18.03.2006 18:04 Uhr - 1. Bundesliga - Christopher Monz

Trier mit glücklichem Sieg in Rostock

Der abstiegsgefährdete PSV Rostock wartete heute gegen Vizemeister DJK/MJC Trier mit einer starken Leistung auf. Die Gastgeberinnen führten zur Halbzeit mit 13:11 und konnten den Vorsprung Mitte des zweiten Abschnitts dank der stark aufspielenden Svenja Spriestersbach und der Paraden von Peggy Brandenberger sogar auf vier Tore ausbauen. Angeführt von der überragenden Maren Baumbach drehte der Favorit die Partie allerdings in den Schlußminuten noch und gewann am Ende glücklich mit 27:26.

Svetlana MozgovaiaSvetlana Mozgovaia
Quelle: Christopher Monz
Kurz fiel das Statement von Triers Trainer Mane Skercevic nach Spielschluss aus: "Es gibt Tage, an denen verliert die bessere Mannschaft das Spiel". Die bessere Mannschaft war an diesem Tag nicht der Favorit aus Trier, sonder die tief im Abstiegsstrudel steckenden Rostock Dolphins. Aufopferungsvoll kämpfte der Tabellenvorletzte gegen den Deutschen Vizemeister, und stand am Ende trotz einer zwischenzeitlichen Vier-Toreführung in der zweiten Halbzeit mit leeren Händen da. Miezen Trainer Skercevic, der seine Siegesserie in der Bundesliga seit Amtsantritt auf 16:0 Punkte schraubte, hatte seine Mannschaft vor der Partie bereits gewarnt und bilanzierte nach der Schlußsirene: "Jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden, heute können wir sehr, sehr glücklich sein beide Punkte mitzunehmen."

Neben dem Spiel verlief schon die Vorbereitung der Gäste alles andere als optimal. Nationaltorhüterin Alexandra Gräfer zog sich unter der Woche im Training einen Außenbandabriss zu und wird auch in den nächsten Begegnungen fehlen, am Spieltag meldete sich dann auch noch Nationalspielerin Silke Meier mit einer fiebrigen Erkältung ab. Für Gräfer musste Daniela Vogt, Torhüterin von Triers zweiter Mannschaft die weiteste Auswärtsfahrt der Saison an die Ostsee antreten. Bereits am Freitag hatten sich die Miezen auf den rund 800km langen Weg von der Mosel nach Mecklenburg Vorpommern gemacht. Von der Entfernungen ließen sich auch die Fans der Miezen nicht abschrecken, vier Anhänger hatten trotz bereits erreichter Play Off Teilnahme ihrer Mannschaft den Weg in die Hansestadt gefunden. Aber auch die abstiegsbedrohten Rostockerinnen konnten erneut auf ihre Fans bauen.

Wie erwartet erwischten die Gäste, bei denen Marion Radonic den Vorzug vor Anja Althaus am Kreis erhielt den besseren Start in die Partie, beim 6:3 Zwischenstand für Trier nach zehn Minuten schien das Spiel seinen erwarteten Verlauf zu nehmen. Doch spätestens beim 7:7 zeigten die Gastgeber, dass sie sich im Kampf um den Klassenerhalt noch lange nicht aufgegeben haben. Rostock kämpfte in der Abwehr verbissen um jeden Ball, Gesine Paulus führte im Angriff gekonnt Regie, Torhüterin Peggy Brandenberger bot im Rostocker Tor erneut ein starke Leistung, und Svenja Spriestersbach traf im Angriff schier nach Belieben. Die Rostocker Rückraumspielerin erzielte bereits in der ersten Häfte acht Tore und war von der Trierer Abwehr nie in den Griff zu bekommen.

