01.08.2011 11:38 Uhr - Stelioplast Cup Wittlich - Gerd Heizmann, PM HSG Wittlich

Sabine Englert: "Irgendwann kehre ich nach Deutschland zurück"

Sabine Englert holte in Dänemark mit Midtjylland in der vergangenen Saison TitelSabine Englert holte in Dänemark mit Midtjylland in der vergangenen Saison Titel
Quelle: Katja Boll
Seit zehn Jahren steht Sabine Englert (29) im Tor der deutschen Frauen - und trotz der Enttäuschung bei der EM 2010 in Norwegen war die vergangene Saison ihre erfolgreichste. Mit ihrem Club FC Midtjylland wurde Englert dänische Meisterin und gewann den EHF-Pokal. Nach einem Jahr bei Hypo in Wien wechselte Englert 2009 nach Dänemark - und die internationale Erfahrung der ruhigen Torfrau kommt auch dem Nationalteam zugute, mit dem sie sich für die WM in Brasilien qualifizierte. In Kürze ist sie in Deutschland zu Gast, nach vier Teilnahmen mit Bayer Leverkusen ist sie erstmals mit dem FC Midtjylland in Wittlich zu Gast.

EHF-Pokalsieg, dänischer Meister - hattest du vor der Saison mit diesen Titeln gerechnet?

Sabine Englert:
Ganz ehrlich, nein. Wir hatten einen großen Umbruch. Es haben ja nach der letzten Saison gleich sechs erfahrene Spielerinnen wie Gro Hammerseng oder Katja Nyberg ihren Abschied bekannt gegeben. Es kamen außer Linnea Torstensson nur junge Spielerinnen dazu. Aber wir waren eine junge und erfolgshungrige Truppe. Unser internes Ziel war schon die Meisterschaft und das Erreichen des EHF-Pokal-Halbfinals. Aber dass wir dann wirklich auch die Meisterschaft gewinnen, hätte ich echt nicht gedacht.

Was waren die Gründe für eure derart erfolgreiche Saison?

Sabine Englert:
Wir haben zum Jahreswechsel eine neue Co-Trainerin bekommen und nach der ersten Niederlage in der Finalrunde einen Mentaltrainer dazugeholt. Die Mannschaft ist sehr eng zusammengerückt und wir haben an das große Ziel geglaubt

Trotz der Erfolge hat dein Club sich vom Trainer getrennt - hat dich diese Entscheidung überrascht?

Sabine Englert:
Nein, es hat mich nicht überrascht. Es gab schon im Laufe der Saison Unruhe in der Mannschaft, was den Trainer betraf. Es wurde ja in der Presse auch schon viel spekuliert. Der Zeitpunkt überrascht wohl die meisten Außenstehenden. Aber wir haben eigentlich schon damit gerechnet.

Du spielst nun deine dritte Saison in Dänemark - fühlst du dich heimisch in Ikast?

Sabine Englert:
Ich hab mich sehr gut eingelebt. Mittlerweile beherrsche ich die Sprache auch ganz gut, was vieles einfacher macht, und im März habe ich angefangen, nebenher hoch ein paar Stunden zu arbeiten. Die Mannschaft ist super und es macht richtig Spaß.

Viele deutsche Nationalspielerinnen haben Dänemark mittlerweile wieder verlassen, wieso bist du geblieben?

Sabine Englert:
Ich bin ja über den Umweg Hypo erst zwei Jahre später nach Dänemark gekommen als einige andere. Mein Vertrag läuft noch ein Jahr, und es macht Spaß mit dieser Mannschaft. Zudem hab ich in der Saison jetzt die Möglichkeit Champions League zu spielen.

Was ist in Dänemark anders als zum Beispiel bei Hypo, wo du vorher gespielt hast?

Sabine Englert:
In Dänemark gibt es einen normaler Ligaalltag, in dem man sich in jedem Spiel mit guten Mannschaften messen kann. Bei Hypo hat man sich eigentlich nur auf die Champions League konzentriert.

Wird Midtjylland die letzte Station deiner Karriere sein oder zieht es dich weiter?

Sabine Englert:
Ich denke, dass ich irgendwann nach Deutschland zurück will und meine Karriere dort beenden werde.

