20.09.2011 19:26 Uhr - GF World Cup - Dominik Schreier

Trotz ordentlicher Deckung: Deutliche Niederlage für DHB-Team gegen Norwegen

Franziska Mietzner und die deutschen Frauen taten sich gegen Norwegen vor allem in der Offensive schwerFranziska Mietzner und die deutschen Frauen taten sich gegen Norwegen vor allem in der Offensive schwer
Quelle: Katja Boll
Das deutsche Team stellte von Beginn an eine ordentliche Deckung, konnte im Angriff aber ohne die verletzte Krause kaum Tempo entwickeln. Norwegen muss derzeit ohne die schwangere Hammerseng auskommen und benötigte eine Zeitlang um die Offensive zu bündeln. Nach dem 4:1 (10.) konnte sich die Sieben von Thorir Hergeirsson dann auf 10:5 (20.) absetzen und hatte fortan das Heft in der Hand, zur Pause hieß es 14:7. In der zweiten Hälfte änderte sich nichts mehr am Kräfteverhältnis zwischen Norwegen und Deutschland. Nach 43 Minuten leuchtete beim 20:10 erstmals ein Zehn-Tore-Unterschied auf den Anzeigetafeln der NRGi-Arena Aarhus auf, das Auftaktspiel endete deutlich mit 25:13 für den Favoriten Norwegen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass noch längst nicht wieder alles gut ist, nur weil wir zwei Spiele gegen Ungarn gewonnen haben. Und wenn wir nicht voll bei der Sache sind, haben wir keine Chance gegen die guten Nationen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns”, so Bundestrainer Heine Jensen gegenüber dhb.de

Von Beginn an zeigte das deutsche Team eine gefällige Abwehrleistung und kassierte binnen vier Minuten nur ein einziges Tor, allerdings hakte es im Spiel nach vorne beim Auftaktmatch gegen Olympiasieger und Europameister Norwegen zunächst gewaltig in der Offensive: Wohlbold erzielte den ersten deutschen Treffer erst nach fünf Minuten. Nachdem zuvor einige Male der Ball ohne Struktur nach vorn getragen worden war, gaben die Einzelaktionen der Spielmacherin dem deutschen Team ein wenig Sicherheit, Jurack kam mit ihrem ersten Versuch hingegen nicht durch. Auch Norwegen suchte noch nach dem Kurs, das Spiel über Kreisläuferin Marit Malm Frafjord, die gegenüber Heidi Løke den Vorzug erhalten hatte, erwies sich dabei als probates Mittel. Obwohl Sabine Englert die ersten beiden Strafwürfe abwehren konnte, führte nach zehn Minuten Norwegen dennoch mit 4:1.

Allmählich kam Deutschland nun besser ins Spiel und profitierte davon, dass sich der norwegische Rückraum mit Spielmacherin Gøril Snorroeggen, die lange nicht zum Team gehört hatte, noch immer sortierte. Franziska Mietzner verkürzte nach zwölf Minuten auf 3:4 und spielte im nächsten Angriff Althaus am Kreis an. Den fälligen Strafwurf verwandelte Richter und gegen die gut verschiebende deutsche Abwehr musste Norwegen erneut lange nach der Lücke suchen. Tonje Nøstvold kam dem Wunsch ihres Trainers nach und versenkte den Ball auf Hüfthöhe zum 7:5 (18.). In Überzahl, Jurack hatte eine Zeitstrafe kassiert, erhöhte die für Herrem eingewechselte Johansen auf 10:5 (21.). Fünfmal in Serie zerschellte die hastige deutsche Offensive in dieser Phase, trotz der Deckungarbeit geriet die deutsche Auswahl deutlich in Rückstand.

