22.09.2011 15:35 Uhr - GF World Cup - chs

GF World-Cup: Starke Leistung gegen Frankreich, dennoch droht Vorrunden-Aus

Acht Tore: Sabrina RichterAcht Tore: Sabrina Richter
Quelle: Katja Boll
Die deutliche Auftaktpleite gegen Europameister Norwegen könnte sich am Ende als zu hohe Hürde erweisen. Trotz der anschließenden Siege gegen den EM-Dritten Rumänien und Vizeweltmeister Frankreich droht dem Team von Bundestrainer Heine Jensen beim hochklassig besetzten GF World-Cup das Aus. Mit einer furiosen Anfangsphase spielte sich die DHB-Auswahl die dringend benötigte Führung mit zehn Toren (14:4) sogar heraus, dann kam aber auch durch personelle Wechsel ein Bruch ins Spiel, Frankreich kam zwischenzeitlich noch einmal auf vier Tore heran und konnte so zumindest aus eigener Kraft den Sprung unter die besten vier sicherstellen. Sabrina Richter (8) und Franziska Mietzner (7) trafen am häufigsten für Deutschland.

Gegenüber dem Vortag ließ Bundestrainer Heine Jensen in der Startformation mächtig rotieren. Lediglich Rechtsaußen Sabrina Richter und Kreisläuferin Anja Althaus waren erneut unter den ersten Sieben, zu denen nun Clara Woltering, Mandy Hering, Anna Loerper, Franziska Mietzner und Isabell Klein gehörten. Die DHB-Auswahl hatte gegen die Equipe Tricolore ins Spiel zu finden, bereits nach sechs Angriffen stand eine 5:2-Führung (6.) zu Buche. Um aus eigener Kraft den Sprung ins Halbfinale zu schaffen, benötigte das Jensen-Team einen zweistelligen Sieg und der Mannschaft war der Wille diese große Aufgabe erfolgreich vor der ersten Minute anzumerken. So unterließ Rückraumspielerin Laura Steinbach bei den Nationalhymnen ihr Zwinkern zur Kamera in Richtung Heimat. Ein Block von Loerper gegen Lacrabere, der vierte Treffer von Franziska Mietzner zum 6:3 (10.) zwangen Frankreichs Trainer Olivier Krumbholz zur frühen Auszeit und den ersten taktischen Maßnahmen.

Mit einer 4:2-Abwehr sollte nun das deutsche Angriffsspiel zum Erliegen gebracht werden, doch das DHB-Team spielte diszipliniert und variabel, konnte auf die Abwehr und Clara Woltering vertrauen und baute mit einer hohen Angriffseffektivität (12/14) die Führung auf 12:4 (17.) aus. Auch ein Torwartwechsel von Leynaud zu Darleaux sollte beim Vizeweltmeister keine Besserung bringen, denn vorne klemmte es gewaltig. Nach zwanzig Minuten war es geschafft, Mietzners fünfter Treffer zum 14:4 warf das DHB-Team bereits einmal virtuell ins Halbfinale. Erneut musste Olivier Krumbholz den grünen Karton am Kampfgericht abgeben. Eine erste Zeitstrafe gegen Mietzner konnte Paule Baudoin mit einem Doppelpack von der Strafwurfmarke nutzen, um noch einmal zu verkürzen, zudem schlichen sich angesichts der kraftraubenden Anfangsphase nun einige Fehler ein, die Frankreich mit einfachen Gegenstoßtoren bestrafen konnte. Dennoch, im gebundenen Spiel lagen die Vorteile in Abwehr und Angriff insgesamt auf der deutschen Seite, die eine verdiente 18:9-Führung in die Pause nahm.

