07.08.2012 23:21 Uhr - Olympische Spiele - Christian Stein - handball-world.com

Montenegro gewinnt Krimi gegen Frankreich erst nach Schlusspfiff

Katarina Bulatovic nach dem verwandelten SiebenmeterKatarina Bulatovic nach dem verwandelten Siebenmeter
Quelle: Michael Heuberger
Am Ende von 60 packenden Minuten war es der entscheidende Showdown. Katarina Bulatovic im Siebenmeterduell gegen Amandine Leynaud. Am Ende Tränen auf beiden Seiten, bei Montenegros Bojana Popovic, wie Bulatovic am Ende sechsmal erfolgreich, vor Freude über den Halbfinaleinzug, bei der Equipe Tricolore aus Enttäuschung über das Aus. Im Halbfinale treffen die Montenegrinerinnen nun auf Spanien, das sich zuvor gegen Kroatien durchsetzte.

Beide Mannschaften kannten sich gut, schließlich war man jüngst erst in der Olympiaqualifikation aufeinander getroffen. Von Beginn an entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe, in dem sich Montenegro vor allem auf seine beiden Rückraumshooterinnen Bojana Popovic und Katarina Bulatovic verließ, Frankreich hingegen fünf verschiedene Schützinnen für die ersten fünf Tore verbuchen konnte. Es war jedoch ein packendes Duell, in dem sich zunächst keine Mannschaft absetzen sollte und die Führung mehrfach wechselte.

Als Frankreichs Coach Olivier Krumbholz beim Stand von 8:9 (20.) seine Auszeit nahm, hatte sich noch kein Team mehr als ein Tor Vorsprung zwischenzeitlich erarbeitet. Dabei sollte es auch im weiteren Verlauf der ersten Halbzeit bleiben. Ein einziges Mal, Dragan Adzic hatte just im Angriff zuvor Marina Vukcevic für Sonja Barjaktarovic gebracht, konnte Paule Baudoin einen Gegenstoß zum 13:11 (26.) nutzen. Montenegro konterte jedoch, zweimal parierte Vukcevic, zweimal zeigte sich Rechtsaußen Jovanka Radicevic treffsicher. Und die 18-Jährige Keeperin hielt dann auch das Remis zur Pause fest.

Die Französinnen kamen besser aus den Kabinen, vor allem die Rückraumreihe mit Pineau, Lacrabere und Signate konnte sich auszeichnen und hatte neben der gewohnt starken Amandine Leynaud im Tor Anteil am 17:14-Zwischenstand (37.), dem ersten Drei-Tore-Vorsprung. Dass dies absolut kein Ruhekissen war, sollte sich nur wenig später zeigen. Ein missglücktes Kreisanspiel von Lacrabere, ein von der zurückgekehrten Barjaktarovic gehaltener Pineauwurf und Montenegro hatte die Chance auszugleichen. Doch Leynaud hielt von der Siebenmeterlinie das knappe 19:18 (46.) fest.

Die Spannung war auf dem Höhepunkt, auch Barjaktarovic lief nun zur Höchstform auf und verhinderte die Vorentscheidung. Der Vizeweltmeister schien das Glück erzwingen zu wollen, nach Signates Fehlwurf schnappte sich Kanto den Abpraller zum 20:18 (53.). Doch Montenegro kam zurück, die erfahrene Bojana Popovic musste einmal mehr in der Schlussphase offensiv die Verantwortung übernehmen, schaffte mit einem Doppelpack den Ausgleich zum 21:21 (57.).

Kurz danach sollte der Moment von Sonja Barjaktarovic sein. Youngster Radmila Miljanic hatte sich gerade beim Versuch einen Konter von Siraba Dembele zu unterbinden eine Zeitstrafe eingehandelt und zudem noch einen Strafwurf verursacht. Die Linkshänderin vergrub auf der Bank bereits das Gesicht in ihren Händen, als die Torhüterin den Siebenmeter von Baudoin parierte und auch wenig später gegen Dembele zur Stelle war. Nun war es Katarina Bulatovic, die einmal von Jovanovic in Stellung gebracht zur Führung traf.

Noch einmal Auszeit von Olivier Krumbholz. Auch bei der Equipe Tricolore sollte mit Allison Pineau nun eine erfahrene Kraft Verantwortung übernehmen. Die ehemalige Welthandballerin tankte sich durch die montenegrinische Deckung durch und konnte nur von Knezevic auf Kosten eines Strafwurfs gestoppt werden. 50 Sekunden vor Schluss gelang Lacrabere der Ausgleich und als gerade die Zeitstrafe von Miljanic abgelaufen war, entschloss sich Dragan Adzic dazu den letzten Angriff anzusagen.

Doch wie nah Freud und Leid zusammenliegen können wurde in den letzten Sekunden deutlich. Pineau und Tervel sollten den Pass von Katarina Bulatovic erfolgreich stören, doch es war Bojana Popovic, die am schnellsten nach den Ball hechten konnte. Da Mariama Signate nicht beherzt genug eingriff konnte die Rückraumspielerin noch am Boden liegend noch den Ball auf Majda Mehmedovic passen. Camille Ayglon griff ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit ein und verursachte den finalen Strafwurf. Die Zeit war abgelaufen, Ayglon musste erstmal behandelt werden und musste gestützt das Feld verlassen.

Alles konzentrierte sich nun auf das Duell zwischen Katarina Bulatovic und Amandine Leynaud, in dem die Montenegrinerin zum siegbringenden 23:22 als Sieger hervorging und ihre Freude gleich der Kontrahentin entgegenschrie. Gejubelt wurde allerdings dann am eigenen Wurfkreis, dort hatte Barjaktarovic am eigenen Pfosten hockend den Showdown verfolgt und einsam die Fäuste zum Jubel geballt. Ausgerechnet die im Vorfeld oft als Schwachstelle ausgemachte Torhüterposition, in der das Duo im Saisonverlauf hinter der deutschen Nationalspielerin Clara Woltering nur sporadisch in der Champions League zum Einsatz kam, sollte zum entscheidenden Faktor bei Montenegros historischer Stunde werden.