Heine Jensen nahm seine Auszeit. Ruhig forderte er von seinen Spielerinnen mehr Bewegung in der Offensive und mehr Mut auf dem Weg Richtung Tor. Doch strukturiert ging es im Angriff auch danach nicht zu, auf 13:6 zog Norwegen weiter davon, ehe Loerper mit einer feinen Einzelaktion verkürzen konnte. Einige Male konnte sich die DHB-Auswahl bei Torfrau Katja Schülke bedanken, die einige Versuche abwehrte. Bei dem Gewaltwurf von Kristine Lunde zum 14:7-Halbzeitstand war sie jedoch machtlos. Während Heine Jensen mit der Torhüterin und der Deckung zufrieden sein konnte, war die Offensive das Problem - das sollte auch im zweiten Abschnitt so bleiben. „Wir haben viel zu viel quer gespielt. Keine hat Verantwortung übernommen. Und so sind wir immer wieder in die norwegischen Fallen gegangen. Wir haben nicht clever genug agiert”, so Jensen.

Katja Langkeit erzielte den ersten deutschen Treffer des zweiten Abschnitts im Gegenstoß, allerdings musste die eingewechselte Clara Woltering in diesen drei Minuten drei Gegentreffer zum 17:8 hinnehmen und hatte einen denkbar schlechten Start. In Unterzahl, Kerstin Wohlbold hatte eine Zeitstrafe erhalten, konnte sich Deutschland danach unter der Regie von Randy Bühlau schadlos halten. Richter verpasste jedoch einen weiteren Siebenmeter-Treffer. Es war eine insgesamt kuriose Phase, zehn Minuten nach Wiederanpfiff versiegte bei beiden Teams der Torfluss, während die Partie munter hin und her wogte. Wohlbold, die Frafjord niederrang, erhielt dabei alsbald ihre zweite Hinausstellung. Frafjord war es auch, die in Überzahl einen Heber zum 20:10-Zwischenstand (43.) verwandelte.

Norwegen konnte in der Offensive inzwischen von der Torgefahr vieler Spielerinnen profitieren, während im deutschen Kader Mietzner, Langkeit und Richter jeweils drei Tore erzielt hatten. Trotz des deutlichen Stands von 21:12 nahm Thorir Hergeirsson elf Minuten vor Spielende seine Auszeit. Eine offensivere Ausrichtung der gegnerischen Abwehr machte es dem DHB-Auswahl umso schwerer, weitere Torerfolge zu einzufahren. Gleichwohl konnte auch Thorir Hergeirsson noch nicht damit zufrieden sein, was Regisseurin Kristine Lunde gemeinsam mit der ebenfalls eingewechselten Nora Mørk veranstaltete. Beide Teams stehen zum Auftakt des GF World Cup sichtlich noch am Anfang ihrer Entwicklung, insbesondere im gebundenen Angriff. Mit Rumänien und Frankreich warten nach der deutlichen 13:25-Auftaktniederlage morgen und übermorgen zwei weitere Prüfsteine auf Deutschland.

"Das war nicht in der Nähe von dem, was notwendig ist, um auf diesem Niveau mitzuspielen. Wir haben noch viel Arbeit vor uns", sagte Bundestrainer Heine Jensen der dpa nach dem Schlusspfiff. "Wir haben in dieser Höhe verdient verloren", meinte Jensen, der zumindest mit der Abwehrarbeit seiner Spielerinnen über weite Strecken zufrieden war.

Norwegen - Deutschland 25:13 (14:7)

Norwegen: Grimsbø, Lunde-Haraldsen
Molid, Alstad 2, Løke, Nøstvold 2, Breivang, Lunde-Borgersen 5, Johansen 2, Frafjord 3, Kurtovic 3/3, Kristiansen, Sulland, Riegelhuth-Koren 4/1, Snorroeggen 3, Herrem 1

Deutschland: Englert, Schülke, Woltering
Klein, Jurack, Bülau, Mietzner 3, Augsburg 1, Müller, Loerper 1, Hering, Gubernatis, Richter 3/2, Langkeit 3, Steinbach, Althaus 1, Wohlbold 1, Schulze