09.10.2011 13:01 Uhr - 2. Bundesliga - bbm

Derby-Krimi auf den Fildern - Bietigheim unterlieg Nellingen in letzter Sekunde

Fünf gehaltene Siebenmeter: Ann-Cathrin GiegerichFünf gehaltene Siebenmeter: Ann-Cathrin Giegerich
Quelle: steinmetz.photodesign
Spannung pur bekamen die Zuschauer in der Nellinger Sporthalle 1 im Bundesliga-Derby zwischen der SG BBM Bietigheim und den Schwabenhornets geboten. Erst eine Sekunde vor der Schluss-Sirene fiel das entscheidende 32:31 für die Hausherrinnen. Trotz des Ergebnisses war SG-Coach Hungerecker mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden.

Nichts für schwache Nerven war das Derby über die gesamte Spielzeit. Die Schlussphase der Partie war allerdings an Dramatik fast nicht mehr zu überbieten: Fünf Minuten vor dem Ende führten die Schwabenhornets bereits mit 31:28, manch Bietigheimer Zuschauer hatte die Hoffnung auf einen Punktgewinn auf den Fildern fast schon aufgegeben. Doch die Bietigheimer Mannschaft zeigte Moral und kämpfte sich mit letzten Kräften ins Spiel zurück. So erzielten die Enztälerinnen durch Barbara Bagocsi auch 52 Sekunden vor dem Ende den verdienten 31:31 Ausgleichstreffer. Als die wieder glänzend aufgelegte Ann-Cathrin Giegerich 30 Sekunden vor dem Ende noch einen Nellinger Wurf abwehrte hatten die Bietigheimerinnen alle Trümpfe zur Entscheidung in der Hand.

Doch es sollte an diesem Tag nicht sein. Bietigheim konnte den Führungstreffer nicht erzielen, stattdessen traf die überragende Nellinger Kreisläuferin Martina Heimgärtner eine Sekunde vor Schluss zum umjubelten 32:31 für die Schwabenhornets. „Ein Unentschieden wäre heute leistungsgerecht gewesen“, erklärte Bietigheims Trainer Christian Hungerecker nach der Partie. „Meine Mannschaft hat das gezeigt, was ich gefordert habe. Ich bin mit unserem Auftritt zufrieden!“

Dazu hatte der Bietigheimer Trainer auch allen Grund. Die taktische Marschroute war vom ersten Moment erkennbar. Bietigheim wollte in der Defensive vor allem die beiden wurfgewaltigen Rückraumspielerinnen Jessica Schulz und Daniela Stratmann an den Würfen hindern. Das dieses Rezept aufging erkannte man an den Statistiken nach Ende der Partie: Schulz erzielte nur fünf, Stratmann drei Treffer aus dem Spiel. Die Bietigheimer Abwehr konnte den Nellinger Rückraum immer wieder durch das offensive Abwehrverhalt in Schach halten. Hierdurch ergaben sich allerdings auch immer wieder Freiräume, die Nellingens Kreisläuferin Martina Heimgärtner zu nutzen wusste.

Wie schon in den letzten beiden Partien wurde das ausgezeichnete Bietigheimer Abwehrverhalten von einer hervorragenden Torhüterleistung gekrönt. War es am vergangenen Wochenende Anja Friedrich, konnte in Nellingen Ann-Cathrin Giegerich zwischen den Pfosten überzeugen. Fünf gehaltene Siebenmeter und unzählige Paraden aus dem Spiel standen auf dem Arbeitsnachweis der 19-Jährigen.

In der Anfangsphase brauchten die Bietigheimerinnen einige Minuten, um zu ihrem Angriffsspiel zu finden, Nellingen hingegen war von Anfang an hellwach und konnte früh mit 5:2 in Front gehen. Doch die Enztälerinnen zogen nach und konnten beim 6:7 nach 13 Minuten erstmals in Führung gehen. Die Folgeminuten waren ein offener Schlagabtausch beiden Mannschaften: In den folgenden fünf Minuten bekamen die Zuschauer zehn Tore zu sehen. 12:11 der Spielstand nach 18 Minuten, als Hungerecker die Bietigheimer Auszeit nahm. Nun kehrte wieder Ruhe ins Spiel ein, die Spannung war jedoch gewahrt. Keine Mannschaft konnte sich merklich absetzten.

Als Milena Rösler neun Sekunden vor dem Seitenwechsel zum 15:17 für die SG BBM Bietigheim traf, glaubte man im Bietigheimer Lager bereits, mit einer 2-Tore-Führung in die Kabine gehen zu können. Mit dem Halbzeitpfiff zeigten die beiden Unparteiischen jedoch noch auf den Siebenmeter-Punkt und Nellingen konnte den 16:17-Anschlusstreffer erzielen.

Auch nach dem Seitenwechsel war Dramatik pur auf den Fildern angesagt. Auf Nellinger Seite war es immer wieder Kreisläuferin Martina Heimgärtner, die Akzente setzen konnte. Hornets-Trainerin Irina Kolpakova stellte die Defensive um: Bietigheims Spielmacherin Lana Holder bekam eine Sonderbewachung zugewiesen und die rot-gefährdeten Jessica Schulz wurde im zweiten abschnitt nur noch im Angriff eingesetzt. Vor allem die Manndeckung gegen Lana Holder brachte das Bietigheimer Angriffsspiel kurzzeitig ins Stocken und die Hornets konnten die Führung beim 19:18 in der 36. Minute wieder übernehmen.

Bis zum 24:22 sollte dies auch so bleiben. Doch Bietigheim legte einen Zwischensprint ein und konnte in der 47. Minute wieder mit 24:25 in Front gehen. In der Folgezeit wechselte die Führung immer wieder, keines der beiden Teams konnte sich deutlich absetzten, ehe es in der 52. Minute die Hornets waren, die eine Serie hinlegten. Aus einem 27:28 Rückstand machten die Hausherrinnen innerhalb von knapp drei Minuten eine 31:28-Führung. Ihr Comeback an diesem Abend gab dabei Tine Gall, die erstmalig nach ihrer Schulteroperation im Sommer auf der Bank saß und in der zweiten Hälfte dann die ebenfalls stark aufspielende Tina Habiger mit ihren Einsätzen immer wieder entlastete.

Am Ende gewannen die Hornets glücklich mit einem Tor Differenz. „Das war heute ein richtiges Derby“, resumierte Bietigheims Sportdirektor Gerit Winnen nach dem Ende. „Beide Mannschaften haben sich keinen Zentimeter geschenkt. Es war ein hartes Spiel auf hohem Niveau.“ Nicht nur Trainer und Sportdirektor, auch die mitgereisten SG-Fans waren trotz des einen Tors Differenz vom Auftritt der Bietigheimer Mannschaft angetan. „Die Mannschaft wurde nach dem Spiel von unseren Anhängern mit Standing-Ovations verabschiedet“, schilderte Winnen das Lob des Bietigheimer Fanlagers. „Ich denke, dass sagt alles über unsere Leistung aus.“ Aufgrund der gezeigten Leistung ist im Enztal auch niemandem vor dem nächsten Spiel Bange: Dann geht es zum nächsten Auswärts-Derby bei der TuS Metzingen.