22.10.2011 15:32 Uhr - Europameisterschaft - PM DHB

Nadja Nadgornaja: "Jede muss etwas in den großen Topf werfen"

Nadja Nadgornaja im Trikot des NationalteamsNadja Nadgornaja im Trikot des Nationalteams
Quelle: Michael Heuberger
5.000 Kilometer fern der Heimat erlebt Nadja Nadgornaja eine Art Heimspiel. In der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ist die 21-Jährige nicht nur als Fachfrau für den linken Rückraum der deutschen Nationalmannschaft gefragt - die U20-Weltmeisterin von 2008 spricht perfekt Russisch und hilft damit, schnelle Antworten auf drängende Alltagsfragen zu finden. Die Thüringerin im Gespräch mit dem Pressedienst des DHB.

Eines vorab: Was ist der Grund für Ihre perfekten Russischkenntnisse?

Nadja Nadgornaja:
Ich wurde in Kiew geboren. Meine Mutter ist Weißrussin, mein Vater Ukrainer - daher wurde zu Hause immer Russisch gesprochen. Das ist meine Muttersprache geblieben. Mittlerweile sprechen wir daheim auch Deutsch, das fällt mir inzwischen leichter und geht einfach schneller. Aber das Russische kommt ganz schnell wieder, wenn es sein muss. Im Sommer war ich zuletzt bei meiner Oma in Minsk. Es wäre übrigens ein Highlight, wenn wir dort gegen Weißrussland Ende Mai das Auswärtsspiel der EM-Qualifikation bestreiten könnten. Dann bekäme meine Familie nicht nur vom Erzählen, sondern auch mit eigenen Augen mit, was ich mache.

Dass Sie an den Spielen der EM-Qualifikation teilnehmen können, ist ein wenig überraschend, oder?

Nadja Nadgornaja:
Ja, denn ich hatte einen Muskelfaserriss in der linken Wade - genau am Übergang vom Muskel zur Sehne. Das war eine blöde Stelle und hat deshalb acht Wochen gedauert. Eigentlich war für mich beim Lehrgang in Kienbaum nur Aufbautraining geplant. Das hat auch mit unserem Athletiktrainer mit Øyvind Rønhovde so stattfgefunden. Mir geht es aber körperlich wieder gut, und aufgrund der Knieprobleme von Clara Woltering und Katja Langkeit konnte ich einspringen und bin sehr gern dabei.

In der Nationalmannschaft haben Sie nach schwierigem Start ab dem Frühjahr sehr schnell Fuß gefasst - acht Tore im Rückspiel der WM-Play-offs gegen Ungarn waren ein Highlight.

Nadja Nadgornaja:
Nach meinem Wechsel im Sommer 2010 von Trier zum Thüringer HC habe ich noch einmal einen großen Schritt nach vorn gemacht, bin robuster geworden und dem internationalen Vergleich besser gewachsen. Und das Wohlfühlen in dieser Mannschaft und unter Heine Jensen ist ein großer Faktor. Ich bin dankbar, dass ich Vertrauen bekomme, und dieses zurückgeben kann. Ich fühle, dass ich in diesem Team angekommen bin.

Inzwischen sind Sie wieder auf allen Ebenen gefordert. Liga, Champions League, Nationalmannschaft - wie verkraften Sie das Programm?

Nadja Nadgornaja:
Ich habe es ja erst seit kurzem. Die Belastung ist allerdings von null auf hundert gestiegen, obwohl ich erst seit zwei Wochen wieder im Handballtraining bin. Mit gutem Athletiktraining und dem entsprechenden Aufbau von Muskulatur und Kondition ist es möglich, dass ich schnell wieder fit werde, um das alles zu verkraften. Ich hoffe, dass ich da auf einem guten Weg bin und weiter gute Leistungen bringe.

Am Sonntag steht Teil zwei der EM-Qualifikation an. Was wird gegen Aserbaidschan wichtig sein?

Nadja Nadgornaja:
Grundsätzlich müssen wir wie gegen Weißrussland auf uns und unsere Stärken achten. Wenn wir unser Spiel durchbringen, werden wir sicher sehr gute Chancen haben. Wir müssen unter anderem mit Tempo und einer aggressiven Abwehr spielen und unsere individuellen Stärken einbringen. Da muss jede etwas in den großen Topf werfen.

Haben Sie schon einen Gedanken an Brasilien und die Weltmeisterschaft im Dezember verwendet?

Nadja Nadgornaja:
Grundsätzlich nicht. Ich war so lange mit meiner Verletzung beschäftigt. Jetzt denke ich nur an die EM-Qualifikation. Für Brasilien und die WM haben wir noch genug Zeit. Im Moment gibt es andere Aufgaben.