19.04.2006 04:45 Uhr - 2. Bundesliga Süd - ebse

Die „Alte“ vom See sagt heute Ade

Sabine SchillSabine Schill
Quelle: h-sa.de
Sie taugt nicht zum Star, den großen Rummel um ihre Person mag sie auch nicht. Doch dem wird sie sich heute Abend nicht entziehen können: Sabine Schill, die mit 44 Jahren älteste Spielerin der Südliga, feiert Abschied vom „Torfrau-Leben“ und präsentiert sich ein letztes Mal dem Publikum im Kaltbrunner Sportzentrum. Es wird ihr Abend werden, die Begegnung ihres SV Allensbach gegen Zweitliga-Spitzenreiter TuS Weibern (Spielbeginn 20:30 Uhr) gerät wohl zur Nebensache. Die SVA-Verantwortlichen haben sich für die Schill-Gala einiges einfallen lassen, viele Ehrengäste sind angesagt. Allensbach wird seiner schon seit zwanzig Jahren mit der Zwölf auf dem Rücken agierenden Torsteherin ein glanzvolles Karriere-Finale bereiten.

Sabine und Teresa Schill Sabine und Teresa Schill
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Und ganz sicher werden viele Tränen fließen. Wohl auch bei Manfred Lüttin, der Sabine Schill vor zwei Jahrzehnten nach Allensbach gelotst, sie dreizehn Jahre als Trainer und die letzten sieben Jahre als Manager begleitet hat. Ginge es nach ihm, dürfte Schill noch als Fünfzigerin das Allensbacher Tor hüten. Längst hat er ihr einen unbefristeten Rentenvertrag angeboten, denn er weiß „Bei Sabine ist es wie bei einem Premiumrotwein bester Lage und Herkunft: Je älter, desto besser“. In der Tat: Die jung gebliebene Mitvierzigerin, deren meiste Mitspielerinnen ihre Töchter sein könnten, steht im Zenit ihres Könnens. Fitness, Beweglichkeit, Reflexe – da stimmt alles. Woche für Woche glänzt sie immer noch mit formidablen Leistungen. Zum Aufhören besteht eigentlich gar kein Anlass.

Doch die gebürtige Freiburgerin macht nach dreißig Torwartjahren jetzt definitiv Schluss. Als 14-jährige hat sie mit dem Handball begonnen. Weil sie sich damals vor den „Geschossen“ der Anderen am wenigsten fürchtete, wurde sie ins Tor gestellt. Genau zwanzig Spielzeiten für Allensbach - ihre erste davon in der Oberliga, die zweite in der Regionalliga, die nächsten siebzehn in der Zweiten Bundesliga - hat sie auf dem Buckel. 1986 war die Toreverhinderin vom FC Freiburg zum SVA gewechselt und seitdem quält sie sich für den Bodensee-Club nicht nur auf dem Handball-Parkett sondern mindestens dreimal pro Woche zusätzlich noch über derzeit 372 km Straßen-Asphalt. Die einfache Entfernung von ihrem Wohnort Bötzingen (Kaiserstuhl) nach Allensbach beträgt zwar „nur“ 130 km, doch neuerdings fährt sie hin und zurück auf Umwegen, um die Jungkolleginnen Silke Heimburger (in Freiburg) und Kira Eickhoff (in Geisingen) aufzupicken und nach den Spielen und Trainingsabenden dort wieder auszuladen.

Sabine Schill wollte ihre Karriere eigentlich bereits nach der vergangenen Spielrunde beenden. Seit längerem war es ihr nämlich schon fast schon ein wenig peinlich, immer noch dabei zu sein. Doch dann hat sie eine weitere Saison drangehängt. Grund: Die TGS Walldorf, bei der ihre 19-jährige Nichte Teresa auf Rechtsaußen spielt, war in die Zweite Liga aufgestiegen. Und die jetzt möglichen reizvollen Familienduelle Tante gegen Nichte wollte sich die Seniorin dann doch nicht entgehen lassen und schon gar nicht der 25 Jahre jüngeren Teresa vermasseln, zumal diese immer schon davon geträumt hat „einmal gegen Tante Bine zu spielen.“

Die zwei höchst ungewöhnlichen, für beide Schill´s in einmaliger Erinnerung bleibenden Duelle haben die beiden hinter sich, Ende Februar gastierte Walldorf zur Rückrundenpartie in Allensbach. Wehmut blieb danach bei beiden zurück: Bei Tante Sabine, weil es keine Fortsetzung geben wird. Und bei Nichte Teresa, weil sie es in beiden Begegnungen nicht geschafft hat, gegen ihre Torwart-Tante wenigstens einen Treffer zu erzielen.

Nach dem Ende ihres sportlichen Engagements am Bodensee ist für Sabine erst mal Pause vom Handball angesagt. Trotzdem sie beruflich – als kaufmännische Controllerin steht sie auch auf diesem Sektor ihren Mann – künftig noch intensiver gefordert sein wird, bleibt sie ihrem SVA verbunden. Zunächst mit einem Patronat für eine Spielerin; später wird sie vielleicht ein Traineramt im Jugendbereich oder eine andere Aufgabe übernehmen.

Schön, dass die angehende „Pensionärin“ sich nicht ganz vom Handball zurückzieht. Der Zweitliga und ihrem Tabellenneunten SV Allensbach aber wird diese in jeglicher Hinsicht vorbildliche Sportlerpersönlichkeit fortan fehlen. Und Manfred Lüttin muss ein weiteres, diesmal schmerzliches Fazit ziehen: Eine dermaßen leistungswillige, loyale und treue Vorzeigespielerin wie Sabine Schill wird er wohl nie wieder an die Gestade des Schwäbischen Meeres locken können. So gesehen ist die 165 cm kleine Torfrau doch ein Star. Ein stiller zwar, aber ein ganz großer.