26.04.2011 13:35 Uhr - Länderspiele - dpa, dhb, thc, red

Teamgeist entfacht: Handballerinnen optimistisch

Heine Jensen und das deutsche Team bejubelten einen gelungenen AuftaktHeine Jensen und das deutsche Team bejubelten einen gelungenen Auftakt
Quelle: Michael Heuberger
Die deutschen Handballerinnen sind vom "dänischen Virus" infiziert. Verantwortlich dafür: Heine Jensen, der neue Bundestrainer. Plötzlich hofft das deutsche Team sogar wieder auf Olympia. "Ich erlebe eine ganz andere Körpersprache", so Jensen im Rückblick auf das Turnier in Völklingen bei dem gegen Topteams zwei Siege und ein Unentschieden heraussprangen.

Nach der desaströsen EM waren sie am Boden, jetzt blicken die deutschen Handballerinnen wieder optimistisch nach vorn. Der neue Bundestrainer Heine Jensen hat den Spielerinnen Selbstvertrauen eingeimpft. Durch das 27:23 gegen Olympiasieger Norwegen sicherte sich seine Truppe am Ostersonntag Platz zwei beim hochkarätig besetzten Vierländer-Turnier in Völklingen - die WM-Qualifikation gegen Ungarn kann kommen.

"Der zweite Platz ist toll, aber das Wichtigste ist, dass wir aus diesen drei Spielen ohne Niederlage herausgekommen sind. Die Mannschaft war noch sehr mitgenommen von den Ergebnissen der EM. Die erfolgreichen Spiele in Völklingen waren wichtig für die Moral der Mannschaft. Ich erlebe eine ganz andere Körpersprache", so Jensen. "Die deutsche Mannschaft hat die richtige Person, um diese Spielergruppe zu führen. Ich sehe den Anfang einer Struktur. In allen Phasen des Spiels wird besser zusammen gearbeitet", verteilte Norwegens Trainer Thorir Hergeirsson ein Lob an den Gegner.

Jensen wurde schnell als Verantwortlicher für die neue Aufbruchstimmung gefeiert. "Er ist eben typisch dänisch, sehr positiv und legt viel Wert auf Emotionen. Das tut uns sehr gut", sagte Rekordnationalspielerin Grit Jurack. Der 34 Jahre alte Jensen, bis 31. Juni in Doppelfunktion auch noch Trainer des HC Leipzig, soll die bei der EM auf Platz 13 abgestürzten Handballerinnen wieder konkurrenzfähig machen und über die schwere Qualifikation gegen Ungarn (5. und 11. Juni) zur WM im Dezember in Brasilien führen.

Die WM wäre auch die letzte Chance, sich noch ein Ticket für die Olympischen Spiele 2012 zu holen. Dass Jensen für die schwere Aufgabe die richtige Wahl sein könnte, zeigte sich in Völklingen bei den Duellen gegen Spanien (25:24), den WM-Zweiten Frankreich (25:25) und Norwegen. Optimismus und Spaß am Handballspielen sind sein Credo, und damit hauchte er dem Team neues Leben ein.

In vielen Gesprächen versuchte er, den Spielerinnen den Glauben an sich selbst und die Mannschaft wieder zurückzugeben. "Mit seiner dänischen Mentalität ist ihm das bisher auch hervorragend gelungen", sagte Nadja Nadgornaja vom Thüringer HC. "Mit Heine Jensen haben wir einen guten Cheftrainer. Es hat mir richtig viel Spaß gemacht mit den besten Spielerinnen Deutschlands gemeinsam zu trainieren. Dirk Leun und Dietmar Schmidt haben sich mehr im Hintergrund gehalten. Heine Jensen agierte als Cheftrainer und Renate Wolf als Co-Trainerin", erläuterte Kerstin Wohlbold die Aufgabenteilung.

Erste positive Effekte waren im Saarland beim ersten und einzigen Test vor der WM-Qualifikation zu sehen. Die Spielerinnen kämpften füreinander und freuten sich miteinander, setzten den vom Dänen propagierten Tempo-Handball phasenweise schon gut um. "Jede will Verantwortung übernehmen und Teil der Mannschaft sein. Das war vorher nicht so", sagte Grit Jurack, die am Sonntag als erste Deutsche ihr 300. Länderspiel absolvierte.

"Ich arbeite gern für das Team. Wir sollten immer unsere individuellen Stärken einbringen. Ich habe immer versucht meine Mitspielerinnen gut ins Spiel zu bringen. Da bin immer mit 100% dabei und ich lebe gern meine Emotionen aus. Und genau das forderten auch die Trainer von uns", so Debütantin Kerstin Wohlbold, die anstelle der ehemaligen Kapitänin Nina wörz für die Maßnahme nominiert wurde. "Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Die Abstimmung hat sich verbessert. Mit der Abwehr war ich sehr zufrieden. Wir haben eine sehr solide defensive Basis geschaffen", so Jensen.

Jensen, der mit den drei Liga-Trainern Renate Wolf (Leverkusen), Dirk Leun (Buxtehude) und Dietmar Schmidt (Frankfurt/Oder) die DHB-Auswahl vorbereitet, legte seinen Fokus im Lehrgang vor allem auf das "Teambuilding", taktisches Fein-Tuning kommt später. "Es geht erstmal darum, Vertrauen zu schaffen und jeder Spielerin zu zeigen, dass sie wichtig ist", erklärte Jensen, der ein positives Fazit zog. "Wir sind auf einem guten Weg. Wenn wir so weiter machen, können wir es gegen Ungarn schaffen. Alle ziehen mit an einem Strang für das Gesamtprojekt deutscher Frauen-Handball."

Anteil an der Aufbruchstimmung haben auch Jensens Liga-Kollegen. Die "Vierer-Konstellation" kommt an, im Team und bei den beteiligten Trainern. "Das macht richtig Spaß. Es geht nicht um uns, sondern darum, den deutschen Frauen-Handball wieder nach vorne zu bringen", sagte Jensen, der sich eine Weiterführung der Kompetenzbündelung auch nach den Ungarn-Spielen vorstellen kann: "Alle drei haben große Qualitäten. Es ist fraglich, wie das in der Praxis umsetzbar ist. Aber wenn es in irgendeiner Form möglich wäre, warum nicht."

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