07.08.2012 19:41 Uhr - Olympische Spiele - Christian Ciemalla - handball-world.com

Korea gewinnt dramatisches Duell gegen Russland

Der Versuch von Lioudmila Postnova wird vor dem Kreis gestoppt - es blieb nur noch ein direkter FreiwurfDer Versuch von Lioudmila Postnova wird vor dem Kreis gestoppt - es blieb nur noch ein direkter Freiwurf
Quelle: Michael Heuberger
Vom ersten Spieltag präsentierte sich Korea in London wieder in Olympiaform und diese stellte das asiatische Team auch im Vergleich mit Russland, Finalist der Spiele 2008 in Peking, unter Beweis. Im Viertelfinale bot Korea einen aufopferungsvollen Kampf, betrieb einen immensen Aufwand und bejubelte am Ende ein dramatisches 24:23. Russland, das in den letzten acht Minuten zwei Strafwürfe vergab, war nur noch ein direkter Freiwurf geblieben, als dieser in der koreanischen Mauer hängenblieb, entlud sich die Anspannung bei den Asiatinnen in grenzenlosen Jubel.

Die Spielzeit war bereits abgelaufen, aber der Sieger des Viertelfinals zwischen Russland und Korea stand noch nicht fest. Beide Teams hatten sich einen beeindruckenden Kampf zweier verschiedener Spielphilosophien geliefert, in dem Korea beim Stand von 24:23 einen Treffer mehr erzielt hatte. Doch Russland blieb ein letzter direkter Freiwurf. Die russischen Fans hofften, dass ihr Team den Größenvorteil ausnutzen und sich in die Verlängerung retten könnte. Victoria Zhilinskayte, 1,90m groß, übernahm die Verantwortung, doch die koreanische Mauer hielt. An den Händen Koreas zerbrachen die Hoffnungen der russischen Auswahl, noch bevor der Ball auf den Boden aufkam aber, startete der koreanische Jubel.

In den sechzig Minuten zuvor hatten die Zuschauer in der Copper Box einen packenden Fight gesehen, auf der einen Seite die russische Durchschlagskraft und auf der anderen Seite die Dynamik der Koreanerinnen. Zunächst legte dabei Russland vor, Korea hatte wie erwartet einige Probleme mit der großgewachsenen 6:0 der Russinnen. Diese kassierten erst in der siebten Minute ihr erstes Gegentor, hatten es aber versäumt sich eine deutlichere Führung herauszuspielen. So konnte Eun Hee Ryu wenig später zum 2:2 ausgleichen und ihrerseits Korea beim 3:2 in der neunten Minute erstmals in Führung werfen.

Russland hatte den Faden verloren, in der Offensive lief sich das Team nun immer wieder in der beweglichen koreanischen Deckung fest. Diese war immer wieder rechtzeitig an den Gegenspielerinnen und störte dies, noch bevor sie zum Wurf ansetzen konnten. Auf der Gegenseite brachte der koreanische Angriff den russischen Riegel nun immer wieder erfolgreich in die Bewegung und fand die Lücken zum Abschluss. Mit einem Gegenstoß baute Sun Hee Woo die Serie der Asiatinnen auf sechs Treffer aus, binnen neun Minuten war aus einem 0:2 ein 6:2 geworden.

Levina beendete die russische Durststrecke, doch Korea blieb zunächst das dominierende Team. Mit hohem Einsatz in Deckung und Angriff behauptete Korea den Vorsprung, beim 11:5 schien sechs Minuten vor der Pause die Begegnung dabei sogar einen wesentlich deutlicheren Verlauf zu nehmen, als erwartet. Doch Russland warf nun seine Erfahrung in die Waagschale und setzte auf die Komponente Kraft. Korea vergab einige Chancen und die Russinnen gingen nun entschlossen auf die Lücken, binnen nicht einmal drei Minuten war die Begegnung wieder offen, Russland hatte auf 11:9 verkürzt. Korea fand aber wieder zurück, hielt dagegen und nahm ein 14:11 mit in die Kabinen.

Im zweiten Abschnitt war auf beiden Seiten spürbar, dass es sich um ein Viertelfinale handelt. Der Einsatz war entsprechend auch, die Nervosität aber auch - zahlreiche Ballverluste waren ein deutliches Indiz. Russland fand als erstes wieder zu seinem Spiel, Levina konnte einen Gegenstoß zum 15:15 verwandeln. Im nächsten Angriff erhielt Bodnieva nicht nur einen Strafwurf zugesprochen, zudem gab es eine Strafzeit gegen Korea. Choi vergab zwar den Siebenmeter, die Überzahl aber nutzte Korea, um sich wieder auf 17:15 abzusetzen. Russland aber hielt den Anschluss und so steuerte die Begegnung der entscheidenden Phase entgegen.

Als Korea das 21:18 durch die starke Gwon gelang, da schien sich das Pendel zu Gunsten der Asiatinnen zu neigen. Korea verteidigte die Führung auch in Unterzahl, doch Korea kassierte eine weitere Unterzahl und einen Strafwurf. Russland konnte aber beide Vorteile nicht nutzen, denn eine Strafzeit gegen den gewohnt lautstarken Evgeni Trefilov auf der Bank egalisierte die numerische Überzahl auf dem Parkett, noch bevor der Strafwurf ausgeführt wurde. Und diesen vergab Bliznova. Russland ließ sich aber nicht entmutigen, ausgerechnet Bliznova traf im nächsten Angriff und sechs Minuten vor dem Ende setzte Postnova den Anschlusstreffer. Damit nicht genug, wieder war es Postnova, die Verantwortung übernahm und zum 22:22 traf.

Die Partie schien sich zu drehen. Doch Korea hielt dem Druck stand. Gwon traf aus der Distanz und brachte ihre Auswahl zurück auf Kurs. Auf der gegenseite verlor Russland den Ball und Korea brachte in seinem Angriff die gegnerische Deckung wieder erfolgreich in Bewegung, so dass Ryu eine Lücke zum 24:22 fand. Trefilov nahm seine Auszeit, seine Mannschaft erarbeitete sich einen Strafwurf. Die erfahrene, aber vor allem in der Deckung eingesetzte, Nadezda Muravyeva schritt zur Linie - ihr erster Strafwurf, und überhaupt erst ihr sechster Wurf, in diesem Turnier. Dieser scheiterte am linken Arm von Hui Ju. Russland gab sich nicht auf, eine offensivere Deckung sorgte für einen Ballgewinn, dem Bliznova das 24:23 folgen ließ. Doch die Zeit lief davon, als der Silbermedaillengewinner von Peking erneut in Ballbesitz kam, da blieben nur noch sieben Sekunden - und am Ende nur noch ein direkter Freiwurf und Trauer über das Aus.