16.05.2011 11:44 Uhr - 2. Bundesliga Nord - Jürgen Poestges - Cellesche Zeitung

SVG Celle: "1. Liga - wir sind wieder da"

Das Team des SVG Celle hat die Rückkehr in die 1. Bundesliga geschafftDas Team des SVG Celle hat die Rückkehr in die 1. Bundesliga geschafft
Quelle: SVG Celle
Der Aufstieg stand auf des Messers Schneide. Aber die Handball-Frauen von SVG Celle haben einmal mehr Nerven bewiesen. Trotz der 26:30-Niederlage im zweiten Play-off-Finale gegen TV Nellingen reichte der Vorsprung aus dem Hinspiel zu Aufstieg in die 1. Liga.

Wie wunderbar süß diese Niederlage schmeckte, war Desiree Comans anzusehen. Nachdem die Kreisläuferin den ersten großen Schluck aus der Sektflasche genommen und genossen hatte, machte sie sich auf die Suche nach Martin Kahle, ihrem Trainer. Als sie ihn in der Halle gefunden hatte, ließ sie ihn zur Freude der ganzen Mannschaft ausgiebig in dem prickelnden Getränk duschen. "Ein fantastisches Gefühl", sagte Desiree Comans nur. Gefangen im Rausch des Sieges, der eigentlich eine Niederlage war, die aber wiederum wegen des Torverhältnisses den Bundesligaaufstieg bedeutete, waren es erst einmal nur Halbsätze und Superlative, die aus ihr heraussprudelten.

Es dauerte einige wenige Augenblicke, bis sie sich halbwegs gefasst hatte, was sich dann nicht viel weniger euphorisch, nämlich so anhörte, "ich kann es immer noch gar nicht glauben, dass wir in der nächsten Saison wieder in der Bundesliga spielen", befand sie und widmete sich wieder dem Schaumwein. Ein glückliches, erleichtertes Lächeln umspielte ihren Mund, als sie in die Arme der anderen Spielerinnen fiel, die noch in der Halle anfingen, in die lange Nacht zu singen und zu tanzen.

Nach dem gemeinsamen Mannschaftsfoto wollte Martin Kahle erst einmal alleine sein. Er hatte sich von dem bunten Geschehen entfernt, den Sekt aus dem Gesicht und den Haaren gewischt und auf den Trainerstuhl fallen lassen - mit einer Flasche Wasser. Er sah erschöpft und nachdenklich aus, als würde die ganze Saison noch einmal vor seinem inneren Auge ablaufen. "Es wäre sehr ungerecht gewesen", sagte er, "wenn wir es nach dieser sehr guten Saison nicht geschafft hätten und für einen sehr schlechten Tag bestraft worden wären. Wir haben die Liga dominiert, waren in drei von vier Play-offs die bessere Mannschaft."

Wie nahe ihm das dramatische Saisonfinale gegangen war, konnte man an der Aussage im Hinblick auf die kommende Saison ablesen. „"Ich werde erst einmal ein bisschen Abstand brauchen", sagte Martin Kahle. "Ich mach eine Woche Pause, dann werde ich mich mit der Geschäftsleitung zusammensetzen." Einen Vertrag für die kommende Saison hat er noch nicht, festlegen wollte er sich auch nach dem gelungenen Bundesligaaufstieg noch nicht. "Ich weiß nach den Erfahrungen aus dem ersten Jahr in der 1. Bundesliga, was auf mich zu kommt. Und ich habe immerhin einen Full-Time-Job."

Besonders nahe ist das furiose Saisonfinale auch den Spielerinnen gegangen. Wehmut schwang bei Torhüterin Antje Lenz mit. "Es ist so ein tolles Gefühl, mit dieser Mannschaft aufgestiegen zu sein", sagte sie und verdrückte die ein oder andere Träne. "Aber im Sport ist es nun einmal so, dass man schon mal den Verein wechselt. Und ich freue mich jetzt schon auf die Rückkehr nach Celle. Auch wenn ich dann bei Buxtehude auf der anderen Seite im Tor stehe."

"Wir hatten Angst, den Aufstieg noch zu verspielen", sagte Wencke Meomartino, angesprochen auf die aufregenden Schlussminuten. "In diesem wichtigen Spiel war der Druck groß, wir haben viele Möglichkeiten vergeben und uns mit dem Spiel der Gäste sehr, sehr schwer getan." Und sieben Minuten vor dem Ende mit sieben Toren hinten gelegen. "In diesem Augenblick war die Bundesliga ganz weit weg", sagte Comans, "ich dachte, das war’s." In der Halle, in der die Zuschauer den sicher geglaubten Aufstieg der Mannschaft schon mit Ovationen gefeiert hatten, war es auf einmal mucksmäuschenstill.

Bis Susanne Büttner, Jolanda Robben, Nastja Antonewitch und wieder Jolanda Robben – achtzehn Sekunden vor dem Ende – nacheinander trafen und ihre Mannschaft bis auf drei Tore heranbrachten. Der Bundesligaaufstieg. "Ich habe auf die Uhr geschaut, auf den Spielstand. Und dann habe ich nur gedacht: Mach weiter, mach weiter. Es zählt nur der Spielstand, der da oben nach 60 Minuten steht", sagte Robben. "Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben und immer an uns geglaubt", ergänzte Susanne Büttner, die Rechtsaußenspielerin, die lange versucht hatte, sich gegen die Sektdusche von Desiree Comans zu wehren. Vergebens im übrigen ...