06.04.2011 21:30 Uhr - 1. Bundesliga - Ole Rosenbohm, VfL Oldenburg

VfL triumphiert in Leverkusen: 27:24 bringt Ticket fürs Halbfinale

Oldenburg siegt in LeverkusenOldenburg siegt in Leverkusen
Quelle: Hermann Jack
Jubel bei den Fans und Spielerinnen, Fassungslosigkeit beim Gegner: Die Handballerinnen des VfL Oldenburg haben dank einer bärenstarken Abwehrleistung das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft erreicht. Im Playoff-Viertelfinal-Rückspiel siegte der VfL am heutigen Mittwochabend (6.4.2011) bei Bayer Leverkusen mit 27:24 (14:11). Das Hinspiel am vergangenen Sonntag hatte Leverkusen in Oldenburg noch mit 29:27 gewonnen. Für die "Elfen" - Tabellenvierte der Hauptrunde - ist die Saison 2010/11 damit schon Anfang April beendet.

"Ich bin kaum in der Lage, die richtigen Worte zu finden", sagte Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki nach der Partie. "Lass uns diesen Erfolg genießen." Leverkusens Trainerin Renate Wolf bemängelte: "Wir haben unter unserem Niveau und ohne den entsprechenden Druck gespielt."

Beide Mannschaften setzten zunächst auf eine 6-0-Abwehr, Oldenburg verzichtete wie über weite Strecken im Hinspiel auf eine vorgezogene Deckung gegen Leverkusens linken Rückraum mit Laura Steinbach. Dennoch hatte der VfL die zweite Reihe der Gastgeberinnen in der ersten Hälfte meist gut im Griff. Nur einer der ersten fünf Würfe landete im Tor. In der vierten Minute war der mehrfach zum Kontern kommende VfL mit 3:1 in Führung gegangen. Nun kamen die Gastgeberinnen etwas besser in Schwung. Steinbach setzte die am Kreis postierte Anna Loerper einige Male gut ein. Bayer kam aber auch zum Ausgleich (3:3/8., 5:5/9.), weil nun Oldenburg Gegenstoßsituationen und einen Siebenmeter nicht nutzte.

Mit zwei verwandelten Siebenmetern (Sabrina Neuendorf) war der VfL wieder mit zwei Toren weg (7:5/12.) und hielt diesen Vorsprung lange. Als Leverkusens Trainerin Renate Wolf (nachdem Clara Woltering einen Badenhop-Konter entschärft hatte) in der 22. Minute ihre Auszeit nahm, führte der VfL mit 11:9. Mehrfach waren die Oldenburgerinnen durch gutes Kombinationsspiel zum Erfolg gekommen - etwa über Linksaußen Anna Badenhop, die so für das 12:9 (24.) sorgte, oder Kreisläuferin Kethorn. Bayer stellte seine Deckung nach der Auszeit auf eine 5-1-Formation mit Elisabeth Garcia als Vorgezogene um.

In der 28. Minute war der VfL erstmals auf vier Tore weg. Leverkusens - nun mit Lyn Byl am Kreis - kam nicht zum Wurf, Kethorn eroberte den Ball und schickte Badenhop für das 14:10. Die für die wenig effektive Denisa Glankovicova eingewechselte Marlene Zapf sorgte für Ergebniskorrektur, scheiterte aber kurz danach (29.) beim Versuch von Rechtsaußen, das 12:14 zu erzielen. Es war Tatiana Surkovas zwölfte Parade, gegen Loerper ließ die eigentlich angeschlagene Torfrau Sekunden vor der Pause die 13. folgen. Gegenüber Clara Woltering kam in der ersten Hälfte auf elf gehaltene Bälle.

Die Kabinenansprache von Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki muss kurz ausgefallen sein, die Gäste waren Minuten vor dem noch amtierenden Pokalsieger wieder auf der Platte - und auch früher im Spielfluss: Bis zur 35. Minute zog der VfL auf 17:12 davon (Kethorn, Wenzl, Badenhop). Steinbachs 13:17 (35.) war eine der immer seltener gewordenen guten Aktionen aus der zweiten Reihe. Und noch immer war Surkova da, hielt einen Garcia-Konter (38.) und mit Fußreflex einen Loerper-Wurf aus sieben Metern (40.). Wenig später parierte sie einen Versuch Glankovicivas. In dieser Phase leistete sich Oldenburg auf der anderen Seite vorne einige technische Fehler. Erst in der 41. Minute erhöhte Laura van der Heijden auf 19:14.

Die Oldenburger Vorteile in dieser sich fast zu einer Abwehrschlacht entwickelten Partie wurden immer offensichtlicher. Immerhin sorgte Steinbach mit ihren Treffern zum 16:20 (46.), 17:21 (47.; in Unterzahl) und 18:22 (50.) für Hoffnung beim gastgebenden Favoriten. Lois Abbingh antwortete zwischendurch mit einem Schlagwurf zum 22:17 (49.). Die letzten zehn Minuten begannen mit Paraden beider Torfrauen, dann trafen van der Heijden und sofort darauf wieder Steinbach (53./19:23). Leverkusen kam durch Zapf per Strafwurf und einem Wurf von rechts zum 20:23 und 21:24 - also jeweils auf einen Treffer in der Addition beider Spiele heran. Das 25:21 (55.) erzielte Neuendorf per verwandeltem Strafwurf (nach Foul an van der Heijden).

Mit einer Zeitstrafe gegen Kethorn begannen die letzten fünf Minuten. Steinbach - nur die 25-Jährige schien bei den Elfen noch zu treffen - machte das 22:25 (56.), Neuendorf antwortete mit dem 26:22. In der letzten Minute stand es 27:23 für den VfL, der sich nur noch einen Gegentreffer erlauben durfte. Diesen warf Loerper 42 Sekunden vor Schluss nach Durchbruch. Oldenburg versuchte nun die Zeit runterzuspielen, bekam zwei Freiwürfe und kam durch van der Heijden zum Abschluss. Den Wurf aber parierte Woltering und schickte Zapf auf die Reise. Zapf bekam den Ball einige Meter hinter der Mittellinie, wurde von der herausgelaufenen Surkova bedrängt, drehte sich um die eigene Achse und warf den Ball Richtung leeres Tor. Am Kreis stand Geschke und lenkte den Ball ins Aus. Die Schiedsrichter beendeten das Spiel, Oldenburg jubelte, Leverkusen war fassungslos, beanstandete die Aktion der Oldenburger Torfrau. "Diese Szene gilt es aufzuarbeiten, das Spiel ist aber nicht wegen dieser letzten Szene entschieden worden", sagte Wolf. Seitens der Gastgeberinnen bemängelte man zudem, dass Offizielle bereits vor Ende des Spiels aufs Spielfeld gelaufen seien, ohne dass die Uhr angehalten wurde. Leverkusen kündigte vorsorglich einen Protest gegen die Spielwertung an.