aus der Hand gab und dann noch deutlich mit 18:24 unterlag.

Der Weg zu den nächsten zwei Punkten führte die Göppingerinnen zunächst durch eine Durststrecke. Die Gäste stellten eine gute Deckung und Göppingen entwickelte keine Durchschlagskraft. Auf der Gegenseite verursachten einfache Fehler leichte Einwurfmöglichkeiten für die Rheinländerinnen, die mit Treffern von Naidzinavicius, Zapf und Steinbach ein 3:0 (5.) vorlegten. Leverkusen spielte von Beginn an konzentriert auf, offenbarte aber immer wieder Anfälligkeiten. Diese für sich zu nutzen war Göppingen jedoch in der frühen Phase der Partie nicht in der Lage. Nach den Treffern von Vojtiskova und Karolius zum 2:3-Anschlusstreffer zog Leverkusen daher schnell auf 2:5 (10.) weg.

So war die Mannschaft von Aleksandar Knezevic von Beginn an in der Rolle des Jägers, stellte zwar auch jetzt wieder schnell den Anschluss zum 4:5 (12.) her, kam jedoch nicht vollends auf Augenhöhe. Immer wenn es gelang, Leverkusen ins passive Spiel zu drängen, schafften die Gäste mit viel Geduld trotzdem den nächsten Treffer, so Laura Steinbach beim 5:7 (15.) per Strafwurf. Auch eine Überzahl mit vorgezogener Deckung gegen Laura Steinbach gereichte den Frisch Auf Frauen nicht zum Vorteil: Angela Dolder scheiterte an Natalie Hagel im TSV-Tor, auf der anderen Seite stellte kurz darauf Kim Naidzinavicius mit einem Doppelschlag auf 6:9 (18.). Abermals waren es drei Tore Unterschied.

Kurz darauf schien dann der Wendepunkt gekommen: Maike Daniels und Beate Scheffknecht führten die Schwäbinnen zum 9:9-Ausgleich (25.), während Leverkusen sechs Minuten ohne Treffer blieb. Auch eine Auszeit von Heike Ahlgrimm bewirkte vermeintlich nichts zugunsten der Gäste. Technische Fehler Göppingens brachten die Rheinländerinnen dann aber zurück ins Spiel: Kim Naidzinavicius, Steinbach und Hilster ließen die Treffer zum 12:9 (28.) folgen. Natalie Hagel, die in der ersten Hälfte mit sieben Paraden glänzte, machte derweil hinten dicht machte ließ keinen Gegentreffer mehr zuließ. Gleichwohl gelang den Gästen vor dem Pausenpfiff kein Treffer mehr. Der finale Freiwurf von Naidzinavicius prallte vom Pfosten ins Seitenaus.

So blieb aus Göppinger Sicht zumindest ein Déjà-Vu des Spiels gegen Bad Wildungen erspart, zufrieden konnten die Gastgeberinnen aber bisher nicht sein. Offenbar konnte Aleksandar Knezevic sein Team dann in der Kabine wecken: Göppingens Torfrau Julia Schulz wuchs nun über sich hinaus, ihre Vorderleute konnten sich jedoch zunächst nicht auf die Spielleitung einstellen und mussten mehrmals in Unterzahl spielen. Göppingen ließ sich davon nicht aus der Spur bringen und zog sich an der emotionalisierten Atmosphäre in der Arena aus dem Tief. "Das war schon top", kommentierte Karin Weigelt. Treffer von Daniels, Weigelt, Dinkel und Kiedrowski zur 14:13-Führung (42.) zwangen Gästetrainerin Heike Ahlgrimm zur Auszeit. Ihr Team kam nur noch zu Halbchancen.

Plötzlich schien alles gegen Leverkusen zu laufen: Göppingen zeigte jetzt mit Schulz im Tor eine starke Teamleistung. Vojtiskova, Karolius, Weigelt und Daniels erhöhten schnell auf 19:15 (49.). Die Gäste waren noch längst nicht besiegt und gaben weiterhin keinen Ball verloren. Bei Göppingen stand derweil jetzt die kritische Schlussphase an, in der es gegen die Mannschaften aus dem oberen Tabellendrittel immer den Knacks gegeben hatte. Doch heute war alles anders: Hagel parierte zwar gegen Dinkel und Daniels zwei Matchbälle in Form von Strafwürfen, doch als die Ex-Leverkusenerin Karin Weigelt auf 22:18 (58.) stellte, war das Spiel vorzeitig zugunsten Göppingens entschieden.

"Unsere zweite Halbzeit war überragend, vor allem von Julia Schulz. Sie hat schwere Bälle weggenommen", freute sich FAG-Trainer und -Verantwortlicher Aleksandar Knezevic über den Erfolg und dankte dem Publikum: "Ein großes Lob an das Publikum, das immer hinter und gestanden ist." Heike Ahlgrimm war entsprechend unzufrieden: "In der zweiten Halbzeit sind wir mental eingebrochen, haben undiszipliniert gespielt und zu schnell und undiszipliniert abgeschlossen. Wir wollten hier gewinnen, haben aber nur in der ersten Halbzeit das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten." Zeit zum Durchatmen bleibt indes kaum: Göppingen spielt am Samstag in Trier, Leverkusen empfängt am Sonntag Bad Wildungen.