17.05.2011 14:38 Uhr - 2. Bundesliga Nord - Jürgen Poestges - Cellesche Zeitung

Neue Torfrau zum SVG Celle

Geht nach Celle: Mami TanakaGeht nach Celle: Mami Tanaka
Quelle: Jürgen Pfliegensdörfer
Als erstes fliegt einem ihr Lächeln zu, das ganz und gar ansteckend ist. Sie sieht nicht aus wie eine Handball-Torhüterin. 1,72 Meter groß, schlank – Mami Tanaka. Die 33-jährige Japanerin hütet in der kommenden Saison das Tor der Handball-Bundesliga-Frauen von SVG Celle.

"Es war mein Traum, wieder in der 1. Bundesliga zu spielen", sagt sie. Aus Bensheim kommt sie nach Celle, ist mit ihrem alten Verein in den Play-offs zur 1. Liga gegen Bad Wildungen gescheitert. "Aber", sagt sie lächend, "mein Wechsel nach Celle war schon vorher klar." Dass sie trotzdem immer Einsatz zeigt, haben die Bensheimer Fans bestätigt: Bei der Partie zu Hause gegen Bad Wildungen wurde sie zur besten Spielerin der Partie gewählt.

"Ich will immer alles geben, immer 120 Prozent, und immer gewinnen", beschreibt sie ihre Einstellung. Seit fünf Jahren ist sie in Deutschland, beherrscht die fremde Sprache excellent. Vom Erstligisten Göppingen ging es nach dem Abstieg nach Buxtehude, wo sie im zweiten Jahr ein Kreuzbandriss stoppte. Nach überstandener Verletzung wechselte sie nach Bensheim.

Überzeugt hat sie SVG-Trainer Martin Kahle, als sie zwei Tage lang am Training in Celle teilnahm. "Sie hat viel Erfahrung, kennt sich in der 1. Liga aus", schwärmt der Coach. "Und sie kann die langen Pässe von hinten raus spielen, wie gemacht für unsere schnellen Gegenstöße."

Und da auch Tanaka sich wohlfühlte – "das ist eine tolle Mannschaft, ich bin sehr gut aufgenommen worden" – stand der Verpflichtung nichts mehr im Wege – zunächst einmal für ein Jahr. Jetzt steht dann erst einmal Urlaub an, in ihrer Heimatstadt Kyoto. Heimweh hat sie indes nicht. „Meine Mutter wird dann immer böse, wenn sie das hört.“ Am 17. Juni kehrt sie zunächst nach Bensheim zurück, ihr Vertrag dort endet zum 30. Juni. Und dann beginnt sie die Vorbereitung mit SVG Celle.

Das Saisonziel stimmt mit dem der Verantwortlichen überein: "Wir müssen die Klasse halten", sagt die 34-fache japanische Nationalspielerin. Immerhin bei drei Weltmeisterschaften war sie im Einsatz. Jetzt hat es einen Umbruch im Nationalteam gegeben, jüngere Spielerinnen wurden eingebaut. Allerdings ist Handball nicht unbedingt ein japanischer Nationalsport. "Als ich vor fünf Jahren nach Deutschland kam, hatten wir elf Frauen-Mannschaften, jetzt sind es noch sechs", erzählt Tanaka.

Auf ihr Engagement und ihr Leben in Celle freut sie sich sehr. "Ich mag es, in einer Stadt von der Größe Celles zu leben." Und auch den Kontakt zu den Fans. "In Bensheim ist sogar mal die Polizei zu mir gekommen und hat gefragt, warum wir nicht endlich mal wieder gewinnen", lacht sie. "Da hab ich dann zuerst schon komisch geguckt." Tanaka hat mit 13 Jahren in ihrem Heimatland mit dem Handball spielen begonnen. In Osaka studierte sie Sport, bevor für sie das Abenteuer Deutschland begann. "Hier ist natürlich alles anders als in Japan", sagt sie. "Das Essen, die Kultur. Aber es ist mir sehr leicht gefallen, mich hier einzugewöhnen." Und das will sie auch in Celle – ganz schnell. Nur eine Wohnung wird noch gesucht.