02.05.2012 07:32 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine

Leverkusen: Pudelwohl als Außenseiter ins Duell gegen Meister THC

Der Einsatz von Katrin Engel ist fraglichDer Einsatz von Katrin Engel ist fraglich
Quelle: Mario Gentzel
Die Tränen sind getrocknet, die Enttäuschung weggesteckt - die Handballerinnen von Bayer Leverkusen wollen jetzt in der Meisterschaft für Furore sorgen. Gegen den Thüringer HC, amtierender Titelträger, sind die Rheinländerinnen am heutigen Mittwoch (19.30 Uhr) in der heimischen Smidt ARENA nur Außenseiter, in dieser Rolle fühlt man sich spätestens nach dem Sieg gegen den Buxtehuder SV im Halbfinale des DHB-Pokals aber pudelwohl.

Dass es am Ende nicht der ganz große Coup wurde, hat verschiedene Gründe: zu viele ausgelassene Chancen, das verlorene Torhüter-Duell, fehlende Kraft und eine hochmotivierte Oldenburger Mannschaft. Am Ende holten sich die Niedersachsen mit 35:30 absolut verdient den Pott - nach 1981 und 2009 zum dritten Mal - auf Leverkusener Seite geht der Blick aber trotzdem nach vorne. "Ich bin stolz auf das, was meine Mannschaft geleistet hat. Damit war im Vorfeld nicht zu rechnen", sagte Trainerin Renate Wolf.

Die 54 Jahre alte ehemalige Nationalspielerin, die nach 16 Jahren am Saisonende ihre Trainerkarriere auf der Bank von Bayer beendet, verspürt trotz der verpassten Chance Lust auf weitere Großtaten. "Wir haben bis jetzt eine wirklich ordentliche Saison hinter uns, aber sie ist noch nicht vorbei. Und meine Mannschaft hat gezeigt, was sie leisten kann", so Wolf.

Gegen den amtierenden Titelträger aus Thüringen sind die Elfen im Halbfinale klarer Außenseiter, zu deutlich gingen die Vergleiche in der Hauptrunde an das mit Nationalspielerinnen gespickte Starensemble von Trainer Herbert Müller. Und der Meister hat seine Qualitäten auch in dieser Saison eindrucksvoll unter Beweis gestellt und die Hauptrunde als Erster abgeschlossen. Die Leichtigkeit der vergangenen Spielzeit ist dem Titelverteidiger allerdings abhanden gekommen: Vier Niederlagen in der Hin- und Rückrunde sowie das Aus im Pokal zeigen, der THC hat an Dominanz eingebüßt.

„Wir wollten uns in der deutschen Spitze etablieren, das ist uns schon mit dem Hauptrundensieg gelungen. Mit dem Erreichen des Halbfinales haben wir einen weiteren Zwischenschritt erreicht.“, so Herbert Müller zum Leistungsstand des Teams. Gleichzeitig betonte er, dass wenn die Mannschaft als Tabellenführer in die Play-offs startet, nur die Finalteilnahme und die Verteidigung des Titels das Ziel sein kann.

An Selbstvertrauen mangelt es dem aktuellen Champion, der für die kommende Spielzeit mächtig aufgerüstet hat, aber dennoch nicht: "Ich will um den deutschen Meister spielen", formuliert Müller das klare Ziel. Der 49-Jährige fährt aber dennoch mit einer gehörigen Portion Respekt ins Rheinland, zu schwach war der eigene Auftritt im Viertelfinale gegen die HSG Blomberg-Lippe und zu stark die Leistung der Elfen im DHB-Pokal. "Leverkusen hat mit dem Sieg über Buxtehude ein Ausrufezeichen gesetzt. Sie haben einen phantastischen Ball gespielt. Wir wissen genau, dass wir besser sein müssen und besser sein können, als gegen Blomberg", sagte Müller. „Man hat gesehen, dass die Mannschaft richtig gefährlich ist. Nichts desto trotz ist es ganz wichtig, dass wir uns auf die eigenen Stärken besinnen.“

Katrin Engels Einsatz für den Thüringer HC steht auf der Kippe. Sie hat nach dem Spiel gegen Blomberg mit einem hartnäckigen Grippevirus zu kämpfen. „Wer Katrin kennt, weiß dass sie alles daran setzen wird dabei zu sein. Es wäre wünschenswert, wenn die komplette Mannschaft antreten kann“, gibt Herbert Müller die Hoffnung nicht auf die österreichische Nationalspielerin, die 2010 mit Leverkusen Pokalsieger wurde, an alter Wirkungsstätte einzusetzen. „Ich denke schon, dass alle wissen worum es geht und niemand mehr groß sagen muss was das jetzt für Spiele sein werden die auf uns zukommen. Wer jetzt nicht weiß worum es geht ist falsch bei uns. Alles geht wieder bei null los und es interessiert niemanden was gewesen ist. “, formulierte Nadja Nadgornaja die Motivation der Mannschaft.

Müller und Wolf sind sich indes einig, dass im Halbfinale Kleinigkeiten entscheiden und eine endgültige Entscheidung über Weiterkommen oder Ausscheiden am Samstag (15 Uhr) in Bad Langensalza fällt. Beide Mannschaften wollen sich Mittwochabend eine gute Ausgangsposition verschaffen, die Thüringerinnen gelten als Favorit. Leverkusen will dem Champion Paroli bieten: "Erfurt ist eine Top-Mannschaft und wir müssen, mit allem was wir haben, dagegenhalten. Warum soll uns nicht eine Überraschung gelingen?", sagte Wolf.