19.04.2012 12:08 Uhr - 1. Bundesliga - chs

Mandy Hering über verpassten Abiball, Karriereende und "Nicht-Rücktritt" aus Nationalteam

Die Marke von 1000 Pflichtspieltoren hat Mandy Hering in dieser Saison beim 36:20-Erfolg gegen Frisch Auf Göppingen mit dem Treffer zum zwischenzeitlichen 23:12 überschritten. Zum Ende der Spielzeit kündigt wird die Linksaußen die Handballschuhe an den berühmten Nagel hängen. Handball-world.com-Redakteur Christian Stein sprach vor den Play-offs mit der langjährigen FHC-Spielerin und blickt auf eine beeindruckende Karriere mit Erfolgen in der Bundesliga und der Nationalmannschaft zurück.

Der Frankfurter HC hat die Hauptrunde auf dem sechsten Platz beendet. Wie zufrieden bist du mit dem bisherigen Saisonverlauf?

Mandy Hering:
Wir sind dieses Jahr auf jeden Fall positiver gestartet als die vergangenen Jahre, hatten aber leider trotzdem unsere üblichen Hänger, wie die Niederlagen Trier und Blomberg. Zum Ende hin haben wir uns immer mehr eingespielt und somit in vielen Spielen eine wirklich super Abwehr gezeigt!

In den Play-offs geht es nun gegen den HC Leipzig. Welche Chancen siehst du für den FHC?

Mandy Hering:
Ich bin der Meinung, dass in den Play-offs jeder gewinnen will und dafür alles gibt, somit ist es zum Schluss egal auf wen man trifft! Wir müssen in diesen zwei Spielen über uns hinaus wachsen, um das Halbfinale erreichen zu können. Bei unserem Heimspiel baue ich auf eine volle Halle und dann ist vielleicht alles möglich.

Es könnten die letzten Bundesligaspiele deiner Karriere sein. Wieso hörst du nach dieser Saison auf?

Mandy Hering:
Es gibt dafür mehrere Gründe. Der Hauptgrund ist die Gesundheit! Seit der Knieverletzung vor knapp zwei Jahren, hat sich keine wirkliche Besserung eingestellt. Ich merke immer mehr, dass mir durch die Schmerzen der eigentliche Spaß am Handball verloren geht und ich nicht mehr eine ganze Saison 110 Prozent geben kann. Halbe Sachen sind einfach nicht mein Ding!

Als dann der Traum von einer erneuten Olympiateilnahme platzte, fühlte ich mich natürlich in meiner Entscheidung gestärkt, dass es noch mehr gibt als nur Handball. Ich freue mich jetzt auf das "normale" Leben, wie z. B. geregelte Arbeitszeiten, keine Fernbeziehung mehr, spontan das Wochenende zu verreisen oder einfach mal an einem Freitag zu einer Spätveranstaltung ins Kino zu gehen.

Vor zwölf Jahren hast du mit 16 Jahren erstmals in der Handball Bundesliga Frauen gespielt. Welche Momente - schöne und bittere - sind dir am meisten im Gedächtnis geblieben?

Mandy Hering:
An das erste Spiel in der Brandenburghalle kann ich mich noch genau erinnern, die Aufregung war kaum auszuhalten! Der Pokalsieg 2003 war echt Wahnsinn, obwohl ich dadurch meinen Abi-Ball verpasst habe! Dass wir das folgende Jahr auch noch die Meisterschaft holen konnten, gehört natürlich auch zu den schönsten Momenten. Ein sehr bitterer Moment war letztes Jahr die Viertelfinal-Niederlage gegen Buxtehude, jedoch bin ich der festen Überzeugung, dass wir als Team dadurch stärker geworden sind und daraus gelernt haben für dieses Jahr!

Du warst auch fast ein Jahrzehnt in der Nationalmannschaft.

Mandy Hering:
Was heißt warst?

Es war zu lesen, du seist aus der Nationalmannschaft zurückgetreten.

Mandy Hering:
Nein, das bin ich nicht.

Das heißt, du würdest im Juni in der EM-Qualifikation noch für Deutschland auflaufen, wenn der Bundestrainer anruft?

Mandy Hering:
Diese Frage stellt sich gar nicht, da der Bundestrainer mich nicht anrufen wird! Ich habe bisher ein Telefonat mit ihm geführt und dieses war nicht wirklich erfreulich für mich, aber auch nicht wirklich produktiv. Seit der Nichtnominiering für die WM - aber auch vorher - hat kein einziges Gespräch statt gefunden. Ich kann nur aus meinen Erfahrungen sprechen, aber ich bin der Meinung, dass die Kommunikation untereinander nicht stimmt. Bis heute kenne ich keinen Grund für meine Nichtnominiering! Wie soll eine Spielerin an sich arbeiten und somit auch dem Team weiter helfen, wenn hier nicht miteinander geredet wird?

Welche Momente aus der Laufbahn bei der DHB-Auswahl blieben am meisten in Erinnerung?

Mandy Hering:
Natürlich unantastbar das Spiel um Platz 3. bei der WM 2007, eigentlich die ganze WM. Erstens war es mein erstes großes Turnier, dann lief es auch noch recht gut und dann mit einer Medaille nach Hause kommen, das hätte ich mir nie träumen lassen. Aber natürlich auch Olympia 2008 war ein Highlight, wenn auch leider sportlich nicht ganz so erfolgreich. Dafür habe ich dort privat mein großes Glück (Kanu-Auswahltrainer Felix Michel, Anm. d. Red.) gefunden! Als krönenden Abschluss sehe ich im Nachhinein natürlich das EM-Qualispiel in Frankfurt (Oder) vor einem tollen Publikum. Ich habe aber auch einige Menschen kennen lernen dürfen, mit denen hoffentlich auch in Zukunft die Verbindung bestehen bleibt!

Vielen Dank für das Gespräch.