12.02.2012 21:00 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm - VfL Oldenburg

Oldenburg rückt mit Sieg über Göppingen auf Rang drei vor

In eigener Halle weiter ungeschlagen und seit dem heutigen Sonntagnachmittag zunächst neuer Tabellendritter sind die Handballerinnen des VfL Oldenburg. Gegen Frisch Auf Göppingen gelang dem Bundesligisten ein 30:23 (14:14)-Sieg. Den Sprung um drei Ränge auf Platz zwei in der noch schiefen Erstligatabelle verhinderte der 30:20-Erfolg des Buxtehuder SV bei der DJK/MJC Trier.

Oldenburg spielte ohne die erkrankte Julia Wenzl. Dafür kam Rabea Neßlage in den letzten 221 Sekunden zu ihrem ersten Bundesliga-Einsatz. Parallel gewann das Drittligateam der 21-jährigen Aufbauspielerin bei HF HUK in Henstedt-Ulzdorf mit 31:27 (15:16). Der VfL II befindet sich mit 30:4 Punkten weiterhin auf Platz zwei. Im Bundesligaspiel in der EWE Arena erwies sich Göppingen, das ohne die erkrankte Maria Kiedrowski und damit ohne nominelle Linksaußen antrat (auf ihrer Position begann Rückraumspielerin Angela Dolder), für den VfL als der erwartet schwere Gegner. Lange hatten die Gäste im Positionsspiel gegen Oldenburgs offensive 3-2-1-Abwehr klare Vorteile, der VfL war zunächst meist über Konter und Einzelaktionen erfolgreich.

Birute Stellbrink und Alena Vojtiskova brachten Frisch Auf mit 2:0 in Front (4.). Oldenburg hielten seine Außen im Spiel: Kim Birke traf zum 1:2 (5.) und per Konter zum 2:3 (6.), Rechtsaußen Maike Schirmer zum 3:3 (7.; nach tollem Pass Julia Renners), 5:4 (9.; beide Gegenstoß) und 6:5 (10.; eingelaufen).

In der Folge profitierten die Gastgeberinnen häufiger von Göppinger Fehlern, führten mit 11:7 (16.), 12:8 (18.) und 14:10 (21.). Bis zur Pause hatten sie aber ihr Pulver verschossen. Frisch Auf spielte seine Angriffe lange aus und kam durch drei Tore der Ex-VfLerin Vojtiskova zum Ausgleich. Nach dem Seitenwechsel änderte der VfL seine Deckung auf eine 6-0-Formation. Das zahlte sich aus. Angeführt von einer hervorragend agierenden Sabrina Neuendorf verhinderte Oldenburg mehr und mehr Würfe auf das Tor der inzwischen eingewechselten Tess Wester. Die Torfrau steigerte sich ebenfalls minütlich, parierte 14 teils sehr schwere Würfe nach der Pause.

Zu diesem Zeitpunkt war die Partie bereits entschieden. Zum 18:18 (38.) durch die in dieser Phase sehr starke Beate Scheffknecht glich Göppingen das letzte Mal aus, nach dem 20:22 (45.; vom Kreis durch Jenny Karolius nach einem Bodenpass Vojtiskovas) blieb der Tabellenneunte zehn Minuten ohne Tor (28:20).

Der VfL war in der zweiten Hälfte auch im Positionsangriff besser und leistete sich auch den Luxus, den 1290 Zuschauern außergewöhnliche Aktionen zu präsentieren. Intensiv hatte Trainer Leszek Krowicki vor dem 28:20 einen bestimmten Spielzug angesagt, und den setzte seine Mannschaft perfekt um: Über Abbingh und Neuendorf kam der Ball zu der tief rechts freigelaufenen Angie Geschke, deren Pass durch den Kreis zu der von halbrechts hinein springenden Abbingh segelte, die per Kempa-Trick aus der Luft verwandelte.

„Das Ergebnis täuscht etwas“, meinte FAG-Trainer Aleksandar Knezevic: „Doch wir haben schon in der ersten Hälfte zu viele Fehler produziert, in der zweiten damit weitergemacht und waren auch läuferisch zu langsam.“ Das Ziel, Oldenburgs erste Welle „zu halten“ habe sein Team nicht erreicht. Frisch Auf zählte für seine Seite insgesamt 15 technische Fehler – davon acht in der ersten Hälfte. „Unsere leichten Fehler vorne hat Oldenburg mit seinem Tempospiel bestraft“, sagte auch Vojtiskova. „An der Kondition hat es nicht gelegen. Wir haben auch gegen den Thüringer HC und Leverkusen bis zum Ende mitgehalten.“ Ziel sei der Einzug in die Playoffs. Vojtiskova: „In der Mannschaft stimmt alles. Wir müssen es nur häufiger umsetzen.“

Krowicki analysierte: „Als Göppingen öfter im Abschluss scheiterte, kamen wir in Schwung und konnten unser Tempospiel aufziehen.“ Wichtig sei das Abwehrverhalten nach der Pause gewesen: „Wir haben gemerkt, dass unsere offensive Deckung zu oft geknackt wurde. Göppingen konnte präzise den Kreis in Szene setzen und hat viele Eins-gegen-Eins-Situationen gewonnen. Allerdings hat unsere 3-2-1 unserem Gegner auch viel Kraft gekostet.“ Großen Einfluss auf den Sieg habe auch die Leistung Tess Westers gehabt. Die 18-Jährige, die in der zweiten Hälfte 14 Würfe entschärfte, gab sich bescheiden: „Im Laufe der Zeit stand die Deckung immer besser. Dann fällt es leichter, die Würfe zu halten, die man auch halten muss. Und es ist leichter, noch ein paar Extra-Bälle zu parieren.“