Kurz nach dem Wiederanpfiff musste dann jedoch Clara Woltering vom Parkett. Die Französin Mariama Signate war nach einem Durchbruch an den Kreis auf der Bodenwerbung ausgerutscht und hatte die Keeperin von den Beinen geholt und Katja Schülke musste nun zwischen die Pfosten rücken und konnte sich gleich mit einer starken Parade gegen Baudoin auszeichnen. Im Angriff fehlte nun ein wenig die Disziplin, die Abschlüsse waren zu ungenau, doch Frankreich bestrafte diese Phase nicht konsequent. Tervel konnte im Gegenstoß immerhin auf 13:20 (40.) verkürzen. Jensen brachte nun seine gestrige Toptorschützin Laura Steinbach und ließ - nachdem Anna Loerper mit einem Cut unter dem Auge kurzfristig vom Parkett musste - Randy Bülau die Spielgestaltung übernehmen. Doch das DHB-Team hatte nun völlig die Linie verloren, zudem hatte nun auch Amandine Leynaud im französischen Tor zu ihrer Topform gefunden. Heine Jensen versuchte nicht mit einer Auszeit, sondern mit weiteren personellen Wechseln das Team in die Erfolgsspur zurück zu bringen.

Klein ersetzte die erneut schwache Jurack und Mietzner kam zurück auf das Parkett, doch nach Pineaus Tor zum 16:20 war es nötig die Reißleine zu ziehen, das Team an die abgesprochenen Abläufe zu erinnern und zur Ruhe anzuhalten. Mietzner sorgte mit dem 21. Treffer für ein Ende der Torflaute und beruhigte die Nerven. Als die Frankfurterin mit ihrem siebten Tor auf 23:17 (53.) erhöhte, musste nun auch Olivier Krumbholz seine dritte und letzte Auszeit in Anspruch nehmen. Doch die DHB-Auswahl hatte sich nun gefangen, hinten gab Schülke mit starken Paraden im Duell Eins-gegen-Eins wichtige Impulse, wie bei einem Strafwurf gegen Baudoin beim Stand von 25:18 (57.). Der zweistellige Sieg wäre durchaus möglich gewesen, doch Frankreich stemmte sich gegen die Niederlage an und konnte so trotz einer deutlichen 20:26-Niederlage den Einzug ins Halbfinale feiern. Deutschland hingegen muss nun auf Schützenhilfe der bereits ausgeschiedenen Rumäninnen gegen Norwegen hoffen.

„Es ist toll, dass wir nach dem 20:16 zu unserer Linie zurückgefunden und kühlen Kopf behalten haben. Mit plus sechs gegen diesen Gegner zu gewinnen, ist in Ordnung. Wir haben die Chance genutzt, dass Frankreich uns heute unterschätzt hat”, so das Fazit von Bundestrainer Heine Jensen. „Wir konzentrieren uns auf uns. In Aarhus haben wir uns von Spiel zu Spiel gesteigert und gegen eine Klassemannschaft wie Frankreich eine super erste Halbzeit gespielt. Leider haben wir uns dann von der Hektik der Französinnen anstecken lassen. Insgesamt haben wir uns heute richtig gut präsentiert. Wir können auch so einen Gegner hoch schlagen. Ich habe ein lachendes Auge, denn das Spiel hat gezeigt, dass wir auf einem guten Weg sind”, fasste Kreisläuferin Anja Althaus zusammen. „Wir haben bewiesen, dass wir, wenn wir zusammen als Team auftreten, guten Handball spielen. Das müssen wir immer wieder umsetzten”, so Clara Woltering.

Deutschland - Frankreich 26:20 (18:9)

Deutschland: Englert, Schülke, Woltering;
Klein (1), Jurack, Bülau (1), Mietzner (7/2), Augsburg, Loerper (3), Hering (3), Gubernatis, Richter (8), Langkeit (1), Steinbach, Althaus (1), Wohlbold, Schulze (1)

Frankreich: Foggea, Leynaud, Darleux;
Goudjo, Dancette (2), Kamto (1), Ayglon, Pineau (3), Mendy (1), Baudouin (5/4), Gnabouyou, Bruneau, Dembele (2), Deroin, Tervel (2), Limal, Signate (2), Lacrabere (2)

Schiedsrichter: Gubica/Milosevic (Kroatien)
Zuschauer: 400
Siebenmeter: 2/2:5/4 (Schülke hält gegen Baudouin)
Strafminuten: 6:0 Minuten (Mietzner, Althaus, Langkeit)