25.04.2012 07:35 Uhr - 1. Bundesliga - PM Vereine

Oldenburg mit Kampfansage an Leverkusen

Im Hinspiel nur schwer zu stoppen: Denisa GlankovicovaIm Hinspiel nur schwer zu stoppen: Denisa Glankovicova
Quelle: Heinz Zaunbrecher
Von den vier Playoff-Viertelfinal-Rückspielen am heutigen Mittwoch (ab 19.00 Uhr live bei hbf-video.net) ist das Duell zwischen dem VfL Oldenburg und Bayer Leverkusen das wohl spannendste. Leverkusen ist die einzige Mannschaft, die das Hinspiel am vergangenen Wochenende in eigener Halle gewinnen konnte - mit 26:21. „Die Basis ist da, erreicht aber noch lange nichts“, titeln deshalb die Elfen. In der Hauptrundentabelle lagen beide zudem dicht beieinander; der VfL Vierter, Bayer 04 Fünfter.

"Wir haben uns eine gute Ausgangsposition verschafft, mehr aber auch nicht. Oldenburg ist in der Lage diesen Vorsprung aufzuholen, das haben wir vor wenigen Wochen selber erfahren", sagte Trainerin Renate Wolf. Gemeint hatte die 54 Jahre alte ehemalige Nationalspielerin den 18. März - zur Halbzeit führten die Rheinländerinnen im Hauptrundenspiel noch mit 15:11, am Ende hieß es nach einer desolaten zweiten Hälfte sowie kollektivem Versagen 25:32.

Beim VfL herrscht trotz des Drucks, im Rückspiel einen Sieg mit sechs Toren Differenz zu schaffen, Zuversicht. „Selbst bei einem Pausen-Rückstand sollten wir in der Lage sein, das Spiel noch zu drehen“, sagt beispielsweise Angie Geschke. Die Oldenburger Halblinke kann spielen, verkündete sie gestern. Im Hinspiel hatte sie wegen einer Gesichtsprellung lange aussetzen müssen.

Dennoch ist auch klar: Der VfL agierte - auch weil Leverkusen mit einer aufmerksamen Abwehr und engagiertem Rückzugsverhalten nicht mehr zuließ - im ersten Vergleich unter seinen Möglichkeiten. „Im Angriff zu wenig dynamisch, in der Abwehr zu wenig aggressiv“, urteilten Geschke und Trainer Leszek Krowicki über die Leistung der Oldenburgerinnen. Nur Wiebke Kethorn habe Playoff-Niveau erreicht, sagte Krowicki. Völlig klar: Im Rückspiel muss der VfL an seine Leistungen aus der sehr guten Bundesliga-Rückrunde anknüpfen. Im Kalenderjahr 2012 kam Oldenburg bis zum Hinspiel auf zwölf Pflichtspielsiege bei 14 Spielen. Personell ist alles in Ordnung bei den Gastgeberinnen. Das Training am Montagabend verlief verletzungsfrei. Somit darf der VfL auch auf seine gute Physis setzen, die in dieser Saison schon für manche Aufholjagd in zweiten Halbzeiten sorgte.

Aber im Lager der Elfen geht der Blick nach vorne, der Sieg gegen das beste Team der Rückrunde hat Sicherheit und vor allem Selbstvertrauen gegeben. "Wir fahren nicht nach Oldenburg, um den Vorsprung zu verwalten, das wäre fatal. Das Spiel fängt bei null an und wir wollen ins Halbfinale", erklärte Spielführerin Laura Steinbach. Der deutsche Rekordmeister strebt seit Einführung der Play-offs in der Saison 2005/2006 die sechste Halbfinal-Teilnahme an, in Oldenburg müssen sich die Elfen aber auf einen heißen Fight einstellen.

"Fünf Tore Rückstand sind ein bisschen ’was. Aber eben auch nicht zu viel", sagt beispielsweise Angie Geschke. Geschke wird hochmotiviert in die Partie gehen, schied sie in Leverkusen doch bereits nach acht Minuten mit einer schweren Gesichtsprellung aus und konnte ihrer Mannschaft erst in der Endphase wieder helfen. Und die Nationalspielerin, reine Instinkt- und Straßenhandballerin, kann in entscheidenden Spielen den Unterschied ausmachen. Geschke jedenfalls brennt auf die Begegnung mit den Elfen ("Wir wissen genau, was wir jetzt zu tun haben") und erhält dabei Unterstützung von ihrem Trainer. "Fünf Tore aufzuholen, ist absolut möglich", sagte Leszek Krowicki schon kurz nach dem verlorenen Hinspiel.

Mehr Geduld im Abschluss, mehr Tempohandball, mehr Rezepte gegen den im Hinspiel ganz starken Leverkusener Rückraum mit Denisa Glankovicova, Kim Naidzinavicius und Laura Steinbach, der zweitbesten Hauptrunden-Torschützin - das sind die spielerischen Rezepten, die den VfL zum dritten Mal in Folge ins Playoff-Halbfinale bringen sollen. Die Niedersachsen fahren nach der überraschend deutlichen Niederlage voll nach der Devise "Angriff ist die beste Verteidigung" und bauen zusätzlich auf den achten Mann im Rücken. VfL-Marketingleiter Stefan Eickelmann rechnet zwar noch vorsichtig mit "1600 plus X", doch der Vorverkaufsrekord für diese Saison wurde bereits am Montagabend erreicht. "Wir haben mehr Karten verkauft, als im Vorfeld des Nordderbys gegen Buxtehude - und das war mit 2200 Zuschauern ausverkauft", sagt Eickelmann. "Ich hoffe, dass unsere Zuschauer Bock haben zu brüllen", sagt Geschke.

Leverkusen dagegen will, wie schon im Hinspiel mit taktischer Disziplin und einer stabilen Defensive glänzen. Und sich vor allem auch in kritischen Situationen nicht aus der Ruhe bringen lassen: "Egal ob Rückstand oder nicht, wir müssen unseren Stiefel spielen. Oldenburg wird ohne Gnade anrennen, da müssen wir über 60 Minuten kühlen Kopf bewahren", sagt Kreisläuferin Franziska Garcia Almendaris. Fünf Tore hin oder her, in Oldenburg treffen erneut zwei Teams auf Augenhöhe aufeinander, die sich bei einem Weiterkommen gleich den "Kick" für das Final Four im DHB-Pokal am kommenden Wochenende in Göppingen holen. Dort könnten sich beide Mannschaften in einem möglichen Finale dann erneut gegenüberstehen.