03.11.2011 09:51 Uhr - Champions League - Christian Stein - handball-world.com

Clara Woltering in Montenegro "rundum zufrieden"

Clara WolteringClara Woltering
Quelle: Michael Heuberger
Deutschland oder Dänemark? Nein, Clara Woltering hat Montenegro als neue sportliche Heimat ausgemacht. Mit dem Topclub Buducnost Podgorica spielt sie nun in der Champions League, das Team hat als einziges nach vier Spieltagen bereits die Hauptrunde der Königinnenklasse erreicht. „Rundum zufrieden“, stellt Deutschlands Handballerin des Jahres im Gespräch mit handball-world.com-Redakteur Christian Stein fest und bezieht dies nicht nur auf das Sportliche in der neuen Heimat.

Vierzehn Stunden Rückreise aus Trondheim, auch das gehört mittlerweile zum Alltag der Torhüterin. „Als Vollprofi beschäftige ich mich derzeit rund um die Uhr mit Handball. Zweimal täglich Training, Behandlungen, Videostudium - das ist schon manchmal tagesfüllend“, führt Woltering aus. „Viel mehr Zeit, als früher“, kann sie nun dem harzverklebten Leder widmen. Die regelmäßigen Abläufe sind anders, auch weil die zusätzlich Belastung durch den gelernten Beruf als Landwirtin wegfällt. „Das ist für den Körper schon eine Herausforderung, aber das war es in Deutschland aufgrund des Jobs auch“, findet die 28-Jährige. Die Belastung neben dem sportlichen Alltag „darf man nicht unterschätzen.“

In Deutschland galt es im dualen System gleich zwei Terminpläne unter einen Hut zu bekommen. „Es ist angenehm nach dem Training sich auch einfach mal im Kreis der Mannschaft zusammen zu setzen und keine Terminhetze zu haben“, so Woltering, für die der Wechsel ins Ausland nach elf Jahren in Leverkusen „eine tierische Umgewöhnung“ war. „Ich fühle mich wohl, das ist das Wichtigste. Nur dann kann man die Leistung zeigen, zu der man in der Lage ist.“ Es sei eine entsprechend lange Vorbereitung gewesen, die man bei Buducnost absolviert hätte. „Im Sommer war das schon extrem. Aufgrund der hohen Temperaturen von über 40 Grad hatten wir die Trainings morgens um acht und abends um acht“, so Woltering und räumt ein: „Jetzt ist es etwas angenehmer.“

Neben der Champions League nimmt das Team nicht an der heimischen Liga, sondern der internationalen WRHL - Women’s ‚Regional Handball League - teil. „Wir haben nicht so viele Spiele, wie wir jetzt schon in der Bundesliga zu absolvieren gehabt hätten“, vergleicht Woltering den Spielplan. Neben den vier Auftritten in der Champions League, hatte Podgorica in der WRHL bislang drei Partien zu absolvieren. Nach dem Rückzug der internationalen Topmannschaften, wie Hypo NÖ oder Krim Ljubljana habe „das Niveau dort etwas nachgelassen. Man kann dann aber auch mal einiges ausprobieren. Der Fokus liegt ganz klar auf der Champions League.“ Auch wenn der Name nach „Regionalliga“ klingt, die Reisestrapazen sind enorm. „Es geht nach Serbien oder Mazedonien. Das kann man nicht wie in der Bundesliga als Tagesreisen absolvieren.“

Das Lernen der serbischen Sprache hat Woltering bereits begonnen. „Ich bin aber noch nicht so weit, dass ich es sprechen kann“, so die Keeperin, die allerdings die wichtigsten Vokabeln für die Kommunikation auf dem Parkett gepaukt hat. „Als Torhüterin muss ich auch nicht ganz so viel verstehen, wie eine Feldspielerin“, erzählt sie und erklärt, dass die Integration ins Team ihr leicht gefallen sei. „Mit den meisten kann ich englisch sprechen und ansonsten hilft man sich mit Händen und Füßen.“ Eine wichtige Bezugsperson für Woltering ist auch der Physiotherapeut des Teams. „Er spricht deutsch“, freut sich Woltering über den Übersetzer bei Traineransprachen, „Einzelgesprächen“ oder auch beim Arzt.

Von Land und Leuten ist Woltering begeistert. „Alle sind offen und nett. Als ich letztens mal Besuch aus Deutschland hatte und mich auf deutsch unterhalten hatte, haben uns sofort Leute angesprochen, ob sie uns helfen können“, gibt die Torhüterin einen Einblick in das Alltagsleben. Und die Atmosphäre im gefürchteten Hexenkessel Moraca, sei einfach nur „phänomenal.“ „Das macht richtig Spaß vor ausverkaufter Halle zu spielen.“ Als sie 2006 mit Bayer im Viertelfinale des Europapokals der Pokalsieger vor 5000 Zuschauern antreten musste, war das „Team nicht gewöhnt, wie heftig es dort abgeht.“

Mittlerweile fühlt sie sich im neuen Wohnzimmer heimisch. „Die Stimmung ist super“, gibt Woltering zu und auch die Fans haben die Nationaltorhüterin bereits in ihr Herz geschlossen. Diese sprechen schon in den internationalen Foren vom „besten Transfer des Jahres“ und „einem Geschenk Gottes“. Ein weiterer Mosaikstein, warum die bodenständige Westfälin das ferne Montenegro „als neue Heimat registriert“ hat.