22.03.2012 19:53 Uhr - Europameisterschaft - Christian Ciemalla

Zu schwache Chancenverwertung - DHB-Team unterliegt in Ungarn

Nadja NadgornajaNadja Nadgornaja
Quelle: Michael Heuberger
Zehn Minuten vor Spielende hatte die deutsche Auswahl nach einem zwischenzeitlichen Sechs-Tore-Rückstand wieder die Führung übernommen, am Ende aber reichte es nicht zu einem Sieg in Ungarn. Auch, weil in der entscheidenden Situation das Glück fehlte: So schien ein Wurf von Augsburg hinter der Linie, der Treffer, der die Zwei-Tore-Führung bedeutet hätte, wurde aber nicht gegeben. Ungarn holte sich mit Hilfe der starken Herr im Tor die Führung zurück und behielt am Ende mit 25:23 (14:10) die Oberhand, auch weil das DHB-Team seine Chancen nicht konsequent genug nutzte. Beste deutsche Werferin war Nadgornaja mit 11/3, Kapitänin Isabell Klein musste unterdessen früh mit einer Knieverletzung ausscheiden.

Vor rund 3.500 Zuschauern in der Halle Fönix sorgte Nadja Nadgornaja (11/3) für den ersten Treffer. Ein Strafwurf und ein Gegenstoß brachten dann zwar Ungarn in Vorlage, doch die deutsche Auswahl zeigte sich in der nervösen Anfangsphase zunächst gleichwertig und überstand auch eine erste Zeitstrafe gegen Natalie Augsburg schadlos. Als Görbicz einen Siebenmeter über das Tor warf, bot sich dem DHB-Team erneut die Chance auf die Führung - die starke Herr im Tor der Ungarinnen verhinderte dies aber. Bis zum 4:4 in der zehnten Minute befand sich Deutschland aber auf Augenhöhe mit den Gastgeberinnen.

Dann aber gab es besorgte Gesichter auf der deutschen Bank, Isabell Klein hatte sich in der Offensive verletzt und konnte in der Folge nicht mehr eingesetzt werden. "Eine genaue Diagnose ist erst in Deutschland mit Hilfe einer MRT-Untersuchung möglich", erklärte Mannschaftsarzt Dr. Matthias Klepsch auf dhb.de. Die Hoffnungen auf einen Einsatz im Rückspiel am Sonntag in Trier sei allerdings unwahrscheinlich. Das deutsche Team zeigte sich danach verunsichert, Herr verbuchte weitere Paraden und ein Doppelschlag brachte Ungarn beim 6:4 die erste Zwei-Tore-Führung der Partie.

Das deutsche Team tat sich schwer, die Ungarinnen traten nun immer wieder rechtzeitig auf die Rückraumwerferinnen heraus. Zweimal gelang es der Mannschaft von Heine Jensen die dadurch für Althaus am Kreis entstehenden Freiräume zu nutzen, doch Ungarn bekam das Heft in die Hand. Zwischen den Pfosten sorgte Herr für ein klares Übergewicht und neben den vergebenen Chancen kamen nun auch weitere Unkonzentriertheiten hinzu: In den kommenden zehn Minuten sollte der deutschen Auswahl lediglich noch ein Treffer von der Strafwurflinie gelingen. Ungarn setzte sich so mit vier Toren in Folge zunächst auf 11:6 ab und baute den Vorsprung beim 13:7 sogar auf sechs Tore aus.

Ein Doppelschlag von Müller und Nadgornaja sorgte dann aber für Hoffnung bei den mitgereisten deutschen Fans, in die Kabinen ging es dennoch mit einem 10:14-Rückstand. Dieser schmolz aber in den ersten Minuten des zweiten Abschnitts weiter. Augsburg und Nadgornaja halbierten den Abstand und sorgten für den 12:14. Augsburg sorgte beim 14:15 mit einem Gegenstoß für den Anschlusstreffer, doch Herr verhinderte zunächst den Ausgleich. Die deutsche Deckung stand nun besser, Woltering zeigte einige Glanztaten, doch Ungarn konnte zunächst weiter vorlegen. Neben Herr waren dafür auch einige Fehler im deutschen Spielaufbau verantwortlich. Aber auch die Ungarinnen agierten nicht fehlerfrei, Nadgornaja konnte mit einem Siebenmeter so zum 19:19 ausgleichen.

Ungarn schien sich an der deutschen Deckung aufgerieben zu haben, immer wieder rannten sich die Gastgeberinnen fest und die deutsche Bank konnte so nach Geschkes 20:19 die erste Führung nach dem 1:0 bejubeln. Auf der Gegenseite wehrte die eingewechselte Schülke einen Strafwurf ab und das deutsche Team behauptete die Führung sogar in Unterzahl dank eines Treffers von Loerper. Es bot sich sogar die Chance zur Zwei-Tore-Führung, Augsburg startete in den Gegenstoß. Dieser landete allerdings am Holz, schien hinter der Linie auf den Boden zu klatschen und sprang aus dem Tor heraus. Die russischen Schiedsrichter entschieden aber, dass der Ball nicht im Tor gewesen sei. Und Ungarn war weiterhin im Glück, Schülke war an einem Strafwurf von Bulath dran, doch der Ball trudelte zum Ausgleich über die Linie.

Das Glück war der deutschen Auswahl auch in den folgenden Minuten nicht hold, mehrfach landeten Würfe an Pfosten oder Latte. Hinzu kamen auch einige unnötige Fehler in der Offensive, Unkonzentriertheiten wie Pässe ins Seitenaus, die Ungarn zu nutzen wusste. Kovacsics brachte die Gastgeberinnen von Außen wieder in Front und Görbicz und Bulath sorgten für das 24:21. Auf der Gegenseite vergab Nadgornaja zudem einen Strafwurf, Bundestrainer Heine Jensen nahm seine Auszeit. Danach kam Deutschland noch einmal auf, Nadgornaja traf und Althaus legte nach einem ungarischen Ballverlust den Anschlusstreffer zum 24:23 nach. Doch dem DHB-Team lief die Zeit davon, die Schlussminute war längst angebrochen. Bulath übernahm auf ungarischer Seite die Verantwortung und traf zum entscheidenden 25:23. Den Schlusspunkt aber setzte die starke Herr, die noch einen Strafwurf von Geschke abwehrte.

Bereits am Sonntag (15.00 Uhr) kann sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) beim Rückspiel in Trier für die Niederlage gegen den Olympia-Vierten revanchieren. "Wir haben uns in der zweiten Halbzeit wirklich gut zurückgekämpft. Jetzt haben wir gesehen, was von uns verlangt wird. Wir werden alles daran setzen, am Sonntag in Trier zu gewinnen", sagte Bundestrainer Heine Jensen der dpa. Die Chancen für die Teilnahme an der EM vom 2. bis 16. Dezember blieben für die deutsche Mannschaft intakt. Ende Mai und Anfang Juni folgen für die DHB-Auswahl die abschließenden Spiele in der Gruppe 1 gegen Weißrussland und Aserbaidschan. Die ersten beiden Teams qualifizieren sich für das Endrunden-Turnier.