11.01.2012 16:40 Uhr - 2. Bundesliga - Matthias Kornes - handball-world.com

Am Ende soll ein Lächeln stehen: Svenja Huber über den Höhenflug in Weibern und die kritische Öffentlichkeit

Svenja HuberSvenja Huber
Quelle: Andreas Walz
Es läuft mehr als rund beim TuS Weibern. Nach der Hinrunde grüßen die Handballerinnen aus dem Eifelfdorf von der Tabellenspitze der zweiten Liga, im Pokal konnte sich Erstligist Frisch Auf Göppingen nur mit Mühe eine Runde weiter retten. Eine zentrale Figur des TuS ist Svenja Huber, die einige Gründe des Weiberner Höhenfluges analysiert.

"Da kommen einige Aspekte zusammen", sagt Huber über die aktuelle Tabellensituation – schließlich war Weibern mit dem Ziel Klassenerhalt gestartet. "Wir hatten einen Auftakt zum "reinkommen", den wir erfolgreich gestalten konnten. Mit jedem Sieg kamen wir mehr in einen Fluss. Und mit Siegen aus den letzten Partien spielt es sich leichter als mit Niederlagen", weiß Huber. Dabei gab es einem großen Umbruch auf der Trainerpositiopn – Urgestein Jan Reuland ging, Ildiko Barna kam. "Was Jan in Weibern geleistet hat - davor ziehe ich den Hut", sagt Huber und ergänzt mit Blick auf die neue Trainerin: "Ildiko hat frischen Wind reingebracht und reißt sich für uns ein Bein aus (oder die Achillessehne an", lacht die Linkshänderin ob des Malheurs von Barna, die verletzt ausgefallen war. "Sie hat viel Erfahrung durch ihre Karriere und die vielen Jahren als Trainerin, die sie an uns weitergibt."

Für die Mannschaft sei der Aufstieg kein Thema. "Wir sind noch nicht mal in der Rückrunde, haben aktuell drei Verletzte -es kann so vieles passieren", gibt sich Huber bescheiden. Dabei fragt man sich nicht nur in Weibern,m wie groß denn nun der Unterschied zur ersten Liga noch ist. "Das ist schwer zu sagen", meint Huber anbetracht des knappen Spiels im Pokal gegen Göppingen: "Auf der einen Seite haben wir uns vor dem Spiel gegen Göppingen eher im athletischen Bereich für die Bundesliga vorbereitet, wir mussten ohne etatmäßige Linksaußen ins Spiel gehen, so könnte man also meinen, der Abstand wäre gering. Andererseits war es für uns ein Highlight, was zusätzlich Kräfte freigesetzt hat."

Neben der Lage in Weibern beschäftigt sich Huber allerdings auch mit der Situation im deutschen Frauenhandball – die verkorkste Weltmeisterschaft sowie die Krise im deutschen Frauenhandball beschäftigt auch sie. "Die Gesellschaft und auch die Sportwelt sind mir zu negativ. In den Nachrichten sind vier von fünf Nachrichten Tragödien. Magdalena Neuner wird nach einem Lauf mit 6 Schießfehlern gefragt ob sie nicht mehr schießen kann. Warum fragt sie nach erfolgreichem Schießen niemand nach ihrem Geheimrezept?", kritisiert Huber, selbst journalistisch tätig, die Medienlandschaft sowie die Erwartungshaltung in Deutschland. "Man muss manche Dinge kritisch hinterfragen um sie dann gemeinsam verbessern zu können und sich nicht die "Schuld" gegenseitig zuschieben. Ich hoffe, dass Heine Jensen mit seiner positiven Mentalität den deutschen Frauenhandball voranbringt", sagt Huber.

Die vermeintlich "schwache erste Liga" wird immer wieder als Kriterium angesprochen, warum deutsche Spielerinnen nicht auf Topniveau kommen – gefordert wird mehr Professionalität. Kaum eine deutsche Spielerin in Deutschland kann vom Handball leben, die meisten sind berufstätig oder in der Ausbildung. Und auch Svenja Huber kann sich nicht vorstellen, nur als Profi zu leben. "Nein, ich bin der Meinung, dass Nebentätigkeiten vor allem für den Kopf wichtig sind", betont Huber.

Trotz der Berufstätigkeit oder der Ausbildung sind Spitzenleistungen möglich, bekräftigt Huber: "Ja das kann man. Allerdings wäre es wünschenswert, wenn Unis oder Arbeitgeber ein wenig mehr Verständnis hätten. Man kann sich mit einem Spitzensportler im Team doch schmücken. Es kann nicht sein, dass, wenn man einen Tag früher zu einem Spiel anreisen muss oder einen Lehrgang besucht, Fehltermine an der Uni bekommt."

Huber spielt wie ihre Mitspielerinnen erstmals in der eingleisigen zweiten Liga – die neben sportlich gestiegenem Wert auch größere Anforderungen an Spielerinnen und Verein stellt. "Wenn man für 60 Minuten fast zwei Tage unterwegs ist und montags wieder der Job ruft ist das sehr hart", gibt Huber Einblick in der "Alltag in Liga 2", "wenn man so etwas beschließt, müsste man den Spielerinnen auch die Weichen für ein halbwegs "professionelles" Sportlerleben stellen. Es ist für mich derzeit ein Schritt in die Professionalität mit zu wenigen Profis", gibt Huber zu bedenken.

"Wir starten zwischen 3 und 4 Uhr in Richtung Bus, fahren dann bis zum Mittag und Essen an einer Raststätte. Danach fahren wir noch knapp zwei Stunden bis zum Spiel", berichtet Huber von den nun immer wiederkehrenden langen Fahrten im Flächenstaat Deutschland. Unterschiede zwischen den Teams aus dem Norden und dem Süden sieht Huber zumindest mit Blick auf Spielweise oder Taktik allerdings nicht. Damit wenigstens die langen Fahrten in Zukunft ähnlich erfreulich auf der Rückreise ablaufen wie bislang, will man in Weibern weiter hart arbeiten. "Es ist alles möglich. Wir wollen den eingeschlagenen Weg auf jeden Fall weitergehen", sagt Huber. Und wo soll der TuS dann am letzten Spieltag stehen? Eine Frage, die Huber noch einmal zum Schmunzeln bringt: "Auf einem Platz, der uns mit einem zufriedenen Lächeln an die abgelaufenen Saison erinnert", lacht sie.