06.01.2012 07:38 Uhr - 1. Bundesliga - Christopher Menge - Cellesche Zeitung / Jörn Grünhagen - SVG

Der Kampf stimmte - die Punkte blieben, noch, aus: Celle sieht Positives

Die kämpferische Leistung stimmte beim Auftritt des SVG Celle gegen den Deutschen Meister und aktuellen Tabellenführer der Handball-Bundesliga der Frauen, Thüringer HC. Dennoch mussten sich die Cellerinnen nach einer starken Anfangsphase mit 22:30 geschlagen geben. Die individuelle Klasse der Gäste setzte sich durch.

Eine Minute vor dem Ende des Spiels des SVG Celle gegen den Deutschen Meister Thüringer HC in der Handball-Bundesliga der Frauen erhoben sich die Zuschauer in der HBG-Halle von ihren Plätzen. Trotz der 22:30-Niederlage waren sie zufrieden mit der Leistung ihrer Mannschaft. Über 60 Minuten kämpfte das Celler Team, musste sich dann aber doch dem übermächtigen Gegner geschlagen geben. Der Tabellenführer hatte zwar nicht seinen besten Tag erwischt, doch die individuelle Klasse reichte, um einen nur in der Anfangsviertelstunde gefährdeten Sieg einzufahren.

Mit einer 6:0-Deckung versuchte das SVG-Team, dem THC entgegenzuwirken. Und das klappte in den ersten Minuten ausgesprochen gut. „Wir sind gut reingekommen ins Spiel“, analysierte Susanne Büttner. Neben der nötigen Aggressivität in der Abwehr behielt der SVG im Angriff die Ruhe, wartete oftmals, bis die Schiedsrichter Zeitspiel anzeigten, um doch noch den finalen Pass an den Kreis zu spielen. Evelyn Schulz war so zweimal erfolgreich. Zudem traf Renee Verschuren, die insgesamt acht Treffer beisteuerte, aus dem Rückraum. So führten die Gastgeberinnen nach knapp zehn Minuten verdient mit 5:3.

Thüringens Trainer Herbert Müller konnte mit der Anfangsphase seiner Mannschaft gar nicht zufrieden sein und nahm früh seine erste Auszeit. Doch es dauerte noch fünf Minuten bis das Spiel zugunsten des Favoriten kippte. Nach 15:24 Minuten vergab Verschuren beim Stand von 5:5 einen Siebenmeter. Der SVG verlor parallel zu einigen fragwürdigen Schiedsrichter-Entscheidungen den Faden. Aber vor allem setzte sich die individuelle Klasse des Thüringer HC immer mehr durch. Vor allem Nadja Nadgornaja konnte im Rückraum nicht gestoppt werden. Mit drei Treffern drehte sie das Spiel fast im Alleingang. Hinzu kam, dass sich bei den Cellern wieder einige technische Fehler einschlichen. „Es waren weniger Fehler als in Trier, aber wir hätten den THC noch mehr ärgern können, denn sie hatten auch nicht ihren besten Tag“, resümierte Nastja Antonewitch.

Dennoch hatten die Gäste bereits zur Pause beim Stand von 9:15 aus Celler Sicht eine Vorentscheidung herbeigeführt. „Irgendwann setzt sich die individuelle Klasse durch“, musste SVG-Trainer Martin Kahle das größere Potenzial des Gegners anerkennen. Nach dem Seitenwechsel bauten die Gäste ihre Führung bis zur 40. Minute auf acht Tore aus. Dennoch entwickelte sich noch einmal Hektik, was vor allem an der schwachen Vorstellung der Unparteiischen lag. Eine Zwei Minuten- Strafe nach einem Wechselfehler gegen Kerstin Wohlbold brachte Gäste-Trainer Herbert Müller so in Rage, dass er schreiend auf die Zeitnehmer los ging. Doch, das war es an Aufregung, denn das Spiel war längst gelaufen. Auch wenn die Celler Spielerinnen bis zum Ende alles gaben und die Niederlage so in Grenzen hielten.

„Wir haben super aggressiv in der Abwehr gespielt“, lobte Büttner, „aber trotzdem noch zu viele technische Fehler gemacht.“ „Diese Fehler müssen wir noch abstellen“, blickte die Außenspielerin nach vorne. Antonewitch schlug in die gleiche Kerbe. „Der Kampf war da, diese positive Energie müssen wir in die nächsten Wochen mitnehmen“, sagte Anto­newitch, „dann holen wir auch Punkte.“ Trainer Kahle lobte vor allem das „kämpferische Element“. Das war es auch, was die Zuschauer begeisterte, die trotz der deutlichen Niederlage zufrieden nach Hause gingen.

Bis Saisonende stehen nun noch zehn Spiele für Celle aus, in denen der SVG punkten muss. Seitens des Managements gibt es in enger Abstimmung mit Trainer Martin Kahle natürlich ebenfalls Aktivitäten, um die Chancen auf den Bundesligaerhalt zu vergrößern. Vergangene Woche wurden deshalb zwei Spielerinnen zum Probetraining nach Celle eingeladen. Eine Entscheidung über eine Verpflichtung steht noch aus.

Bei allen Entscheidungen will man jedoch in Celle im Auge behalten, dass sich mit Kickers Sindelfingen eine Mannschaft aus finanziellen Gründen bereits vor der Saison aus der Bundesliga zurückzog und es weitere Mannschaften in der 1. Bundesliga gibt, die vor enormen finanziellen Schwierigkeiten stehen. "Das SVG Celle Management ist bereit, bis an die Grenzen des Machbaren zu gehen, um Verstärkungen für die Mannschaft zu holen, wenn sich passende Spielerinnen finden, die uns auch kurzfristig nach vorne bringen. Es wird aber keine finanziellen Abenteuer geben, welche uns in finanzielle Probleme bringen könnten, wie Sindelfingen oder aktuell Trier, wo der Trainer wenige Tage vor dem Spiel gegen Celle wegen seit September 2011 ausstehender Gehaltszahlungen zurücktrat", teilte der Klub in einer Mitteilung mit.