Die Gäste verzettelte sich unterdessen immer wieder in Einzelaktionen, verbunden mit vielen unnötigen Ballverlusten. Beim 10:9 (21.) ging Rostock durch einen Strafwurf von Spriestersbach erstmals in Führung, und hätte Maike März im Miezen Tor nicht in der ersten Halbzeit gleich mehrmals glänzend gegen die Rostocker Angreifer pariert, die Gastgeber hätten zur Pause schon deutlicher als nur mit 13:11 geführt.

Bis auf vier Tore bauten die Dolphins zur Freude der rund 250 Fans in der Scandline Arena ihre Führung aus, und dabei hatte Ute Lemmel in dieser Phase sowohl Spriestersbach wie auch Paulus eine längere Verschnaufpause gegönnt, damit die beiden überragenden Spielerinnen noch ausreichend Kräfte für die Schlußphase haben. Für sie kam Danijela Savic und bot, wie auch alle anderen Rostockerinnen am heutigen Tag, eine gute Leistung. Mit 18:14 führten die Gäste, doch dann verletzte sich Savic und so musste Spriestersbach wieder früh auf das Parkett zurück. Die Verletzung schien den Gastgeber kurz verunsichert zu haben, Trier glich zum 19:19 aus.

Mit einer Energieleistung zog der Außenseiter dann jedoch erneut davon, mit 26:23 führten die Dolphins bereits, ehe Trier angetrieben von Nationalspielerin Maren Baumbach zum Endspurt blies. Baumbach erzielte sechs ihrer acht Tore in der 2. Halbzeit, fünf davon in der letzten Viertelstunde, zudem fand Oxana Pal mehr und mehr ins Spiel der Miezen und wurde erneut beste Torschützin ihrer Mannschaft. Vielleicht hatte auch eine unglückliche Szene fünf Minuten vor Spielschluß den favorisierten Vizemeister aufgeweckt, Svetlana Mozgovaia hatte sich bei einem unglücklichen Zusammenprall mit Gesine Paulus eine tiefe und klaffende Platzwunde an der Stirn zugezogen, mit der sie zur Behandlung in ein Krankenhaus musste, wo die Wunde mit vier Stichen genäht wurde.

Die anderen "Miezen" raubten unterdessen dem Gastgeber die aufkeimende Hoffnung auf eine Überraschung und wichtige Punkte im Kampf um den Klassenverbleib. Der PSV bekam Probleme damit, dass Trier auf eine Manndeckung gegen die torgefährlichsten Rostockerinnen umgeschaltet hatte und so gelang den Gastgeberinnnen in den letzten fünf Minuten kein Treffer mehr. Ausgerechnet die überragende Svenja Spriestersbach scheiterte mit dem letzten Wurf der Rostockerinnen und auf der Gegenseite sorgte Oxana Pal mit ihrem neunten Treffer dann auch noch dafür, dass nicht einmal ein Punkt beim PSV verblieb.

PSV Rostock - DJK/MJC Trier 26 : 27 (13:11)

PSV Rostock:
Brandenberger, Radke (bei einem 7m)
Grundmann (2), Roelofsen (3), Savic (3), Paulus (3), Kordt, Spriestersbach (11/2), König (1), Schulze, Robben (3)

DJK/MJC Trier:
März, Vogt (n.e.)
Baumbach (8), Bohm (2), Henker, Mozgowaja (2), Jänisch (n.e.), Pal (9/4), Steinbach, Arnosova (2), Althaus (2), Radonic (2)

Zuschauer: 250
Schiedsrichter: Blümel / Loppaschewski
Strafminuten: 6 / 6
Siebenmeter: 3/2 (Paulus wirft über das Tor) – 5/4 ( Pal an den Pfosten)

Beste Spielerinnen:
Brandenberger, Spriestersbach – Baumbach (2. Hz) , Pal

Spielfilm:
1:3 (5.), 3:5 (10.), 6:7 (15.), 9:9 (20.), 12:10 (25.), 13:11 (HZ)
15:14 (35.), 18:15 (40.), 19:19 (45.), 22:20 (50.), 26:23 (55.), 26:27 (EN)