Wie wichtig war der Schritt, nach Dänemark zu gehen, für deine Entwicklung?

Sabine Englert:
Erfahrung im Ausland zu sammeln ist natürlich für jeden super. Ich habe mich hier nicht nur sportlich, sondern auch menschlich weiterentwickelt. Es war also der richtige Schritt.

Deine langjährige "Mit-Torfrau" Clara Woltering hat Leverkusen überraschend in Richtung Podgorica verlassen. Wie bewertest du diesen Schritt?

Sabine Englert:
Wenn man die Möglichkeit hat, ins Ausland zu einem Topklub zu wechseln, ist das natürlich ein Riesenschritt. Für mich ist Buducnost einer der Anwärter auf den Champions League-Sieg in der nächsten Saison. Montenegro ist außerdem ein schönes Land. Clara wird dort ihren Weg gehen, da bin ich sicher.

Wie lauten deine Ziele mit deinem Club für die neue Saison, speziell in der Champions League?

Sabine Englert:
Wir wollen natürlich unseren Titel in Dänemark verteidigen, was nicht so einfach wird und uns in der Champions League so gut wie möglich schlagen. Wir haben leider wieder drei Abgänge von wichtigen Spielerinnen zu verkraften, aber wir haben eine sehr junge und erfolgshungrige Mannschaft.

Zur Nationalmannschaft: Der Wechsel auf Heine Jensen hat sich bezahlt gemacht. Wie schätzt du ihn als Trainer ein?

Sabine Englert:
Heine hat trotz seinen erst 34 Jahren schon sehr viel erreicht als Trainer. Ich schätze seine Arbeit und es macht wirklich Spaß mit ihm zu arbeiten.

Was hat sich in der Mannschaft seit der EM in Norwegen geändert?

Sabine Englert:
Wir sind als Mannschaft zusammengewachsen und jeder ist bereit, seinen Teil zum Erfolg der Mannschaft beizutragen. Wir haben Spaß daran, Handball zu spielen - und zeigen das auch nach Außen.

Viel wird vom neuen Team Spirit geredet - ist die Mannschaft wirklich näher zusammengerückt?

Sabine Englert:
Ja, das glaube ich. Wenn man alleine schon sieht, wie die anderen sich mit einem freuen, wenn man eine gute Aktion gemacht hat. Da springt die Bank auf und auch diejenigen, die auf der Tribüne sitzen sind voll dabei.

Im Tor ist Deutschland traditionell stark besetzt - gibt es überhaupt noch so etwas wie einen Stammplatz?

Sabine Englert:
Ja, im Tor haben wir wirklich ein Luxusproblem. Da bin ich froh, dass ich kein Trainer bin und entscheiden muss, wer spielt. Einen Stammplatz hat keine sicher, da wird in jedem Training gekämpft bis zum Umfallen. Gut ist natürlich, dass wir alle unterschiedliche Typen sind, da kann man dann entscheiden, wer vielleicht am besten zum Gegner passt.

Im Dezember steht die WM in Brasilien an. Schafft ihr dort die Qualifikation für Olympia?

Sabine Englert:
Wir wollen auf jeden Fall unter die ersten sieben Teams. Das berechtigt zur Teilnahme an einem der drei Qualifikationsturniere.

Was würde eine zweite Olympia-Teilnahme für dich persönlich bedeuten?

Sabine Englert:
Es wäre natürlich eine Riesen-Sache. Olympia ist immer was ganz Besonderes, da will man immer teilnehmen.

Du spielst mit Midtjylland zum ersten Mal beim Stelioplast-Cup in Wittlich - geht es zu diesem frühen Zeitpunkt der Saison schon um eine Standortbestimmung oder ist es erst einmal ein Einspielen? Wie lauten eure Ziele?

Sabine Englert:
Für uns ist es erst einmal ein Einspielen. Wir sind auch nicht mit der ganzen Mannschaft am Start. Mit Laerke Möller und Line Jörgensen sind noch zwei sehr wichtige Spielerinnen verletzt und unsere U-18-Spielerinnen sind auch noch bei der EM.

Hinweis:
Sabine Englert tritt mit dem FC Midtjylland in der Vorbereitung am 6. und 7. August in Wittlich beim Stelioplast Cup an. Weitere Informationen unter hsg-wittlich.de