05.04.2006 19:03 Uhr - 2. Bundesliga Süd - Holger Putz

Jurate Kiskyte im Interview

Jurate KiskyteJurate Kiskyte
Quelle: Heiner Lehmann/sportseye.de
Nicht nur aufgrund ihrer 165 Tore gehört die Litauerin Jurate Kiskyte beim SC Markranstädt zu den Leistungsträgerinnen und auch zu den bekanntesten Spielerinnen der 2. Bundesliga Süd. Gerade aber in der entscheidenden Saisonphase und kurz vor den Play-offs zwingt eine Kreuzbandverletzung die 28-Jährige zu einer Pause. Im Interview mit hbvf.de äußert sich Jurate Kiskyte zu der Verletzung, den Aussichten für den SCM und auch zu ihren Handballwurzeln in Litauen.

Jurate KiskyteJurate Kiskyte
Quelle:
Jury, aufgrund einer Kreuzbandverletzung musstest Du Dich einer Operation unterziehen. Wie ist diese verlaufen und wie sehen die nächsten Monate für Dich aus?

Jurate Kiskyte:
"Die Operation ist gut verlaufen, immerhin mussten sie eine ganze Menge machen. Jetzt muss ich noch vier Wochen mit Krücken gehen, dann geht es wieder zum Arzt, der noch mal alles kontrolliert. Danach heißt für mich jeden Tag Physiotherapie."

Der SC Markranstädt hat nach dem Sieg über Zwickau die Play-offs sicher erreicht. Du musstest bei diesem Spiel bereits zum zweiten Mal von Außen zuschauen, wie fühlst Du Dich dabei?

Jurate Kiskyte:
"Ich würde lieber spielen. Es ist jetzt das erste Mal seit fünf Jahren, dass ich nicht spielen kann. In der ersten Halbzeit war ich ziemlich aufgeregt. Ich meine, du siehst deine Mannschaft und bist selbst nicht mit dabei. Das ist echt komisch."

Im Spiel gegen Zwickau konnte der SCM Deinen Ausfall gut kompensieren, gelingt Deinem Team das auch in den Play-Offs?

Jurate Kiskyte:
"Das ist schwer zu sagen. Bis jetzt haben sie es gut gemacht. Die Play-Offs haben dann sowieso ihre eigenen Regeln."

Welche Ziele hast Du noch mit Markranstädt, könntet ihr Deiner Meinung nach in der 1. Bundesliga bestehen?

Jurate Kiskyte:
"Na klar möchte ich in der ersten Liga spielen und ich denke der Aufstieg ist auch möglich. Vielleicht bräuchten wir noch eine gute Spielerinnen, die unseren Kader ergänzt, um uns halten."

Wie sehen Deine persönlichen Ziele aus? In der Torschützenliste hast Du eine Zeit auf dem zweiten Platz gestanden, nach Deiner Verletzung wird es wahrscheinlich nichts mit einem Podestplatz, ärgert Dich das?

Jurate Kiskyte:
"Nein, die Liste hat mich nie interessiert. Der Sieg der Mannschaft ist wichtig, nicht wie viele Tore ich gemacht habe. Ich zähl nicht mal mit."

Wie siehst Du die Südstaffel in diesem Jahr, ist sie Deiner Meinung stärker als in der vergangenen Saison?

Jurate Kiskyte:
"Ich glaube schon. Es sind immer kleine Schritte. Aber auf jeden Fall ist die Liga stärker als die Nordstaffel."

Du bist als 23-Jährige von Egle Vilnius aus Litauen nach Deutschland zum SC Markranstädt gewechselt, würdest Du diesen Schritt wieder machen?

Jurate Kiskyte:
"Ja. Es war zwar ein großer Schritt für mich, denn Deutschland war mir anfangs sehr fremd. Aber mittlerweile spreche ich die Sprache und bin mit der Kultur und dem Essen vertraut. So große Unterschiede sind es nicht, im Vergleich zu Litauen."

Mit 28 Jahren ist das Karriereende weit weg, ist es bei einer Verletzung wie jetzt präsenter und beschäftigst Du Dich schon mit der Zeit nach dem Handball? Wie sehen die Pläne aus, willst Du in Deutschland bleiben oder nach Litauen zurückkehren?

Jurate Kiskyte:
"Jetzt würde ich Nein sagen und in Deutschland bleiben. Aber wie es irgendwann kommen wird, kann ich noch nicht sagen. Ich habe noch viele Freunde und Familie in Litauen."

Dein Geburtsort Panevezys ist in Deutschland sicherlich nur wenigen bekannt und auch ich weiß erst seit der Recherche für dieses Interview, dass es sich um die fünftgrößte Stadt Litauens handelt. Ist Panevezys eine Reise wert?

Jurate Kiskyte:
"Eine Reise vielleicht nicht unbedingt aber wer sich nach grünen Flächen z. B. Wiesen, Wälder, einfach Natur sehnt, der ist in Litauen genau richtig."

Wie bist Du zum Handball gekommen?

Jurate Kiskyte:
"Erst habe ich Gymnastik gemacht, aber ich habe schnell bemerkt, dass das nichts für mich ist. Eins Tages erzählte mir eine Klassenfreundin, dass sie mit einem Handballtrainer gesprochen hat, der noch Spielerinnen sucht. Und das wollte ich dann probieren. Ich glaube, ich habe die richtige Wahl getroffen."

Wie alt warst du damals?

Jurate Kiskyte:
"Ich glaub ich war zehn."

War es ein großer Schritt 1995 als noch Siebzehnjährige in die Hauptstadt Vilnius zum litauischen Top-Club Egle zu gehen?

Jurate Kiskyte:
"Nein eigentlich nicht. Ich war schon zwei Jahre vorher dort und bin am Sportgymnasium zur Schule gegangen. Und wurde gut auf den Handballsport vorbereitet."

Danke Jury, für deine Zeit. Und gute Besserung für dein Knie.